Jede Menge Deutsches in drei Wochen Afrika

oder: Was wir in Namibia falsch und richtig machten

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Rostock

Nach dem sehr guten Frühstück und vor der Abreise hatten wir noch einen interessanten Plausch mit der Gastgeberin. Sie stammte aus Graz und war vor 25 Jahren hier hängen geblieben. Wir machten noch einen Abstecher zur Lagune, in der Hunderte von Flamingos im flachen Wasser wateten - ein grandioser Anblick.
Dann ging es in die Wüste. Die ersten hundert Kilometer waren nicht sehr aufregend. Dann wurde es aber spannend. Zwei Pässe waren zu durchqueren. Es handelte sich aber um keine hohen Gebirgspässe, sondern um Canyons, die ein tiefes Flussbett in die Wüste geschnitten hatten. Zwischen diesen beiden atemberaubenden Landschaftseinschnitten trafen wir auf ein uns bekannt vorkommendes Auto - und richtig; es waren die Briten, die wir aus dem Etosha Park kannten. Trotz der Größe Namibias, war es doch wie ein Dorf. Wir hatten uns eine Menge zu berichten und wälzten die Karten. Dann fuhren wir wieder weiter. Es war unser letztes Aufeinandertreffen für diesen Urlaub.
Jetzt zeigte uns die Wüste, was sie so zu bieten hatte. Nicht nur, dass wir gerade einen beachtlichen Canyon durchquert hatten mit tollem Gefälle und anschließender Steigung, auch die Wüste selbst wurde abwechslungsreicher. Fuhren wir gerade noch durch staubtrockene, unwirkliche Landschaft, sah es nur eine Kurve weiter aus, als wären wir in Irland. Die Wüste grünte, wo es über Nacht oder vor Tagen geregnet hatte. Es kam uns so irreal vor, wir konnten es kaum fassen. Dann wieder eine Kurve - Trockenheit. Es wechselte sich ab wie in einem Film, der zwischen zwei unterschiedlichen Landschaften hin- und herschnitt. Aber dies war die Wirklichkeit. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben stand mitten in der Wüste mit einem Mal ein Hinweisschild nach - Rostock. Wir befanden uns nun etliche Tausend Kilometer von unser Heimatstadt entfernt, mitten in Afrika, in der Wüste und waren ihr doch so nah. Der Weg nach Rostock war leider für ein normales Auto, wie wir es hatten unzumutbar. Selbst ein "Allradfahrer" hätte sich die Strecke sehr genau angesehen. So mussten wir also weiter fahren ohne zu erfahren, wie Rostock in Namibia nun eigentlich aussah oder was es überhaupt bezeichnete. Aber wir hatten ja noch das Rostock Ritz vor uns und seit einigen Kilometern standen entlang der Strecke diverse Hinweisschilder zu dieser Lodge.
Als wir dann auf das Farmgelände einbogen waren es noch 5 Kilometer und dann sahen wir von weiten die Steiniglus der Lodge. Die gesamte Anlage bestand aus diesen Iglus, die als Zimmer ausgebaut waren, nur kleine Fenster hatten und dadurch ein herrliches Raumklima. Immerhin befanden wir uns mitten in der Wüste mit Tagestemperaturen von 40°C. Durch diese Bauweise war es immer angenehm kühl in den Räumen und durch die gegenüberliegenden Eingangs- und Terrassentüren auch recht luftig. Da hatte mal jemand mitgedacht! Selbst die Dusche, die Schränke und ein paar Ablagen waren gemauert. Alles fügte sich zudem sehr gut in die natürliche Umgebung ein, so dass die Lodge gar nicht so einfach zu finden war, da sie ein Teil der Wüste zu seien schien.
Leider war der Besitzer nicht anwesend und so brachten wir unsere Gastgeschenke den Verwaltern. Wir hatten eine Rostocker Zeitung mitgebracht und einen Rostocker Kümmel, der seinen Platz an der Bar neben zwei Rostocker Pils, die da schon standen, fand. Wie sich herausstellte war die Verwalterin aus Einbeck bei Hannover und noch nicht lange in Namibia. Ihr Mann war Südwester, hatte in Köln Sportlehrer studiert und sie mitgebracht. Die beiden waren etwa unser Jahrgang und wir fanden einen guten Draht zueinander.
