Zwei Wochen Seemann und eine Woche sprachlos

oder: Falsches Bier und viel Sonne in der Karibik

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St. Lucia

Fast elf Stunden Schlaf am Stück – ob das gesund ist? Jedenfalls hatte ich dies hinter mir, als ich am nächsten Morgen aufwachte und wir vor St.Lucia ankerten. Unsere Stammcrew hatte in der Nacht ohne Trainees Motorwache gehalten und uns weiterschlafen lassen. Als ich das hörte, schlich sich bei mir ein schlechtes Gewissen ein. Sicher hätte ich in ihrer Situation genauso gehandelt, aber sicher auch nur um den Trainees ein schlechtes Gewissen zu verpassen.
Einer unserer Mitsegler hatte vor, eine organisierte Tour mit mehreren Taxis plus lokalen Guides zu veranstalten, die uns die Insel zeigen sollte. Ich habe Hochachtung vor Leuten, die etwas in die Hand nehmen und organisieren und so schloss ich mich so einer kleineren Gruppe an, die nur mit einem Lonely Planet Reiseführer bewaffnet und ganz gewöhnlichen öffentlichen Verkehrsmitteln versuchen wollte, die Highlights der Insel auf eigene Faust zu bereisen. Sicher, sich als Single zwei Pärchen anzuschließen, sieht zunächst sehr offensichtlich wie das fünfte Rad am Wagen aus, aber ich entschloss mich trotzdem mit Eike & Jörg und Helke & Christian mitzufahren.
Zunächst galt es einen Bus in die Hauptstadt Castries zu nehmen. Das war einfach. An der Straße den Daumen raus, in den nächsten Bus eingestiegen und losgefahren. In Castries mussten wir nun den nächsten Bus finden, der uns nach Soufrière bringen sollte. Der war auch schnell gefunden. Als der Busfahrer sah, dass gleich fünf Leute mit wollten, er aber nicht mehr soviel Platz in seinem Bus hatte, schmiss er kurzerhand zwei Fahrgäste raus und setzte uns rein. Tja, so ist das Leben in der Karibik. Dass sämtliche Busse, die wir fuhren mit einer Musiklautstärke hart an der Schmerzgrenze unterwegs sind, will ich nun nicht mehr häufiger erwähnen.
Über atemberaubende Serpentinen fuhren wir nach Soufrière. Dort sahen wir die beeindruckenden Zwillingsberge, die Pitons, die auch oft als Wahrzeichen der kleinen Antillen herhalten. Mich erinnerten sie an ein Schweizer Schokoladenerzeugnis. Knack’ Dir den Gipfel der Genüsse.
Um an einem im Reiseführer empfohlenen Wasserfall zu gelangen, mussten wir eine etwa zwanzigminütige Regenwaldwanderung auf uns nehmen. Es ging eigentlich fast nur bergauf bei zirka dreißig Grad im Schatten und hundert Prozent Luftfeuchtigkeit. Im Regenwald selbst war ein permanenter Nieselregen, den wir erst überhaupt nicht wahrnahmen, da wir für uns selbst schon genug Feuchtigkeit auf der Haut produzierten. Aber das Ziel lohnte die Strapazen. Ein Wasserfall, der in einem kleinen Pool hinabstürzte, lud geradezu zum Baden ein. Da wir die einzigen dort waren, legten wir sämtliche Sachen ab und sprangen nackt ins durchaus warme Wasser. Es schien aber trotz der Wärme etwas zu erfrischen, bildeten wir uns ein. Wahrscheinlich trug dazu der Wasserfall selbst bei, unter dem wir uns abwechselnd einfanden.
Plötzlich kamen doch noch andere Gäste. Eine Reisegruppe Amerikaner in den Fünfzigern tauchte auf und war sichtlich pikiert über unsere paradiesische Freizügigkeit. Da wir aber sowieso zum letzten Bus zurück mussten, überließen wir ihnen den Pool.
Angekommen am Busbahnhof stellten wir fest, dass der letzte Bus nach Castries bereits eine halbe Stunde lang weg war. Was nun? Wir diskutierten mit einer Offiziellen und anderen hinzugekommenen Leuten die Alternativen wie Taxi oder eine andere Route über die Ostküste, als plötzlich einer der mitgestikulierenden Einheimischen meinte, dass ein Bus der für einen Kreuzfahrtliner in Castries fuhr, eine Leerfahrt dorthin hätte und uns für den normalen Buspreis mitnehmen würde. Manchmal schleicht sich das Glück von hinten an. So saßen wir in einem Luxusbus mit Klimaanlage und japanischer Beschriftung zu fünft und der Fahrer hielt sogar an Aussichtspunkten, damit wir noch ein paar Fotos machen konnten. Unterwegs stoppte er in einem Dorf noch an einer Bäckerei um Brot für seine Kollegen zu kaufen und reichte uns einige Brote zum probieren. Solche Erlebnisse sind der Vorteil von spontanen und selbst organisierten Aktionen. Es kann einiges schief gehen, aber oft bleiben einzigartige Erlebnisse zurück.
