Zwei Wochen schlemmen und genießen

oder: Eine Vorweihnachtszeit bei falschen Temperaturen in Südafrika

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Eastern Cape

Im strömenden Regen verließen wir dann auch Plettenberg Bay. Das Wetter trübte leider die gesamte Fahrt. So konnten wir uns an den sicher herrlichen Nebenstrecken durch den Tsitsikamma National Park nicht vollends ergötzen. Wir fuhren trotzdem zur Mündung des Stromsrivers und siehe da, der Regen hörte auf. Am dortigen Campingplatz orientierten wir uns zunächst über die Möglichkeiten, die dort geboten wurden. Es gab eine Wanderung zu der bekannten Stormsriver Hängebrücke. Allein der Gedanke an Wanderung ließ unsern Weg gleich in den nächsten Souvenirshop führen. Nach einem ausgedehnten Informations- und Kaufbummel beobachteten wir noch ein paar Wale, die vorbeizogen als es wieder zu regnen begann. Gut dass wir auf die Wanderung verzichtet hatten.
Je näher wir Port Elizabeth kamen, je optimistischer erschienen die Wetteraussichten. Und tatsächlich, als wir ankamen sahen wir die Sonne wieder. Das Wetter ließ sogar einen Strand- und Promenadenspaziergang zu, den ich nachdem wir in unserer Unterkunft, der Brighton Lodge, eingecheckt hatten unternahm. Mein Weg führte mich auch zu einem Konsum- und Vergnügungstempel, dem Boardwalk. Es war eine nett gestaltete Anlange am Wasser, welches auch diverse Restaurants beherbergte. In einem davon beendeten wir auch den Tag. Wir saßen sogar auf einer offenen Terrasse direkt am Strand und hatten einen schönen Strandspaziergang mit Muschelsuche als Heimweg.
Der Tag begann mit Sonnenschein und einem Sprung in den sehr schönen und großen Pool. Leider wartete die ansonsten sehr schöne Brighton Lodge mit ihren einzigen Minuspunkt auf, dem Frühstück. Es wurde aufs Zimmer serviert. Soweit so gut. Aber es war zum Teil von uns zu vervollständigen. Kaffee und Tee kochen und Toast toasten mussten wir selbst. Dazu war die Qualität nicht berauschend. Immerhin konnten wir in unserem eigenen kleinen Garten mit Flusslauf sitzen.
Nach einem weiteren Strandspaziergang, der unsere Muschelsammlung vergrößerte, fuhren wir zum Addo Park. Es ist der erste größere Nationalpark, der einen Hauch von Safari vermittelt, von Kapstadt aus gesehen. Unterwegs lag noch die Addo Crocodile Ranch. Auf meiner ersten Südafrikareise war ich schon mal dort und hatte es gut in Erinnerung. Die Ranch hatte sich seitdem weiter entwickelt. Neben Krokodilen züchteten sie nun auch Löwen und sogar Tiger. Allerdings sind die Gehegeverschlüsse wohl nicht ganz ausgereift, wie wir später noch erfahren sollten. Der Rundgang über das Gelände war abermals sehr interessant und auch die vielen freilaufenden Tiere entzückten uns. Wobei der Begriff freilaufend nicht ganz zutraf. Das Hauswarzenschwein lag in der Sonne und schlief und ein Löwenjunges tat selbiges auf einem Tisch des Restaurants.
Der Addo Park bot zunächst nur Flora und wenig Fauna. Das ist halt der Unterschied zu Zoos. Aber bald tauchten die ersten Antilopen auf und auch das eine oder andere Warzenschwein lief uns über den Weg. Wir konnten auch eine Familie Meerkatzen, die auf der Straße spielten beobachten. Dann an einem Wasserloch stand der erste Elefant. Obwohl ich schon in einigen Parks war und auch schon eine größere Safari erlebt hatte, war es doch wieder ein tolles Gefühl, solch einem Koloss gegenüber zu stehen. Ein weniger tolles Gefühl war es dann allerdings festzustellen, dass die Batterien meines Fotoapparates leer waren und ich nur eine Ersatzbatterie dabei hatte. Die zweite hatte ich auf meiner letzen größeren Fahrt einer Mitreisenden verkauft, deren Batterie den Geist aufgab. Ich hatte dann ja nur ein halbes Jahr Zeit mir Ersatz zu besorgen. Das war eindeutig zu wenig. Nun konnte ich mich voll auf die Fahrerei konzentrieren und das Auto jeweils so platzieren, dass Sandra den besten Blick zum Fotografieren hatte. Später fuhren wir noch durch zwei große Elefantenherden hindurch, die auf dem Weg zu einem Wasserloch zu sein schienen. Allerdings kamen sie nicht mehr rechtzeitig dort an. Nur ein paar Warzenschweine ließen sich noch blicken bevor wir uns in Richtung Parkausgang begeben mussten, da die Tore schlossen.