Was macht man nun in der Wüste? Schwimmen! Es grenzte schon an Wahnsinn. Rings um uns nur Sand, Geröll und Trockenheit und wir lagen im Swimming Pool und schauten den Staubfahnen der Fahrzeuge nach, die die Lodge verließen und am Horizont immer kleiner wurden.
Dann tauchte Torsten auf, der Verwalter. Wir hatten einen Ausritt geplant und besprachen die Einzelheiten. Die Pferde auf der Lodge schienen ein ziemlich lockeres Leben zu haben. Morgens liefen sie in die Wüste, trieben sich dort den ganzen Tag ohne Aufsicht herum und abends kamen sie zum Trinken und Fressen wieder rein. An diesem Abend mussten drei von ihnen aber wieder raus, mit uns auf ihren Rücken. Wir ritten auf hohe Dünen, jagten im Galopp durch den Wüstensand. Zum Abschluss ritten wir in den Sonnenuntergang. Zu diesem Ausflug fiel uns nur eins ein: traumhaft! Das war sicher das Highlight des Urlaubs. Neben den einmaligen visuellen Eindrücken hatten wir aber auch ganz profane anal periphere Eindrücke, die wir uns als Gelegenheitsreiter nun mal zuzogen und die wir noch Tage später spürten.
Den Abend beschlossen wir im Restaurant, wo sich außer uns noch ein Schweizer Pärchen einfand. Wir waren die einzigen Gäste. Das Essen verdiente das Prädikat Spitzenklasse. Wir aßen Oryx und Strauß. Beides war hervorragend. Nebenbei führten wir mit den Schweizern lange und intensive Diskussionen über das Leben in der Schweiz, in der DDR, in Südafrika. Wir mussten gegenseitig viele Meinungen und Vorurteile revidieren. Es war sicher eines der längsten und nachhaltigsten Gespräche unseres Urlaubs.
Nach soviel Philosophieren genehmigten wir uns dann bei wirklich entspannten Smalltalk mit den Verwaltern an der Bar unsere Absacker. Ein herrlicher Tag war zu Ende.
Kampf dem Muskelkater! Wir hatten mit Beschwerden hinsichtlich unseres Ausrittes gerechnet und Vorkehrungen getroffen: eine lange Canyonwanderung mit Torsten und Don, dem Hund der Lodge. So wollten wir unsere schmerzenden Glieder wieder in Bewegung bringen. Es ging früh morgens, gleich nach dem Frühstück los. Torsten fuhr uns mit dem Jeep zum Rand des Canyons und wir stiegen hinab. Unten angekommen, zogen wir unsere Schuhe aus, ließen sie auf einem Stein zurück und wanderten barfuss. Don schnüffelte aufgeregt überall umher und stiebte durch den Canyon. Für ihn war es das Paradies. So konnten wir mit Sicherheit auf keine Tiere treffen, da Don sie sicher vertrieb, aber auch unliebsame Begegnungen mit Schlangen oder ähnlichem Getier würden so vermieden werden.
Das Rivier war vor kurzem abgekommen. D.h., der nur zeitweise Wasser führende Fluss hatte vor ein paar Tagen Wasser geführt. Überall waren noch große Pfützen vorhanden und stellenweise lief auch noch Wasser. An den angeschwemmten Bäumen konnten wir erahnen welche Wassermenge und welche Kraft der Fluss hatte. Wir stapften durch feuchten weichen Sand in dem wir hin und wieder bis zum Knie einsanken. Manchmal kam auch Don bei seinen wilden Jagden in ein solches Weichsandfeld und schlug dann Purzelbaum, weil ihm die Vorderbeine komplett einsackten und er noch viel Schwung hatte. Als Rache für unser Gelächter rannte er dann knapp an uns vorbei durch Schlammfelder und wir sahen aus wie Schweine die aus der Suhle kamen. Torsten erzählte uns viel über die Gegend und wir erfuhren auch einiges über sein Leben. Er war erst vor kurzem aus Deutschland zurückgekehrt, wo er studiert hatte. Jetzt war er voller Ideen um die Lodge zu einer kleinen Sport- und Adventurefarm zu gestalten. Möglichkeiten waren reichlich vorhanden. Man konnte jetzt schon reiten, wandern, mit dem Mountainbike durch die Wüste rasen. Er wollte noch eine Kletterwand am Canyon einrichten. Ob er allerdings eine Inlineskater-fähige Piste hinkriegt ist fraglich. Er hatte in Deutschland eine Inlineskatertour betreut und in dem Zusammenhang auch mal Rostock besucht.