In Rodney Bay, wo wir am Morgen losgefahren waren, wollten wir noch in einen Nationalpark und gingen dorthin am Strand entlang. Um ein Haar wären wir noch mitten in eine Hochzeitszeremonie gelaufen, die am Strand gegen die tief stehende Sonne auf Video aufgezeichnet wurde. Wir machten also einen Bogen um die Kitschproduktion.
Am Eingang des Nationalparks stellten wir fest, dass die Preise exorbitant in die Höhe geschossen sind seit dem Redaktionsschluss unseres Reiseführers. Wir entschieden uns, ein paar Piton-Biere in einem Kiosk zu kaufen und sie am Wasser mit Blick auf die Brandung zu genießen.
Den Abend beendeten wir mit selbst gemixten Caipirinhas und vertrieben uns in der Backbordmesse die Zeit bis Mitternacht. Ein weiterer von insgesamt vier Geburtstagen stand an. Diesmal war Christian der Jubilar. Der Doc war wieder mit seiner gefährlichste Waffe präsent und gab einige Shantys zum Besten. Bis halb vier lagen wir dann vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord und waren mit oder ohne Mädels auf der Reeperbahn nachts um halb eins.

Dominica

Eine Feuerübung ist wichtig an Bord und eine solche stand am nächsten Morgen an. Völlig unvorbereitet brauchten wir nur wenige Sekunden, bis wir komplett mit Rettungswesten ausgestattet an Bord standen. Nach dieser Weckaktion gab es erst mal Frühstück, Steak mit Pilzen und dann war wieder Wache angesagt. Zwei Highlights sollten diese Wache bestimmen. Das erste war Handyempfang. Wir segelten an Martinique vorbei und hatten in der Zeit die Möglichkeit mit den Lieben zu Hause zu telefonieren. Das zweite Highlight war eine Gruppe Wale, die uns steuerbord eine Zeit lang begleitete. Eigentlich hatten wir sogar noch ein drittes Highlight. Unsere Wache stellte den bisherigen Geschwindigkeitsrekord ein. Wir machten bis zu 9,3 Knoten. Da wir nicht rasen wollten, wurden diverse Segel herunter genommen.
Da am nächsten Tag für mich wieder Backschaft anstand, konnte ich zum Feierabend den Tag mit ein paar Bieren später als sonst ausklingen lassen.
Eike weckte mich zur Backschaft, diesmal war zwar kein großartiger Seegang, aber stressig wurde es trotzdem. Wir lagen bereits vor Dominica und es war Landgang angesagt. Das hieß, dass so ziemlich alle Leute frühstücken wollten und zum Teil schon recht aufgeregt waren ob ihres Ausfluges. Besonders unsere ‚Touristen’ an Bord waren sehr zapplig. Unser Langleinenangler Siggi, der nebenbei auch Maschinist war, hatte die Kaffeemaschine entkalkt, repariert und sauber gemacht. Das hatte den Vorteil, dass das was ihr nun entquoll wieder Kaffee ähnelte. Es hatte aber leider den Nachteil, dass die Herstellung dieses koffeinhaltigen Heißgetränks etwa eine halbe Stunde dauerte. Unsere Touristen probten nun den Aufstand und als sie gemeinsam im Chor „BACKSCHAFT“ brüllten, fuhr Sandra den Mittelfinger aus.
