Jede Menge Deutsches in drei Wochen Afrika

oder: Was wir in Namibia falsch und richtig machten

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Namibia

Die Post in Springbok öffnete täglich um acht Uhr, nur mittwochs um neun. Es war Mittwoch. Demzufolge vertrauten wir unsere Postkarten einer netten Postbeamtin in Okiep, einem Ort wenige Kilometer weiter nördlich, an, die mit viel Fingerspitzengefühl vier Briefmarken auf jede klebte. Wir waren extra früh aufgestanden, da wir uns viel vorgenommen hatten für den Tag. Trotzdem war es morgens schon heiß und wir ahnten, dass dieser Tag noch viel heißer werden würde. Wir kauften ein Thermometer.
Der Weg zur Grenze führte wieder durch aride Landschaft, die nur durch die Grenze in Form des Oranje Flusses unterbrochen wurde. Es handelte sich um eine grüne Grenze, aber nur im botanischen Sinne. Der Fluss zog sich wie ein grünes Band durch die Halbwüste. Der Grenzübertritt erfolgte problemlos, jeder erhielt zwei Stempel in den Pass und weiter ging die Fahrt.
Es schien als wäre die Gegend noch verlassener. Der nächste Ort war für 140 Kilometer ausgeschildert. Er hieß Grünau, ein Knotenpunkt für diverse Straßen im südlichen Namibia, der auf fast jeder Namibiakarte eingezeichnet ist. In 10-Kilometerabständen standen die Entfernungsschilder für Grünau, 130 km, 120 km, 110 km, 100 km, usw. Jedes Mal stellten wir uns vor, was uns dort erwartet. Wie groß muss Grünau sein, wenn es so weit ausgeschildert ist? Gibt es dort Läden, ein Ortszentrum, Cafés, Restaurants, in denen wir eine Kaffeepause einlegen könnten? Um es kurz zu sagen, Grünau besteht im wesentlichen aus einem Hotel, einer Autowerkstatt, einer Tankstelle und irgendwo standen auch ein paar Häuser. An diese geringe Bevölkerungsdichte von Namibia mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Immerhin hat ganz Namibia nur 1,6 Mio. Einwohner, dabei ist es mehr als doppelt so groß wie Deutschland.
Wir tankten und stellten zufrieden fest, dass in Namibia der südafrikanische Rand immer noch gültiges Zahlungsmittel ist. Sogar das Wechselgeld wurde uns in Rand herausgegeben. Der südafrikanische Rand ist im Wert dem Namibia Dollar gleich. Nur wird der Namibia Dollar außerhalb Namibias selten anerkannt. Auf der weiteren Reise hatten wir ohnehin den Eindruck, dass die neue Währung (Namibia Dollar) wenig Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Wenn wir mit Einheimischen über Preise sprachen, nutzten sowohl wir als auch die Südwester oft als Währungsbezeichnung Rand, da mit Dollar oft auch der US-Dollar gemeint war und man Verwechslungen vorbeugen wollte. Ähnliche Erfahrungen haben wir auch mit der Staatsbezeichnung selbst gemacht. Viele bezeichnen Namibia nach wie vor als Südwest und die Einheimischen als Südwester. Auch in Südafrika fiel uns das auf.
Der Fish River Canyon lag nun als nächstes auf der Strecke. Wir bogen bei Grünau auf unsere erste unbefestigte Straße ab und fuhren westwärts. Die Temperaturen erreichten langsam die 40°C Marke. Da die Luftfeuchtigkeit aber etwa bei null Prozent lag, empfanden wir die Hitze als nicht so schlimm. Im Auto hatten wir bei eingeschalteter Klimaanlage etwas über 30 Grad und das empfanden wir als sehr angenehm. Am Fish River Canyon erreichten wir dann den Spitzenwert unserer gesamten Reise: 46°C! Das war nun wirklich warm. Kein Wunder dass wir am Hauptaussichtspunkt die einzigen waren, mit ein paar Mauerseglern. Letztere vollführten tolle Flugmanöver über den Rand des Canyons. Als wir ihnen etwas Wasser auf die Erde schütteten, kamen sie sofort an und tranken. Der Blick auf den Canyon ist einmalig. Wir waren fasziniert von dem, was die Natur so alles hervorbringt. Am Aussichtspunkt standen ein paar Picknickhütten. So konnten wir im Schatten stehend die Landschaft genießen. In der prallen Sonne war es kaum auszuhalten, kein Lüftchen rührte sich. Das Einzige, was wir hörten, waren die pfeifenden Luftgeräusche, die die Vögel bei ihren Flugmanövern erzeugten. Ansonsten war es totenstill - beeindruckend.
