Eine Woche Gourmet und zwei Wochen Busch

oder: Von der falschen Bucht bis zur größten Dusche Afrikas

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Victoria Fälle

Es war verdammt früh, als ich aufstand. Eine Katze, die sich in mein Zimmer geschlichen hatte, jagte mir einen Riesenschreck ein, obwohl sie einfach nur dasaß. So war ich wenigstens wach. Von Kapstadt aus flog ich nach Johannesburg und von dort nach Victoria Falls. Als das Flugzeug auf aufsetzte, rannten die Paviane von der Landebahn. So habe ich mir Simbabwe vorgestellt.
Die Abfertigungshalle war recht übersichtlich. Die Flughafenbeamten saßen an einfachen Tischen und nahmen die Formalitäten entgegen. Letztere bestanden aus zweierlei Papier. Das eine musste man ausfüllen - die normalen Einreiseformulare -, die anderen waren bereits von der US-Notenbank ausgefüllt. 45 US Dollar für ein Visum wurden verlangt. Als ich mich im Vorfeld über Simbabwe und die Einreisebestimmungen erkundigte, nahm ich an, dass ich nun recht strengen bürokratischen Beamten mit finsterer Miene gegenüberstehen würde, die in mir einen reichen Europäer, den man ausquetschen muss, sahen. Sicher, sie waren korrekt, nahmen auch gern die grünen Scheine, waren aber überaus locker und verstanden Spaß. Ich fühlte mich eigentlich in keinster Weise unwohl in dem Land, über dass ich so viele schlimme Nachrichten hörte. Und es sollte auch so bleiben, sei vorausgeschickt.
Die Koffer kamen über kein Laufband. Sie wurden einfach in einen Raum gestellt und man ging zwischen ihnen durch und suchte sich seinen raus. Dann ging ich in die Empfangshalle, wo ich einen Führer sah, der ein Schild mit meinem Namen hochhielt. Das wollte ich schon immer mal. Vier Amerikaner kamen auch noch mit, die aber in andere Hotels gebracht wurden. Ich setzte mich vorn zum Fahrer und wir unterhielten uns. Wie sich herausstellte, war er vor einigen Jahren in Deutschland, er hat Bekannte in Bitterfeld. Als ich ihm sagte, dass ich in Köln wohnte erzählte er mir, dass er auch dort war, nachdem er in Rostock war. Da ich etliche Jahre in Rostock gelebt hatte, unterhielten wir uns nun über den Strand von Warnemünde und über die gelben Rapsfelder im Frühling, die ihn so beeindruckten. So hatte ich mir mein erstes Gespräch in Simbabwe vorgestellt.
Die erste Hotelunterkunft war bereits Bestandteil der Safari. So wurde ich ins Kingdom at Victoria Falls gebracht, das Hotel welches vom Veranstalter ausgewählt wurde. Es war sehr beeindruckend. Ein wenig kam es mir wie Las Vegas in Afrika vor. Ich war zwar noch nie in Las Vegas, aber so könnte ich mir dort ein Hotel vorstellen. Es war groß, äußerst luxuriös, hatte einige Restaurants und Shops und ein Casino. Neben den normalen Eincheckformalitäten erklärte mir die Dame an der Rezeption auch einiges zu möglichen Zahlungsmöglichkeiten im Hotel. Wenn ich mit Kreditkarte zahlen würde, würde ich siebzig Prozent Rabatt bekommen. Nun fühle ich mich eigentlich fit in Englisch, aber da dachte ich, ich hätte da wohl etwas falsch verstanden. Nun gut, der Hotelboy und ich gingen in mein Zimmer, wo mir selbiger erklärte, er würde mir gerne einheimische Währung gegen US-Dollar tauschen zu einem weitaus besseren Kurs als die Banken. Ich wiegelte erst einmal ab und begann meine Sachen auszupacken. Da klingelte das Telefon. Erfreulicherweise ging es nicht ums Geld, sondern dass man auf mich wartete um zu den Victoria Fällen zu fahren. Das war doch was anderes. Ich traf auf die ersten zwei Teilnehmer meiner Safari, Emmy und Jan aus Holland. Die restlichen Mitstreiter waren noch nicht gelandet und sollten später ihre Tour machen.