Als dann die Ausschiffung begann, wurde es wieder ruhiger an Bord. Über den ganzen Törn hinweg war zu beobachten, dass wenn die ersten zwei bis drei Boote Landgänger ausgesetzt hatten, an Bord eine sehr entspannte Atmosphäre eintrat, ein angenehmeres Gemeinschaftsgefühl und eine lockerere Kommunikation einsetzte. In gemütlicher und fast intim-familiärer Runde aßen wir Mittag und bereiteten uns dann auf unseren Landgang vor. Die Shuttle-Fahrer waren über eine Stunde nicht gefahren, was eigentlich kein Problem war, nur wartete seit dieser Zeit unser Kapitän an Land auf seinen Rücktransport zum Schiff. Er nahm sich einen einheimischen Bootsfahrer und kam mit ihm zum Schiff. Seine Laune hielt sich in Grenzen. Wir nutzten nun aber gleich die Gelegenheit und charterten das Boot für eine Dschungelfahrt von der Alex aus. Mit Deetje, Marc, Olli, Rolf, Gudrun, Leo und Harald fuhr ich zur Insel und gleich weiter einen Fluss, den Indian River, hinauf direkt in den Dschungel. Es war wirklich malerisch, diese mäanderartigen Flussläufe entlang zu gleiten und die Pflanzenvielfalt zu genießen. „Wie im Spreewald!“ entfuhr es Gudrun. Ja, da hatte sie beinahe recht. Nur dass wir hier nicht gestakt sondern gerudert wurden, dass es ein Rastafari tat und keine in Tracht gehüllte Sorbin, dass es geringfügig wärmer war und wir keinen Gurkenstand erwarteten. Aber sonst war es wirklich wie im Spreewald. Uns kamen unsere Ausflügler entgegen, die schon auf dem Rückweg waren. So waren wir die einzigen Gäste in der am Ende des beschiffbaren Teil gelegenen Dschungelbar.
Wir hatten wieder ein Geburtstagskind dabei, Rolf, und so feierten wir hier seinen Ehrentag. Ein selbst hergestelltes Getränk namens Dynamite wurde uns empfohlen und wir probierten es, befanden es für gut und blieben dabei. Ich habe mir mehrfach die Bestandteile erklären lassen, habe sie aber immer wieder vergessen. Spricht das nun für so ein Getränk? Auf jeden Fall war Rum dabei. Ziemlich bald kamen wir überein, dass wir den Rest des Tages in dieser Bar verbringen wollten. Wir wanderten noch von hier aus in den Dschungel. Als wir wieder zurück kamen, wurde die Musik lauter, wir fröhlicher und Deetje tanzte ausgelassen mit einem Einheimischen. Einige von uns ließen sich auf ein Dominospiel mit den Rastafaris ein und der Rest genoss einfach die Atmosphäre und ließ ausgiebig die Seele baumeln. Sicher, wir sahen so nicht allzu viel von der Insel, erfuhren wenig über das dortige Leben und was ein Tourist sonst so erlebt, aber mittlerweile hatten wir das karibische ‚easy living’ auch für uns entdeckt und ließen es ruhig angehen ohne auch nur einer Spur von Hektik. Nur herumsitzen, quatschen, tanzen, Reggae.
Abends fuhren wir wieder zurück an Bord, nicht ohne eine Flasche Dynamite, die Gudrun und ich für Sandra gekauft hatten.
Es war der Abend des Captains Dinner. Das bedeutet, dass es erlesenes Essen und Wein gab und dass die Toppsmatrosen und die Steuerleute servierten, da sie sonst keine Backschaftsdienste machten. Einige unserer Touristen hatten sich wirklich fein gemacht. Es war schon interessant, was sie für Sachen mit an Bord hatten. Während des gesamten Törns war das Essen immer Spitzenklasse, aber an dem Abend übertrafen sich unsere Köche. Ein Drei-Gänge-Menü verwöhnte unsere Gaumen. Nach dem Essen ging es dann an Deck, ein paar Musikboxen wurden aufgestellt und in der lauen karibischen Nacht getanzt. So ging ein alles in allem herrlicher Tag zu Ende. Er glich schon sehr den Werbespots, für die die Alex herhalten musste. Da gegen zwei Uhr der Anker gelichtet werden sollte, entschied ich mich gleich wach zu bleiben und aß noch ein paar Stücken von Rolfs Geburtstagskuchen. Der Kuchen wurde bei Seegang gebacken und war somit an der einen Seite des Blechs nur wenige Millimeter dick und auf der anderen Seite fast zehn Zentimeter. Sozusagen eine Streuselkuchenrampe gefüllt mit Aprikosen.
Bei der Wache wurde der Anker gelichtet, Segel gesetzt und Dominica Lebwohl gesagt.

Der Törn endet

Am nächsten Morgen stand Reinschiff an. Da es unser letzter Seetag war und wir in Fort de France unseren Törn beenden sollten, galt es das Schiff für die nächste Crew sauber zu hinterlassen. Unsere Wache war für das Deckschrubben eingeteilt. Jörn ging mit einem C-Schlauch übers Deck und wir schrubbten. Es war eigentlich ganz lustig, aber so richtige Seemannsromantik verspürte ich dann doch nicht.