Nach ca. 11/2 Stunden waren wir am Umkehrpunkt, wo wir rasteten und die beeindruckende Canyonlandschaft genossen und fotografierten. Don hatte keine Ruhe und jagte umher.
Wochen nach unserer Reise lasen wir in einem sehr empfehlenswerten Buch, wie hier zur Zeit des zweiten Weltkrieges zwei deutsche Geologen über zwei Jahre verbracht hatten. Es war sogar ziemlich genau die Gegend, in der wir uns befanden. Das Buch heißt "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste", ist von Henno Martin und ein Muss für jeden Namibiafan.
Auf der Rücktour stellten wir erleichtert fest, dass unsere Schuhe noch an dem Platz standen, wo wir sie zurückgelassen hatten. Wer sollte die auch stehlen? Vielleicht ein paar Paviane, die hier vorbeikommen konnten.
In der Lodge duschten wir noch und verabschiedeten uns von den Verwaltern. Dann ging es wieder in die Wüste, Richtung Solitaire. Dort angekommen fuhren wir zur Bleifreizapfsäule der Tankstelle und der Tankwart versuchte voll zu tanken. Die Tankuhr an der Säule bewegte sich aber nicht und nach Rücksprache mit seinem Chef, erklärte er uns, dass das bleifreie Benzin alle sei. Wir hatten noch genug im Tank, um bis nach Sesriems, unserem nächsten Stopp, zu kommen. Der Tankwart versicherte uns, dass dort auf jedem Fall eine Bleifreisäule ist. Ob die allerdings noch Benzin hergibt, würden wir sicher erst vor Ort erfahren. Sie tat es. Zu unserer Verwunderung Passten aber nur ca. 15 Liter rein. Das bedeutete, unser Auto hatte auf den anstrengenden Wüstenpisten der letzten Tage bei Klimaanlage unter 5 Liter pro 100 Kilometer verbraucht oder, der Tankwart in Solitaire hatte doch noch was reingeplempert. Die letztere Variante war wohl die wahrscheinlichere.

Soussus Vlei


Dann fuhren wir erwartungsvoll in die Mövenpick Lodge. Normalerweise würde eine Übernachtung in dieser Lodge unsere Reisekasse sprengen, aber für den Februar 2000 hatte sie Sonderpreise, die weit unter der Hälfte lagen. Die Gründe dafür lagen wohl bei den massenhaften Stornierungen in der Zeit, da sich viele Touristen von den Unruhen im Caprivi Streifen abschrecken ließen. Das ist etwa so, als würde ein Überseetourist seine Deutschlandreise stornieren, weil im Kosovo Bürgerkrieg ist.
Um es vorweg zu nehmen, die Lodge war auch nur den billigen Preis wert. Sie besteht aus Bungalows, welche halb gemauert und halb Zelt sind. Die sind zwar sauber und ordentlich, aber stellenweise auch schon stark abgenutzt. Am Pool wurde gerade gebaut, so dass wir den nicht nutzen konnten. Das Einzige, was Mövenpick-Qualität hatte, war das Essen.
Wir machten erst mal eine kleine Siesta, unser Muskelkater und die Druckstellen waren noch gut zu spüren. Dann zog ein Gewitter auf. Es kündigte sich mit einem leichten Sandsturm an. Dabei zeigte sich, dass die Zelte schon recht mitgenommen waren. Wir hatten Mühe, alles ordnungsgemäß zu schließen. Dann blitzte es, Donner grollte durch die Wüste und es regnete. Es war schon ein Erlebnis, einen solchen starken Gewitterguss mitten in der Wüste mitzuerleben. Die Angestellten mussten ihr im Freien konzipiertes Büfett umdisponieren und alles in die wenigen Räume räumen. Vor dem Abendbrot nahmen wir an der Bar noch einen Aperitif und kamen dabei mit einem Belgier ins Gespräch, der trotz multipler Sklerose mit seiner Frau durch die Welt reiste und alles im Rollstuhl bewältigte.