So fuhren wir zu den Fällen; ein Weg den wir auch in fünf Minuten gelaufen wären. Da gerade ein Regenschauer vorüber war, fehlte uns etwas die Sonne und meine ersten Eindrücke, waren etwas geschmälert. Wir ließen uns aber viel Zeit mit der Erkundung, auch um von einer größeren Reisegruppe aus dem Land der aufgehenden Sonne mehr Abstand zu bekommen. Vielleicht half dies auch der Sonne, denn allmählich kam sie hervor und die Fälle waren nun im besten Licht mit den unvermeidlichen Regenbögen der Gischt. Auch wenn am Ende der Trockenzeit nur über die Hälfte der möglichen Breite das Wasser herunterfiel, war es ein imposantes Schauspiel. Die sambische Seite war komplett trocken. Von dort konnten die Leute trockenen Fußes durch das Flussbett des Sambesi gehen. Der Vorteil ist, dass man die Fälle gut fotografieren konnte und keine dieser lustigen bunten Plastikcapes anziehen musste, um einigermaßen trocken zu bleiben - außer man ist Japaner.
Nachdem wir die Fälle verließen, wurde auch klar, warum wir mit dem Auto fuhren, denn wir machten noch eine Runde entlang des Sambesi und zu einem großen Baobabbaum und sahen auch schon die ersten Elefanten.
Zurück im Hotel schloss sich dann das Briefing mit unserem botswanischen Guide an. Er hieß Godfrey und teilte uns mit, dass wir nur fünf Teilnehmer sind, die zwei fehlenden waren gerade auf der Victoria-Fälle-Tour. Im Groben wurde noch mal die Tour erläutert und die ersten Einzelheiten für den kommenden Tag. Im Abschluss kamen wir noch mal auf das Thema Geld in Simbabwe. Da erfuhr ich die ersten interessanten Aspekte. Der offizielle Kurs des Simbabwe Dollars zum US-Dollar war 1:50. Emmy und Jan hatten aber an einer Wechselstube für 1:500 getauscht. Das war der zehnfache Faktor! So nach und setzte sich das Bild zusammen. Daher rührte also der Riesenrabatt der Hotelleitung und das Angebots des Hotelboys. Als ich später noch im Hotel aß, entdeckte ich, das die normalen Speisekarten keine Preise hatten. Dafür gab es extra Ausdrucke, die man dazubekam. Mit dem inoffiziellen Kurs hatten die Preise dann auch etwa europäisches Niveau.
Da ich nicht alle Sachen, die ich mithatte für die Safari benötige, sortierte ich in meinem Zimmer einige aus, die ich im Hotel lassen wollte, da ich zwei Wochen später wieder eine Nacht dort verbringen würde. Im Fernseher lief eine Zusammenfassung der deutschen Fußballbundesliga. So hatte ich mir das TV-Programm in einem Hotel in Simbabwe vorgestellt.

Die Safari beginnt

Nach dem Frühstück trafen wir nun auch die restlichen zwei Teilnehmer der Safari. Es sind Christoph und Ralf aus Essen. Christoph sollte für uns noch mal sehr wichtig werden, aber dazu später mehr.
Wir fuhren mit einem Kleinbus über die Grenze nach Botswana und stiegen in Kasane in unser eigentliches Gefährt um. Es war ein verlängerter Landcruiser mit offenen Sitzen für sieben Personen und einem kleinen Anhänger, einem Trailer. Dort kamen unsere Taschen rein. Ein zweiter Landcruiser mit Trailer war unser Backup-Truck, der alles transportierte, was wir in den zwei Wochen brauchten: Zelte, Essen, Wasser, Dusche, Toilette, Kühlschrank, etc. Unser Truck wurde von unserem Guide Godfrey gefahren, im anderen Truck saßen unser Koch und ein Hilfsarbeiter, Moffat und Limbo.