Wir fuhren weiter nordwärts, vorbei an Seeheim, von dem wir gar nichts mitbekamen, da es sicher einerseits nicht sehr groß war und andererseits hinter einem Berg lag. Unterwegs mussten wir über den Löwenfluss - und tatsächlich - die Straße führte durch ein gefülltes Flussbett. Wir hielten an und Anke stieg aus um einerseits die Wassertiefe und Beschaffenheit des Untergrundes zu prüfen und um andererseits sich die Füße ein wenig zu kühlen. Es war immerhin unsere erste Flussquerung und wir waren noch etwas vorsichtig. Aber wir waren wohl zu vorsichtig. Das Wasser war kaum tiefer als 30 Zentimeter und der Untergrund fest. Das Kühlen der Füße stellte sich als Wunschdenken heraus. Das Wasser war ordentlich aufgewärmt und das Barfusslaufen über die Straße ähnelte einem Sprint über heiße Herdplatten.
Kurz danach passierte dann noch etwas, was wir uns seit den letzen zwei Tagen gar nicht mehr vorstellen konnten: Wir fuhren durch den Schatten einer Wolke!
In Keetmannshoop fuhren wir als erstes zur Pension Gessert, die wir in Reiseprospekten und Übernachtungsführern fanden und viel versprechend beschrieben war. Es waren auch noch Zimmer frei. Die Preise allerdings, die in den Prospekten standen und die auch noch in den Zimmern aushingen, waren plötzlich nicht mehr aktuell und statt 245 Rand sollten wir 260 Rand zahlen. Wir fanden es schon komisch, aber es war nicht so viel teurer und die Pension machte auch einen passablen Eindruck. Leider konnten wir den Pool nicht nutzen, da der gerade neu gechlort wurde. Dann fragt uns die Gastgeberin warum wir ausgerechnet nach Afrika fahren, wo wir es in Deutschland so schön hätten. Außerdem erzählte sie noch, wie verwöhnt ihre deutschen Gäste sind und auch soooo pingelig. Sie wurde uns immer "sympathischer".
Nachdem wir alles eingeräumt hatten, fuhren wir ins Stadtzentrum. In einem Buchladen kauften wir eine deutschsprachige Zeitung, die Allgemeine Zeitung. Es war irgendwie ein tolles Gefühl so weit von zu Hause, mitten in Afrika, die deutsche Sprache zu hören und auch noch eine deutsche Lokalzeitung zu lesen. Einerseits standen in der Allgemeinen Zeitung natürlich viele Artikel über die Politik und andere Ereignisse in Namibia, aber andererseits orientiert sich die Zeitung auch sehr an Deutschland. Wir haben auf unserer Reise immer versucht, diese Zeitung zu kaufen, da wir sowohl viel über die Probleme der Südwester erfuhren als auch das Geschehen in der Heimat nicht aus dem Auge verloren. Ich war natürlich besonders über die Artikel der aktuellen Bundesligaergebnisse erfreut.
Wenige Kilometer nordöstlich von Keetmanshoop befand sich der Köcherbaumwald. Dabei handelte es sich weder um Bäume noch um einen dichten Wald. Die Köcherbäume sind eigentlich Aloen, also Sukkulentenpflanzen ähnlich Kakteen. Sie werden über 4 Meter hoch, haben einen Stamm und sehen demzufolge aus wie Bäume. Köcherbäume sahen wir in Namibia fast überall. Meist standen sie einzeln in der Wüste. Wenn also mal drei- bis vierhundert auf einem Areal zu finden sind wie nordöstlich von Keetmanshoop, kommt es einem Wald schon nahe. Wie auch immer, es ist sehr sehenswert. Mittlerweile stand die Sonne etwas tiefer, was einerseits für ein interessantes Schattenspiel sorgte und andererseits die Temperaturen wieder unter die 40°C Marke brachte.