Dann gingen wir zum Abendessen. Das Büfett war wirklich einmalig. Alle Sorten Wild wurden angeboten, dazu viele Beilagen, Gemüse, Salate und ein großes Kuchenbüfett. Nun hatten wir unsere drei kulinarischen Topptipps zusammen: Erichs Restaurant in Swakopmund, Rostock Ritz und Mövenpick Lodge in Sesriems. Alle drei sind auf ihre eigene Art sehr zu empfehlen und sollten bei einem Namibiabesuch unbedingt auf der Liste stehen.
Einen gewaltigen Schönheitsfehler hatte unser Aufenthalt jedoch. Schon bei der Ankunft entdeckten wir eine Namensliste einer noch eintreffenden Reisegruppe, deren Namen verdächtig oft auf -otti, -one, -ini endeten. Als dann der Bus eintraf und seine Ladung preisgab, bestätigten sich lautstark uns Befürchtungen. Es gibt Dinge, die man seinen ärgsten Feinden nicht wünscht. Eins davon ist sicher eine Reisegruppe Italiener. Nach fast drei Wochen Ruhe, Besinnlichkeit und innerer Ausgeglichenheit brach ein Sprach- und Gestikgewitter auf uns und die anderen Gäste hernieder, wie wir es in den schlimmsten Träumen nicht erahnten. Da wir das Abendessen witterungsbedingt in geschlossenen Räumen zu uns nahmen, konnten wir uns, um uns zu unterhalten, nur anschreien. Es war schon eine eigenartige Situation, die restlichen Gäste bildeten spontan eine Solidargemeinschaft, die sich untereinander Mut zusprach. Wir waren eigentlich ständig auf der Flucht vor den Spaghettifans, selbst als sich unsere Gruppe in der Bar traf, war wenige Minuten später der Dezibelgrenzbereich erreicht, da die Pizzaliebhaber auch dorthin fanden. Als dann die Söhne und Töchter Roms endlich im Bett lagen konnten wir aufatmen.
Für den nächsten Morgen hatten wir uns früh den Wecker gestellt, da wir pünktlich zum Sonnenaufgang beim Soussus Vlei sein wollten. Das war natürlich unnötig. Wir müssen sicher nicht erwähnen, wer uns weckte. Wir kamen uns vor, wie auf einem Fischmarkt in Neapel. Als wir dann unsere "Breakfastbags" von der Rezeption holten, mussten wir durch die Traube der Espresso- und Capuccino-Liebhaber durch, kamen aber ohne schwerere Hörschäden davon.
Wir waren die ersten am Tor, welches pünktlich zum Sonnenaufgang geöffnet wurde und das Rennen zum Soussus Vlei begann. Nach 20 Kilometern war dann Schluss. Wir hatten gerade die erste größere Düne passiert, als der Tsauchab alle Hoffnungen zerschlug, heute noch weiter zu kommen. Die Gewitter und Regengüsse der letzten Nacht haben dieses Rivier abkommen lassen und somit war es unmöglich diesen reißenden Strom zu überqueren.
Wir nutzten die Zwangspause und frühstückten. Die "Breakfastbags" von der Lodge waren sehr gut und abwechslungsreich gefüllt. Danach gingen wir entlang des Riviers ein wenig spazieren. Innerhalb dieser kurzen Zeit konnten wir beobachten, dass das Wasser spürbar zurückging. Wir schöpften wieder Hoffnung. Immerhin würde uns ein volles Soussus Vlei erwarten. Das sieht man auch nur alle paar Jahre. Dann trafen wir zwei Südwester, die uns anboten uns mit ihrem Allradwagen mitzunehmen, wenn bis 12.00 Uhr mittags eine Passage des Riviers möglich sei. Wir überdachten unseren Tagesplan kurz und entschieden uns, abzuwarten. Solange taten wir vor allem zweierlei: Warten und Waten. Die Zeit verging eigentlich recht schnell. Leider hielt sich die Strömung in einer Stärke, die ein Durchqueren unmöglich machte. Immer wieder versicherten uns die Südwester, dass dies ein einmaliges Erlebnis sei. Solch ein Rivier-Abgang gibt's nur alle zehn Jahre und wir seien Zeugen eines sehr seltenen Ereignisses. Wir hätten aber gern darauf verzichtet und dafür lieber die Dünen am Soussus Vlei gesehen.