Beim Einlaufen in Fort de France waren wir kurzzeitig mal nicht die Größten. Die Royal Clipper, ein Fünfmastvollschiff war um einiges größer als wir, machte sich aber aus dem Staub und so waren wir doch wieder die Größten.
Am Pier warteten schon die Versorgungstrupps, die mit jeder Menge Proviant für die nächste Crew aufwarteten. Also hatten wir in den nächsten Stunden einiges zu tun. Die Stammcrew und einige ausgewählte Trainees stiegen auf die Rahen und packten die Segel und die anderen schleppten massenhaft Lebensmittel unter Deck. Trotz der Schinderei unter Deck war es recht lustig und mittels Menschenkette durchs komplette Schiff ging es sehr schnell und effektiv.
Eigentlich wollten wir am letzten Abend vorm Schiff im Hafen grillen, dies war aber wohl nicht erlaubt und so gab es die Steaks aus der Pfanne und so langsam machte sich auch die erste Abschiedsstimmung breit. Einige erste Teilnehmer des neuen Törns waren bereits eingetroffen und richteten sich schon an Bord ein. Wir waren irgendwie nicht mehr unter uns. Es war offensichtlich, dass wir die letzte Nacht auf der Alex vor uns hatten. Unser Toppsmatrose rief eine letzte Anwesenheitskontrolle ein in der wir den Törn auswerteten. Wir waren uns alle einig, dass unsere Wache natürlich die beste war! Prost! Wahrscheinlich sahen es die anderen Wachen sicher ebenso in ihren letzten Zusammenkommen.
Der nächste Morgen begann mit allgemeinem Wuseln. Die Sachen wurden gepackt, die Kojen gesäubert, Abschiedsschwüre wurden geschmiedet. Sandra und ich hatten das Glück nicht sofort alle aus den Augen zu verlieren. Helke & Christian und Andreas hatten auch noch einige Tage Urlaub auf Martinique geplant und so verabredeten wir uns für ein Wiedersehen in ein paar Tagen.

Martinique

Gegen zwei Uhr nachmittags sollte ein Taxi von unserem Hotel vorfahren. Etwa um halb zwei stand ich an Deck und beobachtete einen Fahrer, der seinen schwarzen Mercedes wienerte. Ich dachte so bei mir, dass es sicher Eindruck machen würde von solch einem Gefährt mit getönten Scheiben abgeholt zu werde. Das hätte schon Stil. Als der Fahrer mit der Säuberung fertig war, nahm er ein Schild aus dem Wagen und ging auf unser Schiff zu. Dann sah ich, dass zwei Nahmen auf dem Schild standen, nämlich Sandras und meiner. Ich winkte ihm sofort zu und nach einer sehr rührenden Abschiedszeremonie saßen Sandra und ich in dem Luxusgefährt und winkten den am Kai stehenden Mitseglern zum Abschied zu. Erstaunlicherweise konnte der Fahrer sehr gut englisch und wir konnten uns unterhalten. Als er dann noch eine Bob Marley CD einlegte und wir über die Karibikinsel fuhren, fühlten wir uns bereits wie im Urlaub.
Wir hatten ein Hotel ganz im Süden von Martinique gebucht, in einem Ort namens Saint Anne. Der Ort machte einen sehr guten Eindruck auf uns. Nicht allzu groß, zwar touristisch angehaucht, aber nicht überlaufen, ein Fischerdorf mit einem schönen Ortskern und einigen Urlaubshotels am Ortsrand.
Im Hotel checkten wir ein und die ersten Sprachbarrieren wurden umschifft. Wir konnten keinerlei Französisch und die Franzosen haben ja wie bekannt ihre eigene Meinung zum Englisch. Uns standen also noch recht interessante Tage bevor.
Nachdem wir im wahrsten Sinne des Wortes unser Zimmer erklommen hatten, fiel Sandra ins Bett und wollte nur noch schlafen. Das tat sie dann auch. Zwar war ich nach den zwei Wochen See auch geschafft und müde, aber meine Neugierde und der Entdeckungsdrang obsiegten und ich schaute mir per pedes die Hotelanlage und anschließend das Dorf an.