Im Parkkiosk fand ich dann tatsächlich eine passende Fotobatterie, so dass der wenigstens der Rest des Urlaubs in Bildern festgehalten werden konnte.
Die Unterkunft, die ich für die Nacht herausgesucht hatte war etwa fünfzehn Kilometer entfernt und ich hatte sie im Internet gefunden. Da in der Nähe keine größeren Orte mit Restaurants waren, hatte ich auch gleich ein Braai mitbestellt. Die Unterkunft befand sich auf einer Zitrusfarm, deren Inhaber ein paar strohgedeckte Hütten gebaut hatten und diese nun als B&B anboten. Als wir ankamen standen schon Vater und Sohn am Grill und bereiteten den Braai vor. Chris, der gemeinsam mit seiner Frau Linda diese Unterkunft betrieb und mit ihr gemeinsam als Namensgeber - ChrisLin - fungierte, hieß uns aufs Herzlichste und auf Deutsch willkommen. Er hatte drei Jahre in Deutschland gelebt und sprach mit einem sehr netten Akzent. Die Arbeitsteilung in der Familie wurde uns bald klar. Der Sohn bereitete das Grillgut, die Mutter wirbelte in der Küche, die Schwiegertochter servierte und machte tags drauf die Abrechnung und Chris war für die Unterhaltung der Gäste zuständig. Alle vier verstanden ihr Handwerk bestens. Chris wusste eine Menge an Stories und Anekdoten vorzutragen. Besonders die ausführliche Schilderung des Ausbruchs der Löwen aus der Addo Crocodile Ranch und deren Erscheinen auf seiner Farm grub jeder TV-Comedy-Show das Wasser ab. Er stellte mit schauspielerischen Talent gekonnt die Einzelschicksale der Farmarbeiter nach, wie sie individuell vor den Kätzchen flohen. Da er es trotz dem Beiseins eines weiteren Südafrikaners auf Deutsch erzählte, konnten wir jede Nuance seiner Show verfolgen und verpassten keine Pointe. Der Südafrikaner verstand sein Deutsch sehr gut - im Gegensatz zu unserem.
So köstlich unterhalten begannen wir mit dem Essen. Es gesellte sich noch ein älteres Pärchen dazu. Sie waren aus England und typisch britisch; im positivsten Sinne. Er hatte einen herrlichen Humor und sie war eine Lady. Obwohl wir nun wieder ins englische wechselten mit starken britischen Akzent, unterhielten wir uns köstlich. Natürlich war Afrika das Thema Nummer eins ob Geschichte oder Gegenwart. Aber wir tauschten uns auch über Europa aus und diskutierten die Sache mit dem Euro.
Der Abschluss des Abends gestaltete dann wieder Chris mit weiteren Episoden und auch Linda kam hinzu.
Nichts gegen Onkel Dittmeier, aber selbst geernteter und frisch gepresster Orangensaft spielt mindestens zwei Ligen höher. Auch der Rest des Frühstücks, welches wir an einem großen runden Tisch im Haupthaus einnahmen, war sehr gut. Der Abschied war herzlich und ich stellte im Geiste diese Unterkunft auf meine Liste für Orte die ich auf jeden Fall noch mal besuchen möchte.