Dann ging es endlich los. Wir fuhren nach Süden in Richtung Nata auf einer sehr guten Asphaltstraße. Am Wegesrand standen bereits die ersten Elefanten, die noch nicht ganz ausgeschlafen schienen. Dann wurde es allmählich sehr heiß. Wir machten einen Picknickstop im Schatten. Die Lunchpakete waren wohl für sieben Teilnehmer dimensioniert.
In Nata machten wir einen Tankstopp. Auf dem Weg zum designierten Übernachtungsplatz erreichte uns über CB Funk vom Backup Truck die Meldung, dass dieser von Buschfeuern zerstört war. Wir wichen auf einen nahe gelegenen Campingplatz aus - mit Duschen und Swimmingpool. Die Zelte wurden von unseren drei Profis aufgebaut und wir waren positiv von der Größe (der Zelte) überrascht. Man konnte bequem drin stehen, sie waren etwa 2,20 Meter hoch. Es wurden zwei Betten hineingestellt - in mein Zelt nur eins -, dazu ein Nachttisch mit Leuchtstofflampe und ein Sisalteppich hineingelegt. So hatten wir doch einigen Luxus im Busch zu erwarten.
Trotz der Buschbrände wollten wir zum Nata Sanctury fahren. Also alle rauf auf den Truck und los. Nach fünf Metern wieder Stopp und alle runter vom Truck - unser erster Plattfuß! Es sollte nicht unser letzter sein und auch andere Pannen hatte unser Truck noch später für uns vorbereitet. Nach dem Reifenwechsel ging es dann los. Der Platz wo wir ursprünglich hätten die Nacht verbringen sollen war in der Tat sehr eingeschwärzt und in der Nähe glimmte es auch noch. Wir schauten uns noch im Park um und als erstes fielen Altbekannte aus Namibia auf, die männlichen Gackeltrappen (engl. Black Korhaan). Das sind meist einzelne Vögel, die in regelmäßig unregelmäßigen Abständen am Wege stehen und beim Vorbeifahren einen Riesenkrach machen und hin und wieder auch noch hochfliegen. Wahrscheinlich, um weiter zu hören zu sein - typisch männliches Balzgehabe halt.
Wir genossen den Sonnenuntergang über endlose Salzpfannen und fuhren in unser Lager zurück. Dort war bereits das Abendessen auf dem Lagerfeuer bereitet und der Tisch im Freien gedeckt. Wir mussten uns nur noch ransetzten und essen. Leider sahen das etliche Käfer und Insekten ähnlich und wir hatten unseren ersten Buscheindruck. Bereits gegen 21 Uhr gingen wir ins Bett, da es am nächsten Morgen früh raus gehen sollte.

Nxai Pans

Sieht nach einem schwierigen Namen aus, was? Die Buschmannsprache mit ihren Klicklauten hat schon interessante Worte hervorgebracht. Vielleicht sollte man es als Mitteleuropäer erst gar nicht versuchen und es einfach ‚Nai Pans' aussprechen und das ‚x', welchen einem Schnalzlaut entspricht, ignorieren. Auch die benachbarten Makgadikgadi Pans rollen einem erst nach einigen Bieren so halbwegs korrekt über die Lippen. Sicher auch mit etwas Bier.
Wenn ich zu Hause morgens um fünf Uhr aufwache, liegt das daran, dass ich eventuell eine keramische Badeinrichtung aufsuchen muss und mich anschließend sofort wieder in die Waagerechte begebe. Aber an dem Morgen war ich einfach so wach. Warum weiß ich nicht. Ich stand einfach so auf, und genoss den Sonnenaufgang. Ich war munter und voller Tatendrang. Der Harndrang folgt dann aber auch bald.
Das Frühstück fand wieder im Freien statt. Danach wurde das Lager abgebaut und wir fuhren los. Nach kurzer Fahrt trafen wir unserem vorausgefahrenen Backup Truck mit Plattfuss.
Der erste Stopp war an den beeindruckenden Baines Baobabs. Dort gab es Tee und Gebäck. Es war extrem trocken und heiß und das nicht nur für uns. Myriaden kleiner Fliegen und andere Insekten hatten auch Durst und fielen über uns und unserem Tee her, obwohl der ja noch heißer war.
