Zweieinhalb Wochen in der Vergangenheit

oder: falsche Wege zu richtigen Orten in Kuba

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Heimreise

Der Abreisetag gestaltete sich im Großen und Ganzen recht entspannt. Unser Transfer nach Havanna zum Flughafen sollte um halb elf starten. Somit hatten wir ausreichend Zeit zum Sondieren, Packen, Frühstücken. Wir hatten etwa 5-6 Stunden Fahrt vor uns und hofften in einem der dort verkehrenden Busse einen guten Platz für uns zu ergattern. Wahrscheinlich sammeln die noch Gäste aus anderen Hotels ein, dachten wir. Wir dachten falsch. Ein Exklusiv-Transport für uns drei in einem kleinen Bus für acht Personen erwartete uns mit einem Fahrer, der zwar nur Spanisch verstand, aber mit man reden konnte.

Wir bauten in den Transfer kurzerhand noch einen Zwischenstopp in Santa Clara ein, um uns den Platz der Revolution anzuschauen, wo Che beerdigt ist. Ein großes Denkmal erinnert an den in Kuba allgegenwärtigen Revolutionär.

Ein weiterer Stopp war an einem sehr schönen Autobahn-Restaurant, wo wir Mittag aßen. Das schöne in Kuba war, dass man selbst direkt an Straßen und Autobahn gelegenen Restaurants wenig Straßenlärm hat, da halt nicht so viele Fahrzeuge unterwegs sind. Okay – wenn dann mal einer kommt, ist der meist laut und stinkend.

Wir werden überpünktlich am Flughafen abgesetzt, wecken unseren Sohn, der die halbe Fahrt verschlafen hatte. Mit der Mischung aus kubanischer Korrektheit und Gelassenheit passierten wir alle Hürden, bis wir in der sehr übersichtlichen Abflughalle saßen und noch einige Zeit hatten, die Flugzeuge nach Miami und Caracas zu verabschieden, bis unser Flugzeug mit Janosch-Bemalung pünktlich landete und mit uns ebenso pünktlich abhob.

Eine positive Überraschung erwartete uns noch im Flugzeug. Wir hatten eine Maschine mit neuer Kabine erwischt und somit Bildschirme in allen Rückenlehnen und moderne Sitze. Nachdem Happy-Feet und Mickey Mouse zu Ende war, schlief unser kleiner Mann ein und auch uns fehlten 5-6 Stunden des Fluges, in denen wir wohl geschlafen hatten.

Ebenso pünktlich kamen wir in Frankfurt an und fühlten uns immer noch gut erholt. Unser Auto wartete noch brav auf uns und am Nachmittag waren wir wieder im sonnigen, aber nicht ganz so warmen Rheinland.

Epilog

Eine Rundreise mit Kind und eigenem Auto in Kuba ohne Spanischkenntnisse ist sehr gut machbar. Der Flug war sehr gut, das Upgrade auf die Eco-Plus hat sich nach unserem Empfinden gelohnt.

Die Unterkünfte in Kuba waren für uns okay, aber hatten einen sozialistischen Charme. Es hatte FDGB-Ferienheim-Charakter. Überhaupt war es für uns eine Reise in die Vergangenheit oder besser in zwei Vergangenheiten. Zum einen war es der sozialistische Alltag, wie wir ihn aus unsere Kindheit und Jugend kannten: Schlangen vor Läden, Morgenappell an Schulen, Kinder in Pionieruniform, Lada und Moskwitsch, W50 und Kamas auf der Straße.

Dazu kamen die Oldtimer aus den 50ern. Es waren nicht vereinzelte, nostalgische – nein nach unserem Empfinden waren über die Hälfte, der in Kuba fahrenden Autos Buiks, Cadillacs, Pontiacs und viele andere aus der Zeit vor der Revolution. Ein Eldorado für Auto-Fans. Wenn wir durch die ländlichen Regionen Kubas fuhren und uns nur solche Gefährte begegneten, dazu noch die Cowboys auf ihren Pferden am Wegesrand mit Machete und einer Flasche Rum im Gummi-Stiefel, fühlten wir uns sechzig Jahre zurückversetzt.

Alles in allem empfanden wir Kuba als sehr sicheres und extrem kinderfreundliches Reiseland. Unser Sohn war oft der Schlüssel zu den Kubanern, die ihn herzten, etwas vorführten oder einfach nur beachteten. Das sind wir in Deutschland so nicht gewohnt. Wir hatten alle drei viel Spaß auf der Reise und fuhren mit der Taktik halber Tag Elternprogramm, halber Tag Kinderprogramm sehr gut. Beide Parteien hatten so immer Spaß an dem Tagesprogramm. Man könnte also den Urlaub mit dem Sprichwort zusammenfassen: Friede, Freude und meist auch Eierkuchen.