Im Vorfeld meiner Planungen war ich auf den Baviaanskloof gestoßen. Dies stellte sich als sehens- und erlebniswertes Stück Natur dar, allerdings mit ein paar Randbedingungen. Für die Strecke sollten acht bis zehn Stunden eingeplant werden, die Piste hindurch ist zwar mit normalem Auto befahrbar, allerdings ist sie nach Regenfällen unter Umständen nicht mal mit Allradfahrzeugen passierbar. Nach längerer Unterredung mit Chris ließen wir unseren Plan fallen, immerhin hatte es in der Tat in der Gegend geregnet und das Risiko irgendwo stecken zu bleiben wo eventuell einige Tage niemand vorbei kommt, noch dazu ohne Mobilfunkempfang, war es uns doch nicht wert. So fuhren wir weiter nördlich über Kirkwood und Steytlerville nach Willowmore wo der Baviaanskloof endet. So brauchten wir keine drei Stunden. Die Strecke ist sicher nicht vergleichbar, hat aber auch ihren Charme. Wir fuhren durch die endlos scheinende Halbwüste Karoo auf bis zum Horizont reichenden einsamen Straßen.

Oulap

Durch diese Reiseplanänderung waren wir sehr früh an unserem nächsten Etappenpunkt, der Lodge Oulap knapp 20 Kilometer vor DeRust. Schon kurz nach drei Uhr erklommen wir den Hügel auf dem sich Lodge befinden sollte. Sie selbst war aber erst zu sehen als wir die letzte Kurve um die Hügelspitze fuhren. Der Gastgeber Jans Rautenbach stand bereits bereit uns zu begrüßen. Er hatte uns sicher schon von weitem gesehen. Unser Gepäck wurde auf unser Zimmer gebracht und wir durchschritten die Lodge. Und die ist wirklich sehenswert. Voll gestopft mit Kunstgegenständen wirken die Räume wie Teile eines Museums, selbst die Gästezimmer sind wahre Kunstwerke. Dazu hatten wir noch einen atemberaubenden Blick auf die Karoo. Da wir schon seit dem Morgen keine Wolke mehr gesehen hatten und es auch nicht danach aussah als würde hier je eine vorbeikommen, begaben wir uns an den Pool. Auch von hier aus war der Blick überwältigend. Für jeden von uns war eine Hollywoodschaukel vorhanden und wir ließen uns und unsere Seelen baumeln bei etwa dreißig Grad am Vorabend des ersten Advents. Wir wurden aufs Beste versorgt mit Getränken und Knabbereien.
Eigentlich sollten wir die einzigen Gäste sein, aber es kam noch ein deutsches Paar vorbei, welches auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit das Hinweisschild an der Straße entdeckt hatte.
Das Besondere an der Lodge gab es eigentlich nicht, denn alles ist besonders. Die Lage mit ihrem kolossalem Blick, das einzigartige Ambiente der Räumlichkeiten, den mit Kunstwerken gestalteten Garten und die Gastgeber, ein ehemaliger südafrikanischer Filmregisseur der ein exzellenter Entertainer war und seine Frau die für ihre Kochkünste drei Sterne verdient. Dazu kam noch ein frecher Hund, der uns auf Trab hielt.
Das Abendessen wurde geradezu zelebriert von Jans und auch die weitere Unterhaltung im Anschluss wurde immer wieder durchsetzt von seinen schauspielerischen Einlagen und dramaturgischen Beigaben. Aber er spielte nicht einfach eine einstudierte Rolle, er interessierte sich sehr für seine Gäste und arbeitete ihre Eigenarten und Geschichten in seine ein. Als ich ihm erzählte, dass ich beruflich in der IT-Branche tätig sei, meinte er dass er bei der Zubereitung seines Braais auch mit Windows arbeite. Er demonstrierte es mir indem er draußen am Grill stand und durch Klopfen an das Küchenfenster einem seiner Boys klar machte, dass er noch dieses oder jenes benötigte. Also so eine Art Windows for Kitchen XPerts.
Der Abend endete unter dem herrlichen südlichen Sternenhimmel bei Wein und Stöckchen spielen mit Juppie, dem jungen Border Collie in den frühen Morgenstunden.
Der nächste Morgen ließ mich etwas an den Abend zuvor erinnern. Trotzdem oder auch gerade deswegen beschloss ich den Tag mit einem Sprung in den Pool zu beginnen. Kurz danach folgten mir Dagmar und Jochen. Beim Frühstück entfernte sich das Katerchen endgültig. So schnell war dann auch schon wieder der Abschied da. Wir wurden allerdings nicht so schnell verabschiedet. Wir hatten uns noch ins Gästebuch einzutragen. Dies ist eine in südafrikanischen B&B's durchaus übliche Praxis. In Oulap war es aber etwas ganz besonderes. Es lagen bereits das Gästebuch mit aufgeschlagener Seite, ein Tuschkasten mit Farbe und diverse Stifte bereit und warteten, dass wir künstlerisch tätig wurden. Jeder Gast hinterließ hier sein eigenes Kunstwerk und auch wir kreierten zu viert gemeinsam eine Seite mit Malerei und Text, wobei Sandra ihr künstlerisches Talent entdeckte und zu wahren Höhenflügen ansetzte.