Den ersten Abend in unserem Hotel begonnen wir mit selbst gemixten Cocktails auf unserem Balkon mit herrlichem Blick aufs Meer und dem Rocher de Diamant, ein großer Felsen im Wasser. Dann hielten wir uns weiter an das klassische Touristenprotokoll mit Abendessen im Strandrestaurant und Cocktails an der Bar mit Live Musik einer französischen Zwei-Mann-Combo. An der Bar hatte ich gleich noch ein typisches deprimierendes französisches Spracherlebnis. Ich fragte den Barkeeper: „Do you speak English?“. Seine Antwort: „Oui!“
Sonntag. Wir schliefen lange aus. Dann machten wir unsere erste Erfahrung mit dem Pauschal-Urlauber-Frühstücksbuffet. Ich hatte schon schlimmste Befürchtungen über das französische Frühstück gehegt und erwartete nur Croissants und Marmelade. Aber es gab tatsächlich auch Rühreier und Speck und Wurst und Käse. An sich war das Buffet recht reichhaltig, aber leider gab es die komplette Zeit über keinerlei Abwechslung. Immerhin habe ich mich in den Tagen dort durch sämtliche exotischen Marmeladensorten essen können, von Mango über Passionsfrucht bis Banane.
Dann wurde erstmal der hoteleigene Strand von uns getestet. Da Sonntag war, war dort Volksfeststimmung. Die Einheimischen rückten mit Groß- und Kleinfamilien an und brachten Grills und Kohle mit. Natürlich waren sämtliche hoteleigenen Liegen belegt mit Gästen oder deren Handtücher. Wir fanden aber trotzdem ein Plätzchen und genossen das Wasser.
Am Nachmittag erkundeten wir das Dorf. Besonders beeindruckend war ein Friedhof, an dem wir vorbeikamen. Er war komplett gefliest und die Gräber waren wie kleine Mausoleen ausgebaut mit Fotos der Verstorbenen.
Ein zweiter schöner Strand erstreckte sich dann bis zum Club Med. Auch hier waren viele Menschen, die die Sonne, das Meer und den Sonntag genossen. Der Club Med hat einen beeindruckenden Palmenhain durch den wir wanderten. Dann entdeckten wir etliche Büros diverser Autovermietungen, die zwar geschlossen waren, aber am nächsten Morgen wollten es trotz mangelnder Sprachkenntnisse wagen, einen Wagen zu mieten. Um etwas in Übung zu kommen, setzten wir uns in ein Strandcafé und versuchten mittels Langenscheidt und Pons erstens zu verstehen, was dort auf der Karte stand, zweitens etwas zu bestellen und drittens – besonders wichtig – auch das erwartete zu bekommen. Uns glückte auf Anhieb alles drei. Voller Stolz versuchte ich noch ein zweites Getränk nachzubestellen, als der Kellner fragte: „Was hattet Ihr denn?“. Da quälten wir uns nun auf Französisch rum und der Kellner war offensichtlich ein Deutscher. Der hätte sich auch ehr’ outen können.
Der Rest des Tages verlief wieder nach typischen Urlaubsschema – Essen am Strand – Cocktail an der Bar – Absacker auf dem Balkon.
Ich war um sieben Uhr wach. Da mich Sandra umbringen würde, würde ich sie wecken, beschloss ich, in den Pool zu springen. Der wurde aber gerade gereinigt. Also ging ich in den großen Salzwasser-Wellen-Pool. Der Strand, der am Vortag noch voll mit Menschen war, lag nun einsam und verlassen da und ich war der einzige weit und breit. Ich spielte schon mit dem Gedanken, ein paar Liegen mit Handtüchern zu versehen, wie ich es einmal in einer Reportage über Urlaubshotels gesehen hatte.
Nach dem Frühstück starteten wir die Operation ‚Automieten’ und gingen ins Dorf zu den zahlreichen Verleihfirmen. Die erste – eine lokale – hat nur noch einen Wagen der Kategorie C. Die bekannteren Firmen wie Hertz oder Budget wollen für ihre Kategorie A Wagen mehr haben als die lokale Firma für den C-Wagen. Also entschieden wir uns den ersten zu nehmen, auch weil die Vertreterin sehr gut englisch konnte und mit Abstand am freundlichsten war. Ein Kollege von ihr erklärte uns dann den Wagen noch auf deutsch. So waren wir nun also für fünf Tage stolze Besitzer eines Hyundai Diesel.
Wir beschlossen in die Hauptstadt zu fahren, nach Fort de France. Wir schlugen aber nicht für den direkten Weg ein, sondern fuhren auf herrlichen Nebenstrecken durch das Hinterland der Insel. In Fort de France besichtigten wir das Stadtzentrum mit dem Fort, dem Hafen, der Kathedrale, die Bibliothek Schoelcher und der Statue der Kaiserin Josephine, der Gemahlin Napoleon Bonapartes, die aus Martinique stammte. Der Statue wurde vor einigen Jahren der Kopf abgeschlagen und mit Blut übergossen. Dies ist der Protest gegen die von Josephine veranlasste Wiedereinführung der Sklaverei auf Martinique.