Der Backup Truck kam auch wieder ran und gemeinsam fuhren wir zu unserem Ziel, den Nxai Pan National Park. Als erstes begrüßte uns ein Löwenrudel, welches satt im Schatten lag unweit eines Kudukadavers. Viel war nicht mehr vom Kudu übrig. Die Löwen hätten ja auch wirklich mit dem Essen warten können. Aber so machten wir unser eigenes Mittag und danach auch Siesta. Dies aber nicht bei den Löwen, sondern in unseren Zelten. Es war sehr warm und trocken. Diesmal waren aber nicht nur Fliegen durstig, sondern Bienen. In riesigen Mengen hatten sie sich auf unsere Waschschüsseln gestürzt und die Abwaschschüsseln waren mit einem geschlossenen Bienenfilm überzogen. Ins Zelt konnten sie normalerweise nicht, aber wenn man das Zelt aufhat, um aus sicherem Versteck unbemerkt sich im Lager tummelnde Vögel zu fotografieren, kamen durch die schmale Öffnung durchaus Bienen ins Zelt. Ich musste vier von ihnen wieder herausbekommen, was mir auch ganz gut gelang. Als ich beim Nachmittagstee Godfrey fragte, was dies für Bienen seien, meinte er lapidar, ganz gewöhnliche afrikanische Killerbienen, leicht reizbar und äußerst angriffslustig. Manchmal ist es besser nicht immer gründlich informiert zu sein
Dann konzentrierten wir uns wieder auf größere Tiere. Bei der Abendpirschfahrt sahen wir nochmals die Löwen, dazu kommen Elefanten, später entdeckten wir noch in der Ferne Geparden und in der Nähe Löffelhunde. Mit Letzteren kann ich dann auch wieder den Bogen zum Essen spannen, welches nach Sonnenuntergang bereits auf uns wartete. Diesmal wimmelte es vor durstigen Motten und Käfern. Wir mussten die Büchsen immer mit dem Daumen abdecken, damit das Bier nicht buggy wird. (Ich hoffen diesen Gag verstehen zumindest die IT'ler unter den Lesern.)
Das Essen selbst war tadellos und danach schauten wir Busch-TV. So ins Lagerfeuer zu starren und die darum flitzenden Skorpione und Rennspinnen zu beobachten hatte schon etwas im Vergleich zu dem deutschem Fernsehprogramm. Okay, man kann nicht umschalten, hat dafür aber auch keine Werbeunterbrechungen. Dafür erfuhren wir an diesen Abend interessante Dinge, die für das (Über-) Leben im Busch wichtig sind. Zum Beispiel, welche Geräusche Löwen machen, wenn sie sich im Dunkeln orientieren und den anderen Rudelmitgliedern ihre Position mitteilen wollen. Dass ich dieses Wissen ich in der Tat noch einmal sehr brauchen sollte, konnte ich in diesem Abend aber noch nicht ahnen.
Fünf Uhr Wecken, Waschen, Frühstück, Aufsitzen hört sich nicht gerade nach Urlaub an, aber es war es doch. Keiner von uns wollte länger schlafen. Wir wollten Tier sehen und die sind nun mal früh morgens und abends zu sehen. Und wer im Urlaub schläft, hat den falschen Job - alter Beamtenwitz.
Das Highlight der Morgenpirsch war ein Gepard, der vor uns über den Weg schlich. Dazu kam wiederum ein Rudel Löwen, welches unter Bäumen im Schatten lag. Diesmal stellten wir uns gegenüber und machten Teepause - natürlich blieben wir im Auto. Dann war auch schon wieder Zeit für den Brunch und ich testete zum ersten Mal die Buschdusche. Dazu wird ein Wassersack an dem sich eine Duschöffnung befindet mit kaltem und warmen Wasser vom Lagerfeuer gefüllt und an einem Ast gehangen. Darunter wird Metallgestell, welches mit Zeltplane umspannt ist, aufgestellt und zwei Kabinen bietet. Eine zum Umkleiden und eine zum Duschen. Hört sich simpel an, ist auch simpel. Das Wasser im Wassersack reicht locker für 3-4 Duschen.
