Zwei Wochen alte Herren und eine Woche Morna und Fado

oder: Falscher Wind am Anfang und Regen am Ende

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Santa Maria

Ein Taxi brachte uns zum Flughafen. Da wollten wir gar nicht hin, aber das Taxi war uns und unserem Gepäck nicht gewachsen. Die Stoßdämpfer gaben auf und wir wechselten das Gefährt.
Wir kamen sicher an unserem Hotel in Santa Maria an. Es war das Morabeza, wo wir am Tag zuvor schon am Strand lagen. Das Zimmer, das wir erhielten war sehr gut gelegen. Wir hatten einen tollen Blick auf den Strand und nur noch ein weiteres Zimmer war neben unserem in dem auch Deutsche wohnten. Mit ihnen kamen wir gleich ins Gespräch. Als wir erwähnten, dass wir auf dem Schiff waren, das zwei Tage vor dem Strand lag, hatten wir gleich ein längeres Gesprächsthema und wohl auch etwas Eindruck geschunden. Nachdem wir uns eingerichtet und frisch gemacht hatten, gingen wir zur Hotelbar. Es war Happy Hour und im Sonnenuntergang sitzend tranken wir Caipirinha und stießen auf die restliche Alex-Crew an, die wohl immer noch in der Hafenbar saß und auf den Weitertransport wartete.
Nachdem der zweite Cocktail ebenso wie die Happy Hour beendet war, begaben wir uns auf Nahrungssuche. Am Vortag waren einige vom Schiff in einem anderen Hotel essen und hatten von dem Ambiente und den Thunfischsteaks geschwärmt. Es handelte sich um dass Odjo d'Agua, welches sich nicht weit von unserem Hotel entfernt am Strand befand.
Das Ambiente war wirklich toll. Wir saßen direkt am Wasser in einem überdachten, aber zum Meer offenen Restaurant und die Wellen schlugen an die Mauer unter uns. Da war es klar, dass wir bei diesem Meeresrauschen natürlich Fisch bestellten. Dem Koch konnten wir übrigens bei der Zubereitung zusehen. Die Küche war durch eine große Glasscheibe abgetrennt. Mitten im Raum saßen zwei Musiker und sorgten mit einem Keyboard und einer Gitarre für unauffällige, angenehme Klänge. Die Steaks vom Thun- und vom Schwertfisch waren wirklich köstlich.
Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, tauchte plötzlich eine Sängerin und ein Saxophonist auf. Jetzt wurde es wirklich genial. Sie sang mit Gänsehautstimme Mornas und er jammte dazu auf seinem Saxophon, dass wir wie gebannt dasaßen und einfach nur genossen. Das war Urlaub.
Von den melancholischen Mornas hatten wir schon gehört. Sie sind die Musik der Kapverden, traurig, nachdenklich, voller Sehnsucht. Wo wir schon bei kapverdianischen Spezialitäten waren, wollten wir nicht aufhören und bestellten Grogue. Wir tranken abermals auf die Alex-Crew, die wohl auf unbequemen Flughafenbänken auf ihren Nachtflug warteten, währen wir das Leben in vollen Zügen genossen. Prost.
Am frühen Morgen fuhr ein Lastwagen vor unserem Zimmer entlang. Es war noch nicht mal richtig hell. Dann noch einer. Und wieder einer. Es hörte gar nicht auf. Im morgentlichen Halbschlaf versuchte ich meine Gedanken zu sortieren und mir vorzustellen, wo die Lastwagen wohl lang fahren könnten und warum und wieso so viele. Immerhin war nur Strand vor dem Hotel und keine Straße. Als ich langsam immer wacher wurde, wurde mir klar, dass die Lastwagen die Brandung war und die am Strand entlang donnernden Wellen dieses Geräusch verursachten. Mit diesem Wissen schlief ich wieder beruhigt ein.