Nach dem Besuch des Gemüsemarktes verließen wir wieder Fort de France und fuhren zu einem im Reiseführer sehr empfohlenen Strand – Anse de Salines, der sich nicht weit entfernt von unserem Dorf befand. Und er war wirklich traumhaft. Wir konnten unser Auto im Schatten hinter dem Strand parken und fanden trotz großen Andrangs noch ein schönes Plätzchen. Das Wasser und vor allem die Wellen waren herrlich. Diesen Strand sollten wir noch oft besuchen. Unser allabendlicher Urlaubstagsausklang begann mit einem Sonnenuntergang am Strand. Gegessen haben wir dann mal im Dorf, welches einige sehr schöne Restaurants bot. Im Hotel war Managers-Party, aber als wir vom Dorf zurückkamen, sah es schon recht dürftig aus.
Am nächsten Tag sollten wir Besuch bekommen. Helke & Christian und Andreas standen um zehn Uhr vor unserer Tür. Wir hatten uns verabredet, gemeinsam den Süden der Insel zu erkundigen. Zuerst fuhren wir gemeinsam zu den Salinen am Südzipfel von Martinique. Dort begutachteten sie unseren Top-Strand und wir machten noch gemeinsam eine kurze Wanderung bis zum absolut südlichsten Punkt, wo wir nur noch zu Fuß hinkamen. Hier wird auch aus dem Meer Salz gewonnen. Daher sicher die Namensvergabe des Inselteils. Ein kräftiger Schauer kam auf und wir fuhren nach Saint Luce, einem Dorf etwas nördlich von Saint Anne. Dort wanderten wir durch den Ortskern und tranken an einem Strandkiosk Cola und Loraine – das lokale Bier. Dann ging es weiter nach Trois Riviers. Dort steht eine bekannte Rumdestille gleichen Namens und die wollten wir natürlich besichtigen. Es war schon interessant zu sehen, wie die einzelnen Stadien des Rums so aussahen, bis daraus dieses herrliche Getränk – welches offensichtlich ein Grundnahrungsmittel in der Karibik darstellte - entstand. Ähnlich zu Weingütern, hatte die Destille auch einen kleinen Garten, in dem wir herumwandelten und einen Ausschank mit Probier- und Souvenirecke, in die wir abermals vor einem Schauer flüchteten.
Ein Stück weiter westwärts in der Novotel-Hotelanlage von Le Diamant konnten wir den Rocher de Diamant schon von recht nahem bewundern. Im Ort kauften wir dann Zutaten für ein Picknick am Strand. Für den durchaus schönen Strand von Le Diamant konnten wir uns dann doch nicht erwärmen, da dort an den Schatten spendenden Bäumen Schilder hingen mit Warnungen über deren Giftigkeit. Also fuhren wir weiter zum Petit Anse – der kleinen Bucht. Dort konnten wir mit dem Auto an den Strand fahren und unser Picknick auspacken. Wir funktionierten einen dort am Strand liegenden Getränkekasten zum Tisch um, nutzten Steine als Sitze. Es gab Salami, Camembert, Baguettes, Loraine und andere leckere Sachen. Pünktlich zum Ende des Picknicks kam wieder ein heftiger Schauer über uns und wir flüchteten in die Autos. Weiter ging es zu Anse Demenue und Anse Noir, ein weißer und ein schwarzer Strand, die direkt nebeneinander lagen. Hier hatten wir schon mehr Probleme, einen Parkplatz zu finden. Es war ziemlich voll. An dem weißen Strand waren Fischer gerade dabei ihre Netze mit dem Fang einzuholen.
In Trois Illes neigte sich der Tag dem Ende und es wurde langsam dunkel. Wir machten einen Bummel durch den Ort, fanden aber keinerlei interessant aussehendes Lokal. Nur Helke erheiterte uns ein wenig. Beim Versuch, sich die Schuhe am Wasser zu reinigen, fiel sie gleich komplett hinein und war fortan gezwungen, ein Strandtuch als Rock und mein zweites T-Shirt zu tragen.
Ein Dorf weiter, in Point de Bout, aßen wir bei einem Brasilianer, verabschiedeten uns dann anschließend und fuhren wieder getrennt in unsere Hotels zurück.