Dass der Abschied nicht leicht fiel und sich sehr in die Länge zog, wird sicher jeder nachempfinden können. Wir verließen Oulap erst kurz vor Mittag.

Karoo

Den ersten Zwischenstopp erreichten wir durch den sehenswerten Meiringspoortpass. Es handelte sich um Prince Albert. Von dort aus fuhren wir zum Swartbergpass. Dieser gilt als einer der schönsten Passtrassen Südafrikas und auch wir waren trotz etlicher zuvor gefahrener Pässe beeindruckt.
Am andern Ende der Swartberge lagen die Cangoo Caves, Tropfsteinhöhlen. Wir kauften Tickets, zogen uns festes Schuhwerk an und freuten uns auf die 18 Grad in der Höhle. Die Außentemperatur an diesem ersten Advent betrug immerhin 36 Grad Celsius. Die Höhlen waren sehr beeindruckend und sind sicher auch einmalig, aber wie das manchmal so ist, werden wir von diesem Besuch wahrscheinlich ganz andere Erinnerungen mitnehmen und für die Ewigkeit in unser Langzeitgedächtnis ablegen. Eine junge Frau fiel uns (und wie wir an den Reaktionen der anderen Besucher feststellten auch ihnen) besonders auf. Es war Sonntag und sie war entsprechend gekleidet. Sie trug ein eng anliegendes rotes Kleid - dass klassische kleine Schwarze, nur halt in Rot. Dazu war sie perfekt geschminkt und mit Schmuck bestückt und trug als Abrundung rote Stöckelschuhe. Und das in einer Höhle, in der festes Schuhwerk empfohlen wurde.
Als wir in die Höhle eintraten, wurden nun drei Führungen angeboten: eine in französischer, eine in englischer und eine in deutscher Sprache. Ich war dafür, zwischen deutsch und englisch zu entscheiden abhängig davon wo sich die wenigsten Teilnehmer melden. Sandra wollte die Führung in der die Dame in Rot mithoppelte, um nicht zu verpassen wenn selbige über ihre Schuhe stolperte. So landeten wir in der deutschen Gruppe.
Der Führer erlernte sein Deutsch in Bremen, wo er achtzehn Monate Au-pair-Mädchen war. Eigentlich war er schon männlich, aber um es mal so auszudrücken, wenn er die Wahl hätte, würde er zumindest mal drüber nachdenken.
So gingen wir an beeindruckenden Stalaktiten, Stalagmiten und Stalagnaten vorbei und achteten doch nur auf den Stelzengang der Lady in Red und amüsierten uns über die teils mehr, teil weniger wissenschaftlichen Ausführungen unserer Führers.
In Oudtshoorn hatten wir im Adley House gebucht, welches wir schon von einem früheren Besuch kannten. Eigentlich wollten wir auch wieder in dasselbe Lokal zum Abendessen gehen, nur war dies wie einige andere auch am Sonntag geschlossen. Das Alternativangebot war sehr gut aber nicht überragend. Wahrscheinlich werden wir uns später nur noch an die überdrehte Kellnerin, die nun wirklich über jede flache Bemerkung lachte erinnern.
Der Rückweg war dann wieder interessant. Wir gingen bei angenehmen Temperaturen in T-Shirt und Shorts durch das weihnachtlich geschmückte Oudtshoorn.
Auch die Route 62 befuhren wir nicht zum ersten Mal. Die Strecke von Oudtshoorn bis Worcester kannten wir schon und fuhren sie doch abermals. Wir hätten noch die Alternative über den Seweekspoort-Pass zur N1 gehabt, aber sehr kurzfristig - etwa 100 Meter vor dem entscheidenden Abzweig - entschieden wir uns dagegen. Wir hatten keine Lust auf etwa 100 Kilometer Schotterpiste.