Wieder zurück in Keetmanshoop stellten wir fest, dass bereits alle Geschäfte geschlossen hatten. Aber ein netter Supermarktchef ließ uns in dem bereits geschlossenen, gesäuberten, für den nächsten Tag eingeräumten Markt noch ein paar Dinge einkaufen. In der Pension mussten wir uns regelrecht zwingen ein paar selbst geschmierte Brötchen zu essen, da wir vor lauter Wärme überhaupt keinen Appetit hatten. Anke hatte noch ein Taschentuch gewaschen und zum Trocknen im Bad aufgehängt. Als ich zwanzig Minuten später zufällig das Taschentuch berührte, stellte ich fest, dass es bereits knochentrocken war. Die Hitze und die geringe Luftfeuchtigkeit müssen das Taschentuch geradezu "trockengesogen" haben. Wir beschlossen den Tag mit warmem Bier und "Glühwein".

Richtung Windhoek

Der nächsten Morgen war regelrecht kühl - nur 25°C, herrlich. Das Frühstück war typisch deutsch, Brötchen und Aufschnitt. In Südafrika begannen wir den Tag oft britisch, mit Ei und Speck. Der Schwager des Gastgebers organisierte das Frühstück und jammerte uns die Ohren voll, wie schlecht alles in Afrika sei und wie verwöhnt die Deutschen sind. Langsam glaubten wir, dass Familie Gessert strafverschleppt wurde. Allerdings konnte er beim Bezahlen kein passendes Wechselgeld finden und wir kamen mit 250 Rand davon. Mehr war's auch nicht wert.
Wir fuhren weiter in Richtung Mariental. Unterwegs korrigierten wir die Anzahl der Tankstellen auf unserer Karte mit denen die wirklich vorhanden waren. Es gibt in Wirklichkeit sowohl Tankstellen an Orten, wo laut Karte keine zu finden waren, als auch umgekehrt. Immerhin wollten wir die Strecke zwei Wochen später wieder zurück fahren.
Wir machten einen kleinen Abstecher zum Hardap Damm, der nicht weit von der Straße entfernt war. Nun ist es für uns Mitteleuropäer nichts außergewöhnliches, einen aufgestauten See zu sehen. In Namibia ist solche Menge Wasser schon etwas ganz besonderes. Um den Damm herum erstreckt sich ein Naturschutz- und Erholungsgebiet. Wir fuhren hindurch und sahen ein paar Springböcke, Paviane, Strauße und jede Menge Vögel.
Auf unserem weiteren Weg nach Windhoek erwischten wir im Radio einen deutschsprachigen Sender. Die Musikzusammenstellung war recht interessant. Wir hörten die Toten Hosen, Rammstein und die Ö La Paloma Boys. Damit hatten wir mitten in Afrika nicht gerade gerechnet. In Bezug auf die kilometerlangen Farmzäune rechts und links der Straßen in Namibia meinten wir noch spaßeshalber, dass ein anderer Song von Stefan Raab viel treffender sei und da kam er auch schon: "Maschendrahtzaun". Ein Lied, dass wie für dieses Land geschrieben schien. Laut lachend und mitsingend verflogen die restlichen Kilometer bis Windhoek wie im Flug.