Nach zwei Wochen schuften auf einem Segelschiff waren Sandra und ich übereingekommen, den ersten Tag komplett am Strand mit Nichtstun zu verbringen. Als einzige Ausnahme war die Nahrungsaufnahme gestattet. Mit letzerem begannen wir dann auch, einem ausgiebiges Frühstück im Freien. Es folgte ein ausgiebiges Herumliegen am Strand, ein ausgiebiges Mittag an der Strandbar, weiteres ausgiebiges Studium der mitgebrachten Lektüre am Strand. Unterbrochen wurde unser stressiges Tagesprogramm nur durch eine große Welle, die einen Wechsel des Liegeplatzes bedingte und einigen sportlichen Betätigungen, wie ins Wasser gehen oder mal den Strand entlang schlendern. Trotz diesen kräftezehrendem Tagesprogramm brachten wir am frühen Abend die Kraft auf, einmal durch den Ort zu gehen und ein wenig einzukaufen. Allerdings nur leichte Produkte wie Postkarten. Immerhin schleppten wir am Ende dann doch eine Flasche Grogue zum Hotel.
Pünktlich zur Happy Hour saßen wir wieder an der Bar und genossen den wohlverdienten Caipirinha. Das Abendessen nahmen wir im nahe gelegenen Funana ein. Das Essen war gut und reichlich, nur war das Ambiente sehr touristisch und die traditionelle Tanzgruppe wirkte schon fast grotesk, als sie ihre Tänze vor fast leerem Publikum darbot. Die Kellner machten überdies den Eindruck, sie seinen zur Arbeit gezwungen, so lustlos schleppten sie sich durch das Lokal. So nahmen wir unseren Absacker in unserer Hotelbar. Und das war gut so. Dort spielten zwei Musiker und plötzlich tauchte der Saxophonist vom Vorabend auf. Er wohnte in unserem Hotel und war Deutscher, wie wir mittlerweile herausbekommen hatten. Diesmal hatte er aber eine Querflöte dabei. Immerhin spielte einer der Musiker schon Saxophon. Eine Sängerin kam auch noch und so sangen und improvisierten sie gemeinsam den Abend über. Mich erinnerte es ein wenig an eine Mischung aus afrikanischer Folklore und Jethro Tull.
An der Bar saß ein weiterer Deutscher, der spontan mal dem Mann an dem Keyboard ablöste und einen Blues spielte. Da waren wir in einem interessanten Abend gelandet.
Nun wollten wir nicht nur immer am Strand liegen und auch den Rest der Insel erkunden. Dazu mieteten wir uns ein Auto, was komplikationslos verlief, als wir endliche eine Vermietung mit verfügbaren Jeeps gefunden hatten. Fünf Minuten später saßen wir in unserem Suzuki Grand Vitara auf dem Weg in den Inselnorden, fuhren am Flughafen vorbei, durch die Inselhauptstadt Espargos nach Palmeira. Von dort wollten wir zum Buracona, einem Naturschwimmbecken, wie es im Reiseführer angepriesen wurde. Nun war die Ausschilderung in Palmeira etwas spartanisch und wir hatten plötzlich mehrere Alternativen zur Weiterfahrt vor uns, die alle gleich falsch aussahen. Zur Hilfe kamen uns dann aber diejenigen, vor denen wir eigentlich einen großen Bogen machen wollten, große Touristenbusse. Wir folgten einfach einem, da deren Ziel auch unseres sein musste, da es in der Gegend ausser einer Staubfabrik, die wohl auch Baustoffe herstellte nichts Sehenswertes gab. Und tatsächlich auf einer abenteuerlichen Straße, die den Namen nicht verdient und wo der Allradantrieb gute Dienste tat, erreichten wir eine vom Meer ausgespülte Bucht. Der Nachteil an der Aktion für uns war, dass jede Menge italienischer Touristen dort herum sprangen, aber ohne sie hätten wir wahrscheinlich einige Umwege in Kauf nehmen müssen. So gesellten wir uns zu den Pastafreunden und bestaunten gemeinsam, was Mutter Natur für interessierte Touristen so geschaffen hatte.