Als es um 12.00 Uhr immer noch nicht möglich war, den Fluss zu überqueren, kehrten wir schweren Herzens um und fuhren zurück. Auf dem Weg zurück hielt uns noch ein Südwester an und teilte uns mit, dass der Weg, den wir einschlagen wollten, ebenfalls durch einen reißenden Fluss unpassierbar wäre. Ganz schön viel Wasser in einem Wüstenland. So fuhren wir wieder fast bis Solitaire zurück und bogen kurz davor in Richtung Maltahöhe ab. Das sollte auch unser letzter Übernachtungsstopp in Namibia sein. Die Piste war in gutem Zustand und führte durch herrliche Landschaft. Wir fuhren durch grüne Gebiete und alle Riviere, die wir sahen, waren gut gefüllt und teilweise zu reißenden Strömen mutiert. Als wir ein Tal durchfuhren, regnete es. Aber nur in der Mitte des Tals. Wir fuhren ohne einen Tropfen Wasser abzubekommen am Rand herum. Es schien, als hätte sich der Farmer den Regen nur für seine Weide bestellt, die Straße herum blieb trocken. Namibia wartete immer wieder mit kleinen meteorologischen Besonderheiten auf.
Dann, kurz vor Maltahöhe, wurde die immer Piste nasser und wir fuhren durch immer mehr Schlammpfützen. In Maltahöhe selbst war kurz vor unserer Ankunft ein gewaltiger Gewitterschauer niedergegangen. In die Straßen waren tiefe Gräben gespült worden und vom Hotel Maltahöhe, welches üblicherweise weit vom Fluss entfernt stand, waren es nur wenige Schritte bis zum reißenden Strom.
Wir wurden von den Hotelinhabern freundlichst begrüßt, bezogen unser Zimmer, duschten und gingen danach auf ein Bier in das Wirtshaus. Dort saßen bereits ein Farmer aus der Gegend und ein anderer Südwester der noch bis nach Lüderitz wollte. Wir kamen gleich ins Gespräch und werteten gegenseitig unsere Erlebnisse aus. Maltahöhe war bis vor Kurzem fast von der Außenwelt abgeschlossen, da Strommasten unterspült wurden und umstürzten. Erst seit einem Tag gab es wieder elektrisches Licht. Die Schleusen des Hardap Damms mussten geöffnet werden und Mariental stand daraufhin unter Wasser, so dass die Kinder in der Stadt herum schwimmende Fische fangen konnten, die aus den Fischaufzuchtbecken des Damms stammten. Namibia hatte seine große Flut. So richtig böse war aber keiner, denn Wasser ist das wertvollste Gut in diesem Land. Da sich die Zerstörungen auf materielle Werte beschränkte, waren auch keine Menschenleben zu beklagen.
Die "Allgemeine Zeitung" war jetzt Goldstaub und als einer der Gäste die aktuellste Ausgabe auf den Tresen legte, stürzten wir uns darauf und lasen die Berichte über die Flut. Ich interessierte mich so "ganz nebenbei" auch für die Bundesligaergebnisse.
Dann wurde es langsam voll. Es kamen Touristen aus allen Richtungen, die teilweise von abenteuerlichen Anfahrten im Dauerregen und auf fast unpassierbaren Pisten erzählten. Wir waren jetzt begehrte Gesprächspartner, da wir von Soussus Vlei kamen und viele dorthin wollten. Es wurden Karten auf den Tresen ausgebreitet, Reiserouten diskutiert, Alternativstrecken vorgeschlagen. Hier trafen wir auf viele Reisende, die entgegengesetzt unserer Route durch das Land fahren wollten. Da gab es viel zu erzählen und Tipps zu geben. Das Hotel war bald ausgebucht und eine richtige Abenteuerstimmung herrschte im Wirtshaus. Zwischendurch aßen wir Abendbrot, wobei ich Eisbein mit Sauerkraut wählte. Dazu tranken wir Bier an einem mit deutschen Aufklebern übersätem Tresen, überall wurde deutsch gesprochen. Wäre nicht Februar und wir in kurzen Sachen, hätte das gesamte Treiben auch in einer urdeutschen Gaststätte stattfinden können. Heimischer haben wir uns im Ausland noch nie gefühlt.