In Windhoek steuerten wir zuerst Moni's Pension an, die einen sehr schönen und gepflegten Eindruck machte. Aber auch der Preis war gepflegt. Wir entschieden uns trotzdem zu bleiben, da das Zimmer einfach toll war. Es war enorm groß, hatte einen schönen Ausblick, einen gut gefüllten Kühlschrank und die Angestellte war sehr freundlich. Beim Duschen stellten wir fest, dass unsere Duschbad- und Shampooflaschen allesamt ausgebeult waren. Wir waren also im Hochland und der Luftdruck war demzufolge etwas geringer. Nach dem Duschen fuhren wir in die Stadt. Das Stadtzentrum war schnell durchfahren, da Windhoek mit seinen ca. 200 000 Einwohnern nicht allzu groß ist. Wir waren auf der Suche nach Joe's Beer House, welches uns zu Hause von einem Bekannten wärmstens empfohlen wurde. Es war leicht zu finden, obwohl es von außen sehr unscheinbar aussah. Aber als wir hineingingen, wurden wir aufs positivste überrascht. Die Einrichtung im Inneren hatte schon etwas uriges und einladendes, aber den besten Eindruck machte der Biergarten. Wir bestellten zuerst einmal zwei Windhoek-Bier und tranken nun unser Windhoek in Windhoek. Dann passierte etwas ganz seltenes: es regnete! Der Regen war aber genauso schnell vorbei, wie er gekommen war und auch die Plätze, die ohne Schirm o.ä. im Freien standen konnten wieder besetzt werden.
Das Publikum selbst erschien uns sehr rustikal. Wir stellten uns vor, ein deutscher Justizermittlungsbeamter oder ein Fahnder des deutschen Finanzministeriums würde hereinkommen. Ob die Hälfte der Gäste den Kopf einziehen würde?
Eigentlich wollten wir gar nichts essen, da wir aus irgendeinem Grund keinen Hunger hatten. Als wir aber auf der Speisekarte den Buschmann Spieß entdeckten, kam Appetit auf und wir teilten uns einen. Das war in jeder Hinsicht eine gute Entscheidung. Der Spieß war so groß, dass wir auch bei Hunger satt geworden wären. Außerdem hatten wir so einen kulinarischen Querschnitt durch die afrikanische Tierwelt. Auf dem Spieß waren sehr leckere Fleischstücke von Strauß, Kudu, Zebra, Krokodil und Huhn.
Den nächsten Tag begannen wir mit einer Besichtigung der Christuskirche und des Reiters von Südwest. In einer Apotheke kauften wir noch Antimalariapillen und dann machten wir uns auf den Weg nach Norden. Der erste Stopp ist in Okahandja. Wir nutzen ihn um einen Kaffee zu trinken und um Souvenirs zu kaufen. Auf den dort zahlreichen Handwerksmärkten erstanden wir eine Giraffe, ein Zebra und einen Elefanten für uns und die Lieben daheim. Durch diesen relativen Großeinkauf und der unmittelbaren Konkurrenz war der Preis sehr gut.

Dinos - Waterberg - Sachsenheim

Unser nächster Stopp war die Mount Etjo Lodge. Sie lag auf dem Weg und wir wollten mal einem Blick hinein werfen, um eventuell eine Nacht zu buchen. Die Lodge ist echt ein Traum, leider auch der Preis. Obwohl sehr viel geboten wurde für das Geld, war es uns einfach zu teuer und wir fuhren schweren Herzens weiter.
In der Nähe wartete eine kleine erdgeschichtliche Kuriosität auf uns: versteinerte Dinosaurierspuren. Diese lagen auf privatem Farmgelände und wir mussten ein paar Rand Eintritt zahlen. Ich stellte mir immer vor, dass so ein Dinosaurier riesige Abdrücke hinterlassen müsste und suchte nun entsprechend großen Vertiefungen. Aber es gab auch kleine Saurier und solche müssen hier lang gelaufen sein. Auf einer Strecke von vielleicht 25 Metern fanden wir etwa 30 Zentimeter lange Fußtapsen. Trotzdem ist heutzutage sehr beeindruckend, was vor Millionen Jahren nur eindrückend war.