Weinland

Auf die N1 trafen wir dann in Worcester. Wir verließen sie aber bald wieder um über den DuToits-Pass zu fahren von dem wir einen herrlichen Blick auf Paarl und Wellington hatten. Dort wollten wir dann auch hin. Als einen weitern kleinen Höhenpunkt hatten wir uns einen Aufenthalt auf einem Weingut gedacht. Nach einiger Recherche im Internet und einigen Mails entschieden wir uns für Hildenbrands Estade. Es ist in Besitz einer ausgewanderten Deutschen. Wir hofften auf eine nette Unterkunft, eine Kellertour mit Weinverkostung und ein Abendessen. Auch dieses geplante Programm war ein Grund für uns, auf dem Weg dorthin keine Experimente zu veranstalten um rechtzeitig zu erscheinen um genügend Zeit zu haben. So trafen wir froher Erwartung dort ein und suchten die Rezeption auf. Wir wurden gleich deutsch empfangen. Und damit war nicht nur die Sprache gemeint. Hier wurde uns die großartige Gastfreundschaft der Südafrikaner so richtig bewusst. Denn hier wurden wir nüchtern deutsch begrüßt. Fast kam es uns so vor, als habe Frau Hildenbrand an dem Tag so recht gar keine Lust auf Gäste gehabt. Sie war sehr kurz angebunden, erklärte uns das nötigste und auf die Frage nach Kellertour oder Weinverkostung kam nur ein "Ja, ja können wir auch noch machen" was ehr' klang wie "Lasst mich in Ruhe!".
Dabei war das Weingut sehr schön angelegt, die Zimmer groß und mit viel Liebe eingerichtet und das ganze Ambiente hatte etwas von Ferien auf dem Bauernhof. Um nicht noch in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten, beschlossen wir den Rest des Tages am sehr schönen Pool zu verbringen, wo wir bei Temperaturen jenseits der dreißig Gradmarke Erfrischung und darüber hinaus einen herrlichen Blick über die Weinstöcke nach Wellington hatten.
Etwas später, als die Temperaturen es zuließen sich wieder außerhalb der Schattenbereiche aufzuhalten, entscheid ich mich einen Rundgand durch das Weingut zu unternehmen. Dabei traf ich auf die Besitzerin, die mit ihren fünf Hunden ebenfalls unterwegs war. Sie wechselte tatsächlich ein paar Worte mit mir, schien aber immer noch nicht sehr interessiert an Gästen zu sein.
Das Abendessen im eigenen Restaurant war exklusiv für Übernachtungsgäste. Derer waren wir vier. Die anderen zwei waren ein Ehepaar aus - wie könnte es anders sein - Deutschland. Das Essen und der eigene Wein waren vorzüglich. Wir saßen bis spät in der Nacht draußen und unterhielten uns. Jetzt war die Stimmung richtig gut bei allen Beteiligten. Der Lebenspartner von Frau Hildebrandt und die Frau von dem anderen deutschen Paar wussten einiges zu erzählen.
Auch das Frühstück am nächsten Morgen knüpfte an die Erwartungen an. Wir saßen im Freien bei herrlichem Wetter und bekamen neben dem üblichen englischen Frühstück mit Ei und Speck auch eine Aufschnittplatte und sogar Schwarzbrot aufgetischt. Wir kauften noch Wein, da wir durch das abendliche Essen doch noch zu unserer Weinprobe kamen und aufs positivste überrascht wurden.
Letztendlich können wir das Weingut doch empfehlen und würden auch selber abermals hinfahren. Wahrscheinlich hatte die Besitzerin nur einen schlechten Tag, wie wir ihn alle mal haben.
Auch wenn sich dieser Reisebericht wie für ein Automagazin geschrieben liest, möchte ich eine weitere herrliche Passtrasse nicht unerwähnt lassen. Über der Bains Kloof Pass, der abermals atemberaubende Ausblicke auf das Weinland bot, gelangten wir nach Tulbagh. Dort wollten wir uns das von diversen Reiseführern erwähnte historische Zentrum anschauen. Eine andere Begegnung sei hier aber am Rande noch erwähnt. Auf Grund nicht ganz genauer Karten verfuhren wir uns etwas. Wir hielten am Straßenrand und studierten noch mal das Kartenmaterial, als es plötzlich an der Scheibe klopfte. Eine Anwohnerin hatte hinter uns gehalten und war zu uns gekommen um uns zu fragen, ob wir Hilfe benötigten. Da waren wir wieder im gastfreundlichen Südafrika. Wir überlegten, ob so was auch in Deutschland passieren könnte. Vielleicht, aber in Südafrika ist es normal, in Deutschland wohl eher eine Ausnahme.