Zurück nach Südafrika

Unser letzter Tag in Namibia stand etwas im Gegensatz zum ersten. Die Temperaturen lagen zwar mit 30-35°C nur etwas unter den Werten von unserer Einreise, aber auf dem Weg nach Mariental fuhren wir nicht durch Trockenheit und Kargheit, sondern entlang überschwemmter Felder und grüner Landschaft. Auch auf dem Weg nach Keetmanshoop waren die Spuren der letzten Regengüsse zu sehen. Alle Riviere, die auf der Herfahrt trocken und teilweise gar nicht als solche zu erkennen waren, waren gut gefüllt und oft reißende Flüsse, die auch sichtbare Schäden in der Umgebung verursacht hatten. Stellenweise waren Bahngleise unterspült worden und es gab hin und wieder Hinweisschilder, den Straßenrand nicht zu befahren.
In Keetmanshoop tauschten wir unsere letzten Namibia Dollar gegen Benzin und fuhren zurück nach Südafrika. Der Grenzübertritt erfolgt problemlos. Die Beamten auf beiden Seiten schienen gelangweilt, waren aber sehr höflich.
In Springbok nahmen wir eine Zwischenmahlzeit bei KFC und fuhren zu Anni's Cottage. Wir bekamen das Mabida Zimmer, welches sehr luxuriös war. Der Qualitätsunterschied zu den Ausstattungen der Hotels und Pensionen in Namibia war deutlich. Dabei war der Preis weitaus geringer als die der meisten Unterkünfte dort.
Wir bekamen einen Begrüßungskaffee in den herrlichen Garten serviert und entspannten uns von den 760 km des Tages. Nachdem wir ausgiebig Kräfte gesammelt hatten, machten wir noch einen kleinen Stadtrundgang. Springbok war für uns eine typische Zwischenstationsstadt. Die wahre Schönheit der Stadt und der Gegend erblüht im Frühjahr. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Springbok liegt inmitten des Namaqualandes, welches jedes Jahr im September Millionen Blumen hervorbringt und die trostlose Landschaft in ein Blütenmeer verwandelt.
Am Abend bekamen wir noch Besuch von der Hauskatze, die sich ausgiebig kraulen ließ.
Unser Frühstück am nächsten Morgen sollten wir unbedingt erst nach der Abfertigung der 10 "terrible business people", wie die Gastgeberin ihre anderen Gäste etwas abfällig beschrieb, zu uns nehmen. Da diese Leute den kompletten Frühstücksraum belegten, saßen wir an einem eigenen, extra für uns eingedeckten Tisch auf der Terrasse und frühstückten bei herrlichem Wetter im Freien.
Danach fuhren wir ab in Richtung Kapstadt. Nach zwei Stunden lagen 260 Kilometer hinter uns - guter Schnitt. Auf Höhe Piketberg verließen wir die N7 und fuhren westwärts zum Meer. Wir machten einen Stopp in Langebaan. Es war Mittagszeit und wir aßen in einem Restaurant an der wunderschönen Lagune Pizza und Fish & Chips. Langebaan ist eine Reise wert, eine kleine idyllisch gelegene Stadt am Meer. Das beste allerdings ist die azurblaue Lagune, die für Wassersportler jeder Art gut geeignet schien. Wir beobachten Gleitschirmsurfer, die sich von dem Wind durch Wasser gleiten ließen.
Dann ging es weiter nach Kapstadt. Ein herrlicher Blick eröffnete sich uns, als wir von Norden kommend in die Vororte von Kapstadt fuhren. In Bloubergstrand stoppten wir, gingen ans Meer und genossen die Skyline von Kapstadt. Es war wolkenlos und der Tafelberg hatte ebenfalls kein Wölkchen "aufgesetzt". Wir fuhren noch zur Waterfront und machten ein paar Einkäufe.