In Otjiwarongo füllten wir unsere Getränke auf und fuhren weiter zur Otjiwa Lodge. Dies ist eine private Game Lodge. Das heißt, es wurden auf dem Gelände um die Lodge zahlreiche ursprüngliche Tiere angesiedelt, in diesem Fall sogar Nashörner. Die ersten Tiere tauchten bereits kurz nach dem Eingangstor auf. Eine Herde Buntböcke begrüßte uns neugierig. Wir fuhren zur Rezeption, checkten ein und bezogen unseren Waggon. Die Lodge besteht aus ausrangierten Großwohnwagen. Sie machten nicht gerade den besten Eindruck, aber sauber und ordentlich waren sie. Gerade als wir in aller Ruhe beim Einräumen waren, kam ganz aufgeregt die Dame von der Rezeption angesprungen und fragte uns, wo wir denn bleiben. Wir fragten uns das jetzt auch. Die ganze Gruppe wartete bereits auf uns. Wir fragten uns weiterhin, welche Gruppe? Na, die auf die Safari wollten. Welche Safari? Wir unterbrachen unsere Tätigkeiten, schnappten uns die Fotoapparate und folgten der Dame. So langsam klärte sich alles auf. Die Leute, die zeitgleich mit uns angekommen waren, waren nicht wegen einer Übernachtung da, sondern wegen der abendlichen Fahrt durchs Gelände auf Tierpirsch. Wir wurden kurzerhand mit eingeplant, hatten davon aber nichts mitbekommen. Nun saßen die anderen da und warteten auf uns. Nachdem wir alle Klarheiten beseitigt hatten, stiegen wir auf den Geländewagen und die Safari konnte starten.
Das erste Tier welches wir erblickten, war eine Schlange, die quer über dem Weg lag. Sicher werden viele denken, was ist das schon, eine Schlange, die gibt's doch da wie Sand am Meer. Wir haben auf all unseren Safaris in Afrika nicht eine gesehen. Demzufolge waren wir schon beeindruckt, als die Hornviper träge die letzten Sonnenstahlen des Tages genoss. Desweiteren erblickten wir diverse Antilopen, Giraffen, Warzenschweine, Strauße und keine Nashörner. Als wir wieder in der Lodge waren, beendeten wir unser Einräumen und gingen dann zum Abendessen, welches inklusive war. Außer einem andern Pärchen, welche aber wie Bekannte des Managers schienen, waren wir die einzigen. Es gab ein 4-Gänge-Menü. Zum Schluss prägten wir gemeinsam mit der sehr netten Bedienung den Begriff "overloaded".
Beim Frühstück waren wir die einzigen Gäste und konnten uns aus einem guten Büfett die besten Sachen in Ruhe rausfischen. Eine schwarze Angestellte erklärte uns auf deutsch die einzelnen Gerichte. Eine schwarzweiße Katze leistete uns dann noch Gesellschaft und brachte uns mit ihren tollpatschigen Bewegungen zum Lachen.
Als wir die Lodge verließen, überquerte noch zum Abschied eine große Buntbockherde die Straße.
In der Nähe lag der Waterberg, ein gewaltiges Bergplateau, welches sich majestätisch vom gesamtem Flachland abhob. Auf dem Weg dorthin klatschten Myriaden von Schmetterlingen an unsere Autoscheibe. Es tat uns zwar sehr leid, aber es gab auch keine Alternative, wenn man schnell voran kommen wollte.
Wir wollten den Waterberg bezwingen und folgten einer Gruppe junger dynamischer Österreicher, die forsch den Berg erklommen und sehr gute Ortskenntnisse zu haben schien. Als sie dann an einem Steilhang standen, den man nur als Freeclimber bewältigen würde, bereuten wir unseren Herdentrieb. Anke fand den richtigen Weg und wir zogen wieder allein weiter. Unterwegs entdeckten wir eine Gruppe Mangusten. Wir beobachteten die Tierchen und hofften auf ein paar gute Fotos. Mittlerweile hatte sich die Falschläufergruppe wieder eingefunden und zog lautstark an uns vorbei. Na wenigstens mussten wir auf dem weiteren Weg nicht mehr auf irgendwelche Tiere achten, die waren sicher weg. Oben auf dem Waterberg erwartete uns neben unseren Wanderfreunden auch ein gigantischer Ausblick auf das Land. In solchen Momenten kamen wir uns so schrecklich klein und unbedeutend vor. Der Abstieg kam uns dann groß und bedeutend vor. Als wir unten waren, gossen wir uns erst mal Wasser über den Kopf zur Abkühlung. Auf einer frisch gewässerten Rasenfläche saßen tausende Schmetterlinge, die, wenn man durch sie hindurch schritt, einen wie im kitschigen Hollywoodschinken umschwärmten. Na, vielleicht nicht der beste Vergleich, aber toll war's schon.