Ein Weingut mit deutschem Namen, dessen Wein wir auch schon zu schätzen gelernt hatten wollten wir besuchen: Allesverloren. So gut der Wein auch ist, so enttäuschend ist der Besuch ohne Voranmeldung. Es gibt ein nichts sagendes Verkaufshäuschen, wo auch die Verkostung durchgeführt wurde. Das Gut selbst konnten wir nicht besichtigen. Ein Port fand aber doch den Weg in meine Tasche.
So machten wir uns auf den Weg nach Kapstadt mit einem Zwischenstopp in Century City. Dies war ein riesiger Einkaufskomplex, der zwar schon gigantische Ausmaße hatte, aber immer noch lange nicht fertig gestellt war. Trotz seines scheinbaren Überangebotes, fanden wir für uns nichts Interessantes. Dies entdecken wir dafür etwas später an bekannter Stelle, an der Waterfront in Kapstadt.
Nach unserem Einkaufsbummel fuhren wir dann zu unserer Stammunterkunft Helderbos nach Somerset West, wo wir die letzten zwei Tage verbringen wollten.
Das Abendessen nahmen wir in unserem Stammlokal Bobby McGees ein, wo uns die Kellnerin wieder erkannte und sogar noch wusste, was wir zwei Wochen zuvor gegessen hatten.
Die letzen beiden Tage hatten wir nur noch für das Besichtigen von diversen Weingütern vorgesehen, was wir auch taten. Ein Besuch im Kirstenbosch Botanischen Garten war aber auch noch im Programm. Danach fuhren wir zum ältesten Weingut Südafrikas. 1682 wurde Steenberg Estate auf der Kaphalbinsel von einer Lübeckerin gegründet. Die Anlage war sehr schön gestaltet und es war sehr, sehr, sehr, sehr windig. Sogar die Ibisse, die sich dort aufhielten hatten immense Schwierigkeiten, einen korrekten Landeanflug hinzubekommen. Sie wirbelten durch die Luft und überschlugen sich fast bei ihren Korrekturversuchen.
Kurz vor Stellenbosch lag das Weingut Meerlust. Die Weine zählen zu den besten und teuersten Südafrikas. Das Gut macht auch einen entsprechend guten Eindruck, als wir durch eine lange Palmenallee darauf zusteuerten. Aber dann war es auch schon vorbei mit der Herrlichkeit. Es wurden keinerlei Weinproben angeboten und es war nur möglich größere Mengen von mindestens 6 Flaschen zu kaufen.
Da sah es bei Amani schon ganz anders aus. Dieses Weingut hob sich auch insofern von den anderen Gütern ab, da es nicht in dem üblichen kapholländischen Stil erbaut wurde, sondern versuchte eine afrikanische Note zu setzen. Dies war auch sehr gut gelungen, genauso wie der Wein.
Das letzte Gut, das wir besichtigten war Neil Ellis. Es war sehr schön gelegen und auch prächtig ausgebaut, mit großem Teich und einer schwimmenden Plattform mit Holzhäuschen auf demselben. Nur der Wein ließ hier zu wünschen übrig. Besonders der Rotwein erfüllte keine unserer Erwartungen.
Zurück in Helderbos erfuhren wir dann von Nonnie und Peet noch zu allen Weingütern, die wir besichtigt hatten die dazugehörigen Geschichtchen und Gerüchte.
Das Abendessen nahmen wir in Stefanies ein. Das Restaurant bot neben wirklich vorzüglicher Küche auch einen einmaligen Blick auf die False Bay von seiner Terrasse aus. Interessant war für uns auch, das in dem vollem Restaurant an nur zwei Tischen Englisch oder Afrikaans gesprochen wurde. Es schien, als sei Somerset West fest in deutscher Hand. Die Kellner bestätigten uns, dass hier überwiegend deutschsprachige Gäste kämen, seien es nun Touristen oder Leute aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Namibia, die hier einen Zweit- oder Alterswohnsitz hätten.