Auf dem Weg nach Somerset West hatten wir das Gefühl, wir fahren nach Hause. Und bestärkt wurden wir darin durch den Empfang in Helderbos. Als erstes lief uns ein uns fremdes, älteres Ehepaar über den Weg. Die Frau fragte Anke, ob sie die Anke sei, von der sie schon so viel gehört hatte. Anke bejahte zögerlich und bald stellte sich heraus, dass sie eine Cousine von Nonnie war und so schon einiges von uns gehört hatte. Dann wurden wir von Nonnie & Peet in die Arme geschlossen, als wären wir Familienmitglieder, die von einer langen Reise zurückkehrten. Nun letzteres stimmte ja. Wir fingen beim Begrüßungssekt an unsere Erlebnisse zu erzählen. Da Nonnie & Peet mit einigen anderen B&B-Eignern zu einer Versammlung mussten, hatten wir erst einmal Zeit, uns frisch zu machen und dann im Garten mit ein paar gekühlten Bieren die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Als sie wieder kamen, saßen wir bis weit in die Nacht hinein zusammen und erzählten von unseren Abenteuern.
Den letzten Tag des Urlaubs begannen wir mit einem herrlichen Frühstück und netter Konversation. Bei Helderbos ist es üblich, dass alle Gäste gemeinsam am Frühstückstisch sitzen und von Nonnie gegenseitig vorgestellt werden. Daraufhin entwickelt sich dann meist eine rege Diskussion über alle möglichen Themen, welche von Nonnie geschickt moderiert wird. So war es auch an diesem Morgen. Wir erfuhren so, dass wir am Abend den gleichen Flug hatten, wie ein anderes deutsches Ehepaar. Nach dem Frühstück schauten wir noch mal bei den Welpen vorbei, welche in den letzten 21/2 Wochen sichtlich gewachsen waren.
Dann packten wir schweren Herzens unsere Taschen und Nonnie gab uns widerwillig unsere Flugtickets, die wir bei ihr gelassen hatten. Wir verabschiedeten uns und bekamen noch ein Buch über Bullterrierzucht geschenkt, welches Nonnie geschrieben hat, selbstverständlich mit Widmung.
Wir fuhren noch einmal nach Bloubergstrand und genossen den Blick auf Kapstadt, das Meer, das Wetter. Nach einem Käffchen in einem Strandcafé waren auch unsere letzten Rand alle und wir machten uns auf zum Flughafen.
Wir gaben zuerst das Auto ab. Dabei erlebten wir etwas, was uns noch keine Mietwagenfirma angetan hatte. Wir mussten die Reinigung des Wagens bezahlen: 150 Rand! Eine Frechheit! Als wir uns daraufhin beschwerten, meinte die Dame am Schalter, dass wir das Auto in sauberen Zustand erhalten hätten und somit auch in einem solchen wieder abzugeben hätten. So etwas haben wir ja noch nie gehört. Wir hatten bei Budget einen total Dreckverkrusteten Wagen abgeben, dem auch noch eine Radkappe fehlte - kein Problem. Bei Hertz wurde nicht einmal ein Blick auf den Wagen geworfen - kein Problem. Aber Avis ist wohl was anderes. Da muss der Wagen blitzen sonst muss der Kunde blechen! Hätten sie uns wenigstens vorher darauf aufmerksam gemacht. Für 150 Rand hätten wir an einer beliebigen Tankstelle einen Sattelzug mit Anhänger auf Hochglanz bringen können. Für uns war es typisches Abgezocke. Es ist traurig, das Avis so was nötig hat. "We try harder"; der Slogan von Avis ist sicher zweideutig. Wir versuchen es sicher nicht noch mal mit Avis.
Der Rückflug begann mit etwas Stress. Der Flug war total ausgebucht und einige Familien mit Kindern mussten noch platztechnisch zusammengeführt werden. Wir hatten eine sehr nette Sitznachbarin aus Jersey mit der wir uns in den 12 Stunden angenehm unterhielten und viel vom Urlaub erzählten. In London klappte dann alles tadellos und wir landeten überpünktlich in Berlin.