Der Norden Martiniques war unser Ziel am nächsten Tag. Dazu fuhren wir – wie erwartet – nordwärts. Entlang der Atlantikküste lagen malerische Ortschaften. Wir hatten uns bei Andreas verabredet, mit dem wir den Inselteil erkunden wollten. Von seinem Hotel aus steuerten wir als erstes Gorge de la Falaise an. Das ist eine Schlucht im Regenwald, die wir nur zu Fuß erkunden konnten. Und es lohnte sich! Um die Schlucht zu durchlaufen, mussten wir uns Badesachen anziehen, da wir durch tiefes Wasser waten sollten und auch kurze Strecken nur schwimmend voran kämen. Dann liehen wir uns noch Badeschuhe, die sehr für diese Wanderung zu empfehlen sind. Zunächst einmal stiegen wir die Schlucht hinab. Dann folgten wir dem Flusslauf stromaufwärts in eine beeindruckende Felsspalte. Das Wasser war für unsere Verhältnisse sehr kalt, bestimmt nur knapp über zwanzig Grad! Trotzdem war es herrlich in dieser Klamm entlang zu waten, zu klettern, zu schwimmen und um uns herum der faszinierende Regenwald. Teilweise waren die zu erklimmenden Stromschellen nur im Teamwork zu meistern und wir waren stolz, als wir ohne die Hilfe eines Guides am Ende unter dem finalen Wasserfall standen und diese Tour alleine bewältigt hatten. Zurück mussten wir erst einmal warten, bis sich der Stau an der ersten Abstiegsstelle abgebaut hatte. Dann folgten wir als letzte den diversen Mitstreitern, die aber teilweise mit einem Guide diese Strecke zurücklegten. Das schlimmste war dann der Wiederaufstieg aus dem Tal heraus durch den tropischen Regenwald und dem ihm eigenen klimatischen Bedingungen. Oben angelangt waren wir geschafft und überglücklich, diese Tour gemacht zu haben. Ein echter Tipp für Martinique Touristen!
Der nächste Höhepunkt, diesmal im wahrsten Sinne des Wortes, war der Mount Pelée. Das ist der Inselvulkan, der Anfang des 20. Jahrhunderts die nahe gelegene Hafenstadt Saint Pierre zerstörte. Wir erklommen ihn aber nur zum Teil, da einerseits der Gipfel von einer Wolke umschlossen war und andererseits wir noch etwas geschafft waren von unserer Canyontour. Also fuhren wir nach Saint Pierre und stärkten uns dort in einem Strandrestaurant mit Fisch und Huhn. Danach besichtigten wir noch das Vulkanmuseum, welches mit wirklich interessanten Ausstellungsstücken den damaligen Vulkanausbruch illustriert.
Wieder quer über die Insel nach Osten fuhren wir durch herrlichen Regenwald, der am Ende seinen Namen alle Ehre machte und mit gewaltigen Güssen aufwartete. In Trinité kauften wir im Supermarkt ein um dann bei Andreas auf dem Balkon zu Abendbrot zu essen. Helke und Christian, die nun wirklich gleich um die Ecke wohnten, kamen noch vorbei und so verbrachten wir noch gemeinsam ihren letzten Abend in Martinique.
Andreas sollten wir noch wieder sehen und zwar am nächsten Tag. Wir hatten uns bei uns in St. Anne verabredet für einen faulen Strandtag an unserem schönen Strand an den Salinen. Das Wasser und die Wellen waren großartig. Für Essen und Trinken war durch die zahlreichen Strandbistros gesorgt und ein ansässiger Textilladen unterhielt uns bisweilen durch Modenschauen, die von zwei Models am Strand in unregelmäßigen Abständen vorgeführt wurden.
Das Abendessen nahmen wir in einem sehr schönen Fischrestaurant in St. Anne ein, wo die Langusten in einem Aquarium zur Schau standen. Im Hotel war Karaoke Abend. Für uns als absolute Laien was die französische Sprache und deren Lieder anbetrifft war es zuweilen belustigend, wie sich frankophone Amateursänger mehr schlecht als recht an uns unbekannten Hits versuchten. Wir amüsierten uns köstlich. Da sämtliche öffentliche Verkehrsmittel längst ihren Betrieb eingestellt hatten und ein Taxi exorbitant teuer wäre, blieb Andreas für eine Nacht bei uns im Zimmer.
Der nächste Tag war Andreas letzter in Martinique und wir brachten ihn zum Flughafen, da der auf unserer Strecke lag. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, fuhren wir nach Fort de France, durch die Stadt zur Sacré Cœur von Balata, die ihrem Pariser Vorbild ähneln soll. Da wir keinerlei Vergleiche anstellen konnten, glaubten wir dem Reiseführer.