Als wir wieder zurück waren, fing uns Nonnie gleich ab und fuhr mit uns zum Weihnachtsmarkt. Den sollten wir uns unbedingt mal anschauen. Und es war für uns in der Tat beeindruckend zu sehen, wie so ein typischer südafrikanischer Weihnachtsmarkt aussieht. Eigentlich genauso wie in Deutschland. Überall waren Weihnachtsdekorationen, Leuchtschmuck und viele Verkaufsstände. Nur hier liefen die Leute in T-Shirts und kurzen Hosen rum und an den Ständen wurde vor allem viel gegrillt.
Der Urlaub kann auch noch so lang sein, der letzte Tag ist in jedem Fall viel zu schnell da. Wir hatten geplant unseren Abflugtag im nach unserer Meinung nach schönsten Weingut zu verbringen: Vergelegen. Es war mittlerweile mein vierter Besuch dort und ich finde es immer wieder besuchenswert. Auch diesmal entdeckten wir etwas neues: das Picknickgebiet. Es lag traumhaft in einem kleinen Wäldchen unter Schatten spendenden Bäumen. Wir waren sofort fasziniert und versuchten, noch einen Tisch zu reservieren, was uns auch noch gelang. Normalerweise wird dies einen Tag im Voraus gebucht, aber sie hatten wohl noch einen Picknickkorb für zwei Personen übrig. So spazierten wir noch etwas durch die Anlage und relaxten auf der Liegewiese. Die Temperaturen bewegten sich wieder um die 30 Gradmarke und von Wolken war keine Spur.
Das Picknick verlief ähnlich wie knapp zwei Wochen zuvor in Boschendal nur war hier alles eine Klasse besser. Wir wurden von einem Kellner zum Tisch geführt. Er trug auch den Korb und den Wein hin und erklärte uns die einzelnen Speisen und die Reihenfolge. Das Essen war eine Spur besser und das Ambiente traumhaft. Selbst als sich immer mehr Gäste einfanden, saßen wir doch für uns, so dass wir selbst bei Hochbetrieb das Gefühl hatten allein im Wald zu sein. Trotz der relativ weiten Abstände voneinander war der Kontakt zu den Kellnern gegeben und sie kümmerten sich rührend um jeden Gast. Dies war ein würdiger Abschluss eines wieder mal wunderbaren Südafrikaurlaubs.
Auf dem Weg zum Flughafen konnten wir noch in Helderbos duschen und uns von Nonnie und Peet verabschieden. Das Flugzeug war leider komplett ausgebucht, so dass wir nicht einmal nebeneinander sitzen konnten. Dazu kam noch eine Gruppe irischer Handwerker. Sie hatten in Kapstadt unentgeltlich in einem Township Häuser gebaut und waren nun auf dem Heimweg. Da war Stimmung an Bord. Aber das war nicht der einzige Grund, der mich vom Schlafen abhielt. Die Video Entertainment Anlage mit einer Auswahl aus über fünfzig Filmen in bis zu acht Sprachen musste ich genauestens ausprobieren. So war ich zehntausend Meter über der Erde auf der Suche nach einem Fisch namens Nemo.

Epilog

Zwei Wochen Südafrika kann ich Wiederholungstätern wie auch Südafrikaneulingen empfehlen. Vielleicht war unser Programm schon etwas zu straff. In der einen oder anderen Ecke hätten wir es schon etwas länger aushalten können. Wir trafen unterwegs Reisende die sich für dasselbe Gebiet fünf Wochen Zeit gelassen hatten. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Südafrika nicht mehr nur das Ziel für den großen besonderen Urlaub ist, sondern auch für zwei Wochen Resturlaub zu empfehlen ist.
Als besonderes Highlight möchte ich Oulap nochmals erwähnen. Aber auch Chrislin B&B hat uns über alle Maßen gefallen und dass obwohl wir schon eine hohe Erwartungshaltung an Südafrika hatten. Aber auch dieses Mal hat dieses Land und seine Bewohner alle unsere Erwartungen erfüllt und teilweise übertroffen. Wir sahen viele positive Veränderungen und stellten immer wieder fest, dass Südafrika von immer mehr Deutschen entdeckt wird. Fast überall wird deutsch gesprochen.
Das Schlimmste an der Sucht Südafrika ist immer die Zeit zwischen den Reisen. Aber ich denke, dass auch diesmal nicht viel mehr als ein Jahr dazwischen liegen wird.