Es handelte sich um eine kleine Meeresbucht, die das Meer in die Felsenküste gespült hatte und mit kristallklarem blauem Wasser ruhig da lag und zum Baden einzuladen schien. Idyllisch mögen einige denken, wenn sie sich das jetzt vorstellen. Dann sollten sie noch etwas weiter denken und sich vorstellen, eine Brandungswelle erreicht mit voller Wucht diese Enge und lässt die Gischt fünfzehn Meter hoch spritzen und das Meeresbecken in Sekundenbruchteilen so überfluten, dass der Wasserspiegel um einige Meter steigt und das Becken an eine Waschmaschine im höchsten Schleudergang erinnert. Nur ungleich gewaltiger. Wenige Minuten später, wenn dass Wasser abgelaufen war, war es wieder so friedlich, dass es einem beschaulichen Naturpool in einem Fünf-Sterne-Hotel glich.
Ein paar Einheimische sprangen auch tatsächlich in diesen Pool und schwammen zügig ans rettende Ufer kurz bevor der nächste Brecher hinein kam. Es schien sich um eine Art lokalem Nervenkitzel zu handeln. Oder um eine Touristenattraktion. Oder um beides.
Das war aber nicht die einzige Attraktion dort. Eine mindestens genauso schöne, wenn auch von ganz anderer Eleganz, war das Olho Azul - das blaue Auge. Kurioserweise interessierten sich die Stiefelländler überhaupt nicht dafür, obwohl es sogar die richtige Zeit für dieses Naturschauspiel war. Es handelte sich um ein zugegebenermaßen unscheinbares Loch in der Felsenküste. Zwischen elf Uhr mittags und ein Uhr nachmittags steht die Sonne so, dass sie durch dieses Loch hinunter zur Meeresoberfläche scheint und dort in dieser Höhle ein blaues Auge zu leuchten beginnt. Es war wirklich faszinierend zu beobachten. Warum die Busladung der Pizzaesser daran keinerlei Interesse zeigte, war uns schleierhaft. Nach einiger Zeit verschwanden sie und wir waren plötzlich allein dort und kletterten ungestört über die Klippen und genossen die Aussicht.
Noch das grässliche Geschaukel von der Herfahrt im Sinn und in den Knochen, verließen wir den Ort über eine andere Straße, durch die Wüste in Richtung Norden. Dort gab es ausser einer weiteren Staubfabrik aber nichts zu sehen und wir fuhren wieder nach Süden nach Espargos. Ein kurzer Spaziergang durch den Ort überzeugte uns davon woanders nach einem geeigneten Mittagsstopp zu suchen.
Pedra de Lume lag an der Ostküste von Sal und war eine sich wiederbelebende Geisterstadt. Früher wurde hier Salz gewonnen, dann wieder nicht und jetzt wohl doch wieder. Wie auch immer, wir hatten Hunger und von einem Restaurant dort gehört. Und tatsächlich, an einer kleinen, schönen Bucht stand ein recht großes, ansprechendes Restaurant mit schattigen Plätzen. Das war der gute Teil. Da es nicht viel Alternativen in der Gegend gab, trafen auch sämtliche sich auf der Insel befindlichen Busladungen von herumfahrenden italienischen Touristengruppen hier ein. Große Tafeln waren voll mit wild gestikulierenden und schmuckbehangenen Tifosi und deren Frauen mit großen Sonnenbrillen.
Aber bis auf die Lautstärke war es ein schöner Ort fürs Mittag. Trotz des großen Ansturms schaffte es die Bedienung sich gut um uns zu kümmern und die Pizzen waren groß und gut.
Satt und zufrieden besuchten wir dann die nahe gelegene Saline, in der wieder Salz abgebaut wurde. Es war sehr heiß in dem Tal, welches wir durch einen Tunnel betraten. Wir sprangen zwischen den einzelnen Salzfeldern herum und bestaunten die Salzkristalle und deren Farbe.
Bevor wir zurück nach Santa Maria fuhren hielten wir noch für einen Standspaziergang am Ponta Preda im Südwesten der Insel. Noch handelte es sich um einen Menschenleere kilometerlangen Sandstrand. Es machte allerdings den Anschein, dass es in einigen Jahre dort anders aussehen könnte. Etliche Großbaustellen für Urlaubsressorts und eine mit Laternen gespickte promenadenähnliche Straße ließen auf große Hoffnungen der lokalen Tourismusindustrie schließen.
Vor der Happy Hour schafften wir es sogar noch einmal ins Meer zu springen und trafen sogar noch einen Mitsegler von der Alex, der auch noch ein paar Tage Urlaub in Santa Maria machte.