Der botanische Garten von Balata war unser nächster Stopp und der lohnte sich. Eine herrlich gestaltete Anlage mit vielen exotischen Pflanzen und vor allem vielen Kolibris. Die Versuche, diese kleinen flinken Vögel auf Fotos zu bannen, kostete mich einiges Zelluloid.
Durch den herrlichen Regenwald fuhren wir via Saint Pierre an der Westküste entlang nach Fort de France, wo wir im Hafen abermals den Royal Clipper beim Auslaufen entdeckten. Jetzt konnten wir in Ruhe schöne Bilder von diesem größten Segelschiff der Welt machen.
Auf dem Weg nach St. Anne aßen wir im Jachthafen von Le Marin Pizza, schauten dem Treiben auf dem Wasser zu. Nach einem kurzem Zwischenstopp in unserem Hotel fuhren wir am Abend nach Francois, wo ein Karnevalsumzug stattfinden sollte. Die Straßen im Ort waren bereits abgesperrt und so konnten wir uns schon am Straßenrand postieren. Das Warten wurde von ein paar Loraine und einer Machetenschlägerei aufgelockert. Dann endlich begann die Parade. Etliche bunte und vor allem laute Karnevalstruppen zogen vorbei und boten einen Augen- und Ohrenschmaus. Am Ende reihten wir uns wie viele in den Zug mit ein und zogen tanzend die Straße entlang. Völlig begeistert über diesen Abend fuhren wir ins Hotel ließen den Abend beim Cocktail ausklingen.
Unseren vorletzten Tag in Martinique begannen wir mit Souvenirkauf im Dorf. Den Rest des Tages verbrachten wir an unserem Lieblingsstrand. Wir gaben dann unser Auto am Abend ab und begannen den letzten Abend mit einem selbst gemixten Cocktail auf unserem Balkon. Dann gingen wir ins Dorf zu dem Fischrestaurant und gönnten uns das volle Programm: Aparativ, Wein, Vorspeise, Langusten, Eis. Die Meeresbewohner unter unseren Speisen wurden vor dem Verzehr noch lebend aus dem Aquarium geangelt und uns gezeigt. Wir wollten schon umbestellen und diesen armen Kreaturen die Freiheit schenken. Aber wir taten es dann doch nicht – schon um die französisch-deutschen Beziehungen nicht zu belasten. Darüber hinaus schmeckten sie wirklich ausgezeichnet. Im Hotel spielte wieder eine französische Combo französische Schlager. Wir verbrachten den letzten Abend auf unserem Balkon mit dem Verzehren unserer Rum-Reste.
Der letzte Tag war ein typischer letzter Tag. Nach dem Verlassen des Zimmers verbrachten wir den Tag am Hotelstrand, aßen dort zu Mittag und fuhren am Nachmittag zum Flughafen, von wo wir wieder ins winterliche Europa aufbrachen. Der Transfer in Paris von Orly nach Charles de Gaulle verlief komplikationslos und dort verabschiedeten wir uns dann auch nach Düsseldorf und Berlin. In Köln werde ich von Sonnenschein und vierzehn Grad plus erwartet. Das war doch schon mal ein vielversprechender Anfang. Der Frühling konnte kommen. Zunächst aber der Kölner Karneval.

Epilog

Eine Seefahrt die ist lustig. Dieses Lied kennen sicher viele. Meine Seefahrt war es auch. Für andere Mitsegler kann ich nicht sprechen, aber ich denke alle hatten viel Spaß und bleibende Eindrücke. Der eine oder die andere verbrachte mehr Zeit mit dem ‚Fischefüttern’ und schaffte es trotz karibischer Bräune teilweise sehr blass auszusehen. Hat jemand wenig oder wie ich keine Probleme mit der Seekrankheit, kann er oder sie sich aber einen Virus einfangen, den Virus des Segelns auf einem Großsegler. Wer Teamwork liebt, gerne andere Leute kennen lernt im Urlaub oder einfach mal was anderes ausprobieren möchte, dem kann ich einen Törn mit dem grünen Schiff nur empfehlen. Das Segelrevier in der Karibik ist natürlich das Tüpfelchen auf dem I. Da es mein erster Trip war, kann ich aber keine Vergleiche zu den Kanaren- oder Ostseetörns der Alex anstellen. Vielleicht werde ich aber eines Tages doch noch mal vergleichen können.