Kurz vor Ende unserer Siesta wurde es sehr windig und dann kam der Regen. Da wir trotzdem auf Pirsch fahren wollten, machten wir die Planen ans Auto und fuhren los. Nach kurzer Zeit konnten wir sie wieder entfernen. Wir fuhren zu dem Löwenrudel und in der Tat, es bewegte sich. Eine Löwin trank aus den zahlreichen Pfützen und wir konnten uns nur zwei Meter neben sie stellen, sie beobachten und fotografieren. Was für ein Erlebnis, einer Löwin direkt ins Auge zu sehen ohne Hindernisse dazwischen. Die Tiere können nämlich ein Auto mit Menschen nicht auflösen. Für sie ist ein sehr großes Tier, welches nicht bedrohlich ist, welches aber auch zu groß für einen Angriff ist. Dass darin Einzelindividuen stecken, können sie nicht erkennen. Und so ist man auch auf einem komplett freiem Truck vor einem Löwenangriff sicher.
Den Abschluss der Pirsch bildete ein Sonnenuntergang mit Elefanten. Der Tag endete mit Dinner im Freien und Busch-TV.

Luxus

Am Morgen wurden die Zelte abgebaut und der Park verlassen. Als wir wieder eine Weile auf der Asphaltstraße unterwegs waren und eine Teepause einlegen wollten, knackte es kurz und als wir anhielten, sahen wir das Debakel. Ein Rad von unserem Trailer war abgebrochen. In der Nähe waren noch die zwei Jeeps von Wilderness, einer anderen Safaritruppe, die den gleichen Reiseverlauf hatten wie wir und der wir häufig begegneten. Gemeinsam entleerten wir den Trailer auf unseren Truck, taten das Rad des Trailers in selbigen, schlossen ihn ab und ließen ihn dort. Auf der Weiterfahrt versuchte Godfrey jemanden bei Afroventures - unserer Safariagentur - zu erreichen, leider zunächst erfolglos.
Unser Ziel war Maun, das Tor zum Okavango-Delta. Dort trafen wir auch wieder auf unseren Backup Truck. Gemeinsam fuhren wir zunächst zur Tree Lodge, unserer Unterkunft, die wir nach einigen Irrfahrten dann auch fanden. Begrüßt von den Managern wurden wir zu unseren Zelten geleitet. Es fiel uns schwer diese Unterkünfte mit Zelten in Assoziation zu bringen. Denn das waren etwa dreißig Quadratmeter große, auf Holzplattformen gebaute mit Zeltstoffwänden gespannte Luxusunterkünfte mit Veranda, Innenbad mit Badewanne und Dusche im Freien. Und ich hatte solch einen Palast für mich alleine! Die Zelte standen etwa im 30-40 Meter Abstand voneinander mitten im Lodgegelände, wo Zebras, Springböcke, Paviane, Strauße frei herumliefen. Als erstes testete ich mal die Dusche, so kurz vorm Lunch. Es gab Bobotie, eine Spezialität im südlichen Afrika. Dann gönnte ich mir noch eine Runde im Swimmingpool mit Blick auf Zebras am Wasserloch. Womit beginnt eigentlich Dekadenz?
Der Nachmittag plätscherte so vor sich hin mit Nichtstun und auf der Veranda sitzen und die vorbeikommenden Tiere anschauen. So sollte Urlaub sein. Dann war Lunchtime. Godfrey war auch wieder eingetroffen, um den kaputten Trailer kümmerte sich die Backup Crew. Zum Essen kamen auch noch die restlichen Gäste der Lodge. Es handelte sich um einige weiße Familien aus Simbabwe, die hier mit ihren Kindern waren. Nur um den Luxus, den man auf dieser Lodge genoss darzustellen, sei hier das Menü beschrieben. Als Vorspeise gab es Pastete mit grünen Spargel, als Hauptgang Hühnchen in raffinierter Senfmarinade und als Dessert Eis im Schlafrock mit Birnen. Dazu wurde südafrikanischer Wein gereicht. Ein sehr exquisites Käsebuffet stand noch zum Abschuss bereit. Den Kaffee oder den Whisky nahmen wir dann auf der Terrasse unter dem herrlichen afrikanischen Sternenhimmel. So habe ich mir Afrika immer vorgestellt.