Für das Abendessen hatten wir einen Tipp von unsere Zimmernachbarn bekommen, das Nova Peixaria. Dabei handelte es sich um eine kleine Hinterhofkneipe, die durch einen engen Seiteneingang zu betreten war. Es gab nur etwa 8 bis 10 Tische und eine Kellnerin, die sehr, sehr freundlich war. leider hatten sie an dem Tag keine Langusten gefangen, von denen uns unsere Nachbarn vorgeschwärmt hatten. Aber der Marlin, der uns gegrillt vorgesetzt wurde war köstlich. Dazu gab es guten Hauswein. Das Ambiente war sehr privat. Wir fühlten uns mehr als private Gäste in einem Hinterhof, als in einem meist unpersönlicherem Restaurant. Die Krönung war das Mousse au Chocolat zum Abschluss: gut für die Endorphine, schlecht für die Figur.
Welch ein Kontrastprogramm zum Vorabend erwartete uns in unserer Bar. Waren wir dort vom soliden musikalischem Handwerk der Hausband und den virtuosen Einlagen der Gäste verwöhnt gewesen, erwartet uns nun ein musikalisches Fiasko. Es war Karaoke-Abend. Etliche Kinder trällerten schreckliche Schlager und Popsongs noch schrecklicher nach. Wir beließen es bei einem Grogue. Vielleicht wäre es uns nach ein paar Grogues mehr nicht mehr so schlimm vorgekommen, aber wir wollten nichts riskieren und uns bis dato herrlichen Abend nicht verderben. Also gingen wir früher als sonst ins Bett.
Der letzte Tag auf Sal brach an. Da wir erst spät in der Nacht fliegen sollten, fragten wir, ob wir ein Tageszimmer bekämen. Wir konnten unseres behalten. Das gab uns die Möglichkeit den ganzen Tag zu nutzen und erst abends zu packen. Ich schlenderte durch den Ort auf der Suche nach Souvenirs, während Sandra schon mal grob ihre Sachen sortierte und so das ganze Zimmer für sich hatte. Dann legten wir uns an den Strand und zum Mittag gönnten wir uns fangfrische und gegrillte Langusten im Beachclub. Dazu gab es Weißwein. Eine herrliche Mischung um anschließend den Nachmittag am Strand zu verdösen.
Pünktlich zur Happy Hour saßen wir an unserer Bar, tranken Caipirinhas und gingen zum Essen ins Oudjo d'Agua. So schloss sich der Kreis.
Nach dem Essen packten wir unsere Sachen im Hotel zusammen, fuhren mit dem Hotel-Shuttle zum Flughafen und flogen in der Nacht nach Lissabon.

Lissabon

An einem Sonntag früh um acht Uhr ist sicher jede europäische Großstadt nicht sehr belebt. Lissabon machte da keine Ausnahme. Da unser Hotel frühestens ab elf Uhr die ersten Gäste mit Zimmern versorgte, schlichen wir erst einmal durch die menschenleere Einkaufsstraße und setzten uns dann in ein Cafe am Rossi und aßen Frühstück.
Als wir schlaftrunken im Hotel ankamen, hatten sie Mitleid mit uns und gaben uns schon ein Zimmer. Wir legten uns ins Bett, um den Schlaf, den wir auf dem sechsstündigen Nachtflug kaum bekommen hatten nachzuholen.