In der Nähe befand sich ein Friedhof, auf dem deutsche Soldaten begraben worden sind, die im Herero Aufstand von 1904 gefallen sind und ermordet wurden. So ist es auf den Grabsteinen zu lesen. Wir fanden Gräber mit Soldaten aus Magdeburg, Lübeck, Dresden, Zwickau und Ahlbeck.
Dann fuhren wir zurück nach Otjiwarongo, dem Ort an dem die fetten Rinder weiden. So ist die Übersetzung des Ortsnamens. Uns interessierte aber nur die Zapfsäule mit bleifreiem Benzin, da es am Waterberg nur verbleites Benzin gab. Einen Caféstopp wollten wir in Otavi einlegen, da ein Werbeschild einer Bäckerei uns lockte. Leider standen die Öffnungszeiten nicht auf dem Schild und wir vor verschlossener Tür. Wir fuhren weiter Richtung Tsumeb und dann nach Norden zum Otjikoto See. Dieser bestach durch seine herrliche Farbe und hatte auch noch einen kleinen Wildpark. Der See war noch nicht endgültig ausgemessen worden. Es war nur bekannt dass er tiefer als 65 Meter ist. Wir trafen am See noch zwei Deutsche aus Genthin, die eine Mietwagenrundreise gebucht hatten und als nächsten Übernachtungsstopp Okaukujeo nannten. Skeptisch erklärten wir ihnen, dass sie dazu zum Etosha Park fahren und diesen auf über hundert Kilometern durchqueren müssten. Die Tore der Camps schließen bei Sonnenuntergang. Sie hatten für ihre ca. 170 Kilometer lange Tour also knapp 1 1/2 Stunden Zeit, wobei man auch bedenken muss, dass im Park ein Geschwindigkeitslimit von 60 Stundenkilometern besteht. Sie fuhren recht zügig ab.
Wir fuhren in aller Ruhe zur Jagdfarm Sachsenheim. Diese lag ca. 20 Kilometer nordöstlich vom Eingang des Etosha Parks. Wir waren die einzigen Gäste. Selbst die Gastgeber waren nicht da, nur zwei strubbelige Hunde und eine freundliche Angestellte begrüßte uns. Wir hatten mal wieder die Qual der Wahl. Wir entschieden uns für eine Hunters Lodge mit zwei großen Schlafzimmern und Terrasse. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die zwei Hunde, Lupo und Bobby leisteten uns bald auf der Terrasse Gesellschaft, auf der wir beim einem Glas Wein den Urlaub genossen. Beim Abendessen im Restaurant waren wir die einzigen Gäste. Es gab Elen-Antilope. Wir wurden äußerst zuvorkommend bedient und hatten die volle Aufmerksamkeit der Angestellten, mit der wir uns stundenlang über Land und Leute unterhielten. Den Sundowner nahmen wir wiederum auf unserer Terrasse und verfolgten das Gewitter, welches sich lautstark und mit wenig Regen entlud.
Auch beim Frühstück und bei der Verabschiedung erfuhren wir noch sehr viel über das Leben in Namibia in langen Gesprächen. Es hatte schon Vorteile, dass wir die einzigen Gäste waren. Aber warum waren wir fast überall recht allein? Wir waren in der Nebensaison in Namibia. Es war Regenzeit und viele Reiseveranstalter und Reiseführer raten eher dazu, in der Trockenzeit nach Namibia zu reisen. Gerade für den Etosha Park hatten wir schlimme Prognosen erhalten. "In der Regenzeit sind kaum Tiere zu sehen.", "An den Wasserlöchern werdet Ihr kaum Tiere sehen.", "Die Elefanten sind jetzt alle im Norden, wo man nicht mehr hinfahren darf." So oder so ähnlich hörten wir es von allen Seiten. Aber auch ein weiterer Grund kam hinzu. Im Caprivi Streifen, im äußersten Nordosten Namibias flammte ein Bürgerkrieg auf. Das hielt viele Urlauber von einer Reise ab.