Fazit

Dies war ein sehr erlebnisreicher Urlaub für uns. Wir sind relativ gut vorbereitet angetreten, würden einige Sachen aber bei einem erneuten Besuch in Namibia anders machen.
Wir waren in der Planung unserer Tagesetappen zu vorsichtig. In Namibia kann man 700 Kilometer am Tag zu fahren, ohne gestresst zu sein. Der wenige Verkehr, die atemberaubende Landschaft, die Tatsache, dass Höchstgeschwindigkeit gleich Durchschnittsgeschwindigkeit ist, erlauben ein problemloses Bewältigen großer Strecken. Die Südwester selbst rechnen mit Tagesstrecken von 1500 Kilometern.
Das Highlight Namibias für uns war der Etosha Park. Ein Parkbesuch sollte auf keiner Namibiatour fehlen! Bei den Übernachtungsmöglichkeiten gab es zwei Alternativen: staatliche Restcamps im Park und Lodges außerhalb. Wer keine Abstriche an den Unterkünften machen will, sollte eine der Privatlodges außerhalb des Parks buchen. Der Vorteil einer Übernachtung im Park liegt in den beleuchteten Wasserlöcher, wobei uns das in Okaukuejo am besten gefiel.
Das Essen war durchweg sehr gut. Es gab so gut wie keine schlechten Erfahrungen. Sogar die Hühner bei KFC schmeckten uns. Herausheben würden wir 3 Lokale. Zum ersten stellt für uns "Erichs Restaurant" mit seinen Fischgerichten in Swakopmund ein Muss dar. Wer durch die Namib reist, sollte unbedingt im Rostock Ritz essen. Es gab leckerste Wildgerichte in einem herrlichen und einmaligen Ambiente. Ein drittes kulinarisches Highlight ist das Büfett in der Mövenpick Lodge in Sesriems. Leider waren die Unterkünfte dort nicht mehr so ganz topp und es ist zu empfehlen sich vorher zu erkundigen, ob eine italienische Reisegruppe dort erwartet wird. Neben diesen drei Topptipps ist noch Joe's Beer House in Windhoek zu empfehlen. Nicht nur das urige Ambiente auch die abwechslungsreiche Küche rechtfertigte einen Besuch. Das romantischste Essen nahmen wir in Walvis Bay in dem Pfahlrestaurant inmitten der Lagune zum Sonnenuntergang ein. Als die Pelikane und Flamingos vorbeizogen und ein glutroter Feuerball im Meer versank, schmeckte Huhn und Steak noch mal so gut.
Die Unterkünfte in Namibia hatten durchweg einen guten Standard, wobei die privat geführten den staatlichen weit überlegen waren. Die staatlichen Stellen Namibias sollten überlegen, ob sie so leichtfertig mit ihrer Tourismusindustrie umgehen können. Das Preisniveau ist höher als in Südafrika. Die Gründe hierfür könnten in der Lage der Quartiere weit ab von Städten und der Importnotwendigkeit für viele Produkte liegen und somit gerechtfertigt sein.
Eine billige und empfehlenswerte Alternative ist sicher die Einreise via Südafrika. Die Flüge sind ähnlich teuer, aber die Automieten sind in Südafrika doch erheblich geringer, so dass bei einer dreiwöchigen Reise die zwei Extratage für die Fahrt von Südafrika nach Namibia finanziell wieder herauskommen. Nur Avis können wir nicht empfehlen.
Die größte Enttäuschung war mit Sicherheit die Khorixas Lodge. Der hohe Preis wird in keiner Weise dem Angebotenen gerecht.
Das größte Achtungszeichen setzte die Rostock Ritz Desert Lodge und das nicht, weil wir als Rostocker vorbelastet sind. Die Idee, mitten im Nichts ein kleines Paradies zu schaffen mit vielfältigen Freizeitangeboten in der Wüste, ist hervorragend umgesetzt worden.
Alles in allem können wir Namibia als Reiseland nur empfehlen. Dabei ist die Reisezeit sicher egal. Man wird zu jeder Zeit viel erleben und unvergessliche Eindrücke mit nach Hause nehmen.