Ausgeschlafen begannen wir unseren Tag am Nachmittag mit einer Straßenbahnfahrt durch die Altstadt von Lissabon. Dabei war eigentlich der Weg das Ziel. Die alten Bahnen verkehrten in engsten Gassen und mühten sich steilste Straßen hinauf. Als wir dann durch die Altstadt zu Fuß schlenderten, passierte etwas, was wir schon lange nicht mehr erlebt hatten. Es regnete. Wir flüchteten uns in ein Restaurant oder genauer wir setzten draußen unter eine Markise und nahmen einen kleinen Snack zu uns. Da das Wetter nicht besser zu werden schien, fuhren wir zurück zum Hotel, um dort die Wetterkrise zu besprechen. Eigentlich hatten wir geplant abends durch die Altstadt zu schlendern und eventuell in einem Fado Lokal einzukehren. Bei Regen war uns nicht danach. Ich ging auf Erkundungstour und entdeckte gleich hinter unserem Hotel eine Ginginha, eine kleine Kneipe oder besser einen Ausschank in dem es eigentlich nur Kirschlikör gab. Klar dass ich da nicht ohne Probe dran vorbeikam. Als zweites entdeckte ich eine Kneipenmeile mit etlichen Restaurants, zwar ziemlich touristisch, aber wenn ich es so recht bedachte, waren wir ja hauptsächlich in dieser Funktion unterwegs. Also überbrachte ich Sandra kurzerhand die frohe Kunde, dass zu unserer Nahrungsaufnahme reichlich Alternativen vorhanden wären und wir machten uns auf den Weg. Dass ich abermals einen Stopp an der Ginginha einlegte, verstand sich von selbst.
Als wir so durch die Kneipenmeile schlenderten und uns umschauten, was uns zusagen könnte, wurden wir oft von den Kellnern schon auf der Straße angesprochen, ob wir nicht hineinkommen wollten. Es waren etliche Lokale mit freien Plätzen, nur vor einem befand sich eine Schlange. Es war ein Italiener, der in der Tat einen guten Eindruck machte. Wir stellten uns an. Ein Kellner fragte uns im Vorbeigehen, ob wir einen Tisch reservieren wollten. Verdutzt bejahten wir. Nach etwa zehn Minuten kam er wieder raus, suchte und fand uns und meinte der reservierte Tisch sei jetzt frei. Etwas irritiert folgten wir ihm an den vor uns wartenden Gästen vorbei zu einem Tisch. So ganz hatten wir das Prinzip nicht verstanden, aber als wir dann im einzigen Lokal, an dem Menschen anstanden saßen und unsere Bestellung abgaben, war uns auch schon die Lust vergangen einen tieferen Sinn im Verhalten des Kellners zu finden. Das Essen war ausgezeichnet, wahrscheinlich handelte es sich um einen Geheimtipp. Andererseits schien es so, dass auf Grund des Andrangs es wohl kein Geheimtipp mehr war. Satt und zufrieden kehrten wir ins Hotel zurück.
Leider hatte sich am nächsten Tag das Wetter immer noch nicht gebessert. Es regnete. Wir hofften in Belem wäre es etwas besser und beschlossen in diesen Ortsteil von Lissabon zu fahren. In Belem regnete es. Dass an einem Montag fast alles geschlossen war, wussten wir. Wir wollten uns trotzdem das dort befindliche Kloster, den Wehrturm Torre de Belem und das Denkmal Portugalia ansehen. Laut unseren Reiseführern sollte dies durch einen schönen Spaziergang möglich sein. Wir sind auch alle Höhepunkte abgelaufen. Im Regen. Zurück am Ausgangspunkt suchten wir eine Pasteria auf. Dabei handelte es sich um die berühmte Fabrica dos Pasteis. Dort wurden kleine Sahnepasteten hergestellt und einem Cafe konnten wir selbige kosten, dazu Kaffee trinken und uns etwas trocknen. Als letzte Sehenswürdigkeit in Belem, die wir im Trockenen besuchen konnten war nur noch der Königspalast Placio National de Ajuda übrig. Auf dem Weg dorthin regnete es. Wir besichtigen den Palast und konnten uns neben den tollen Gemächern des Königs auch immer wieder durch Fensterscheiben über das Regenwetter draußen informieren.
Danach fuhren wir zum Hotel, zogen trockenen Sachen an und fuhren wieder mit der Straßenbahn durch die Altstadt, die Alfama, zur Burg Castelo Sao Jorge. Von dort oben konnten wir über ganz Lissabon schauen, so weit es das trübe Wetter zuließ. Immerhin hatte der Regen aufgehört.