Aber es gibt leider auch das andere Afrika. Und dieses wurde in den Gesprächen mit den Simbabwern leider sehr deutlich klar. Sie haben eine sehr ungewisse Zukunft in ihrem Land. Sicher, sie könnten auswandern. Der Manager der Lodge zum Beispiel war auch in Simbabwe geboren und nach Australien ausgewandert. Jetzt ist er aber wieder zurück in Afrika, in Botswana. So geht es vielen weißen Simbabwern. Sie haben zwar die Möglichkeit einen britischen oder australischen Pass zu bekommen und in diese Länder zu gehen, ihr Herz hängt aber an Simbabwe, an Afrika. Es ist ihre Heimat.
Aber es wurden auch viele heitere Anekdoten ausgetauscht. Man erzählte sich von einem Piloten, der noch nach alten GPS Koordinaten flog und eine falsche, eine alte, Landebahn ansteuerte, die schon fast wieder Sumpf war. Er ist mit seinem Flugzeug wohl direkt zwischen den Flusspferden und Krokodilen gelandet. Er und seine Passagiere hatten aber wohl alles überlebt. Das war nur eine von vielen schönen Buschpilotengeschichten, die man gerne vor einem Flug mit einem Buschpiloten hört.

Okavango Delta

Eigentlich konnte ich ausschlafen, aber gegen fünf Uhr brüllten die Vögel förmlich, dass ich einfach wach war und nicht wieder einschlafen konnte. Bis sechs blieb ich aber liegen und genoss vom Bett aus das afrikanische Morgenerwachen. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Flughafen von Maun. Dort wartete ein sehr kleines Flugzeug auf uns. Eine Cessna für sechs Personen sollte uns ins Delta fliegen. Jan musste als Copilot neben dem Piloten Platz nehmen, da wir jeden Platz brauchten, Godfrey saß hinten auf einer Art Notsitz. Ein etwa halbstündiger Flug über das Delta brachte uns neben atemberaubenden Perspektiven auf Sümpfe, badenden Elefanten und Büffelherden auch viel Wackelei und das Auskosten aller Luftlöcher. So waren wir auch alle wieder froh, als wir auf der Buschpiste sicher gelandet waren.
Nxabega war wieder so ein Zungenbrecher und heißt wohl Insel der Giraffen oder so ähnlich. Jedenfalls wurden wir gleich von Giraffen begrüßt, die auf dem Weg zu unserem Camp am Wegesrand standen. Das Camp bestand auch aus den uns bekannten Zelten und lag direkt an einer Hippowiese, aber es waren keine Flusspferde zu sehen. Sie lagen im Wasser und wir konnten ihre Grunzlaute hören. Nach dem Essen stand Siesta an und nach dem Tee ging es dann zu einer Powerboatfahrt. Godfrey nahm noch zwei Angeln mit. Wir fuhren durch dichte Schilf- und Papyruswälder auf kleinen Flussarmen durch das Delta. Es waren zwar keine großen Tiere zu sehen, dafür flogen viele Wasservögel vor uns her und wir entspannten bei herrlichem Sonnenschein und der angenehmen Brise, die durch den Fahrtwind entstand. Dann stoppten wir für den ersten Angelversuch und in der Tat, Godfreys Angel bog sich schon beim dritten Wurf. Nach kurzem Kampf holte er einen recht großen Wels aus dem Wasser. Leider war dies der einzige Fang an diesem Tag, unsere weiteren Angelversuche waren erfolglos. Da half auch der schöne Sonnenuntergang nicht.