Das Abendprogramm starteten wir mit dem Elevator da Gloria, einem Straßenbahn ähnlichem Aufzug, der uns in die andere Altstadt, die Bairro Alto, brachte. Direkt am Ausstieg befand sich auch schon unser erster Etappenpunkt: Solar do Vinho do Porto. Dabei handelte es sich weniger um ein Lokal sondern mehr um eine Portweinprobierstube mit Snacks. Das Ambiente mit den großen Wandteppichen und den bequemen Sesseln war äußerst einladend. Es gab hunderte Portweine diverser Jahrgänge. Dazu konnten wir Brot, Oliven, Käse und Schinken bestellen. Der Schinken wurde direkt von den riesigen Keulen, die dort standen geraspelt und der Käse von großen Käserädern. Ein Ort, an dem wir es lange hätten aushalten können. Aber nach einigen Ports machten wir uns wieder auf den Weg.
Nachdem es am Vorabend italienisches Essen gab, hatten wir uns für französisch entschieden. In der Brasserie de L'Entrecote gab es eigentlich nur nur drei Wahlmöglichkeiten: blutig, medium oder gut durch. Darüberhinaus konnten wir nur noch den Wein sowie den Sitzplatz wählen. Ein guter Tipp für Entscheidungsunfreudige. Zu den Steaks auf französischer Art gab es Pommes Frites und Kräutersauße. Der Kellner füllte davon solange nach, bis wir abwinkten. Der Wein, ein portugiesischer Cabernet Sauvignon war übrigens ausgezeichnet. Zum Nachtisch bekamen wir ein Mousse au Chocolat, welches so gut war, dass auf die Liste suchtgefärdender Mittel gehörte. Zumindest bei den Weightwatchers.
Auf dem Rückweg redeten wir uns ein, dass wir durch den Bummel durch die äußerst hügelige Bairro Alto, vorbei an den ihren zahlreichen Fado Lokalen, etliche Kalorien sofort wieder verbrannt wurden. Die letzte Nacht in Lissabon schliefen wir so satt und zufrieden.
Natürlich schien am letzten Tag die Sonne. Aber bis zum Abflug hatten wir noch genügend Zeit, um die meisten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt noch im schönsten Licht zu fotografieren. Die Temperaturen kletterten auch wieder über die zwanzig Grad Marke. So behielten wir Lissabon wenigstens noch in guter Erinnerung.

Epilog

Mein zweiter Törn auf der Alexander von Humboldt unterschied sich in einigen Dingen von dem ersten. Wir waren deutlich längere Zeit auf See ohne Land zu sehen. Eine gewisse Routine, die nicht durch Landgänge unterbrochen wurde, war dadurch gegeben. In puncto Teilnehmer schien der Trend in Richtung Mitfünfziger zu gehen. Während die Stammcrew, bestehend aus Matrosen, Leichtmatrosen, Bootsmann den jüngeren Teil der Besatzung ausmachte. Bezeichnend hierfür war, dass unsere Jüngste in der Wache gleichzeitig unser Toppsmatrose war.
Die Kapverden, so schien es mir, liegen noch im pretouristischen Dornröschenschlaf. Auf Sao Nicolau war eine gewisse Ursprünglichkeit gegeben, welche den Reiz für Besuche ausmacht. Auf Sal sind die ersten Weichen für den Massentourismus a la Kanaren bereits gestellt. Riesige Hotelanlagen stehen mitten im Rohbau und werden in den nächsten Jahren das Bild der jetzt noch makellosen und sauberen Strände bestimmen.
Lissabon bot uns trotz schlechtem Wetter einige Abwechslung und durchaus eine europäische Metropole, die für ein längeres Wochenende zu empfehlen ist. Die Mischung aus Architektur und Lebensweise der Bewohner hat mir sehr gut gefallen und würde mich durchaus ein weiteres Mal in die portugiesische Hauptstadt locken.
Ob ich wieder an Bord gehe, wird von einigen Faktoren abhängen. Einerseits ist die Route wichtig. Als Warmwassersegler würde ich ungern im November in der Nordsee segeln. Zeit für die Routenwahl kann ich mir nehmen. Denn dass ich auch noch in zwanzig Jahren mitsegeln darf, scheint ebenfalls gesichert. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dann noch aktiv zu segeln. Aber vielleicht ändert sich solch eine Meinung im Alter und ich verspüre dann durchaus Lust mich von zwanzigjährigen Mädchen herumkommandieren zu lassen, wer weiss.