Da diese Insel zum Konzessionsgebiet von Afroventures gehörte, hatten wir mehr Möglichkeiten zur Auswahl und konnten auch Nachtfahrten und Nature Walks machen. Wir starteten mit unserer ersten Nachtfahrt. Im Dunkeln sah man nicht allzu viel. Das lag vor allem am mangelnden Licht. Dies ist aber der Grund für einige Tiere jetzt erst aus ihren Verstecken zu kommen. Besonders häufig sahen wir die afrikanischen Kängurus, die Springhasen (engl. spring hare). Da wir die Tiere selbst nun von sehr dichten komplett sehen konnten, sahen wir meistens im Schein der Scheinwerfer oder der Suchlampe viele Augenpaare hüpfend durch die Gegend bewegen. Zurück im Camp stellten wir dann fest, dass die Flusspferde nun aus dem Wasser gekommen waren und ca. 20 Meter von unseren Zelten entfernt grasten. Nachdem wir unser Dinner im Freien gegen Insekten verteidigt und beendet hatten, setzten wir uns noch ans Lagerfeuer, schauten Busch-TV und den Hippos beim Grasen zu.
Die Nacht war windig und regnerisch. Der Morgen war kalt, bestimmt nur 20 Grad. Das war aber ideal für unseren Nature Walk. Zu Fuß ging es durch die Wildnis. Wir bekamen eine Einführung ins Spurenlesen, machten einen Bogen um allzu frische Büffelspuren, schauten Hippos beim Plantschen und Letchwe-Antilopen beim Grasen zu. Alles in allem eine sehr schöne Alternative zu den Game-Drives. Vor allem erfuhren wir sehr viel über die Tiere und ihre Verhaltensweisen von unserem Führer Godfrey. Und auch einiges aus seiner Vergangenheit. Er war Mitglied einer paramilitärischen Einheit, die Wilderei und Elfenbeinschmuggel bekämpft hat. So hat er monatelang im Busch verbracht und kannte sich nun bestens mit seinen Bewohnern aus.
Nach dem Essen wurde es schon wieder sehr schnell sehr warm. Wir gingen alle nacheinander duschen, Jan & Emmy als letzte. Als ich schon wieder in meinem Zelt lag und sich schon im Halbschlaf die ersten Träume einstellen wollen, hörte ich laute Schreie von Jan: "Lions, Lions!". Das war zu laut für meinen Traum und hörte auch nicht auf, als ich die Augen öffnete. Als unsere beiden Holländer von der Dusche zurückkamen, sahen sie etwa 15 Meter von unseren Zelten eine neugierige Löwendame stehen. Godfrey kam auch gleich aus seinem Zelt, er hatte von dort aus noch eine zweite entdeckt, die sich von der anderen Seite heranschlich. Durch Jans Gerufe wurden aber beide Löwinnen verschreckt und trabten ab. Wenig später konnten wir noch beobachten, wie sie in sicherer Entfernung um unser Camp schlichen. Bis zum Nachmittagstee schlief ich noch, träumte aber nichts aufregendes mehr.
Mekoro sind Einbaumboote, die heute aber aus Kunststoff hergestellt werden. Die Einzahl heißt Mokoro. Mit diesen ursprünglichen Fortbewegungsmitteln wollten wir uns an dem Nachmittag fortbewegen. Die zwei schwarzen Frauen, die in unserem Camp arbeiteten hatten so viel Angst vor den Löwinnen, dass auch sie mitkamen und so glitten wir mit drei Mekoro fast lautlos durch das Delta. Diese Boote liegen sehr knapp über der Wasseroberfläche, so dass man möglichst sehr ruhig in ihnen sitzen sollte um dass Boot nicht ins Schwanken zu bringen. Da man auf dem Boden des Bootes mit angewinkelten Beinen sitzt, ist das ein gutes Training für die Hinternmuskulatur. Ein Zwischenstopp auf einer Insel wurde eingelegt zum Beine vertreten und der Sonnenuntergang gab sein bestes. Im Anschluss machten wir wieder einen Night Drive, der neben einer afrikanischen Wildkatze uns vor allem wieder Herden von den Springhasen bot. Im Camp sahen wir, dass auch heute die Hippos nicht mit dem Essen auf uns gewartet hatten, sondern schon angefangen hatten. Dafür gab es bei uns Strauß zum Dinner.