Zwei Wochen Afrika und eine Woche keine Einsamkeit

oder: Richtiger Strand am falschen Meer im warmen Herz Afrikas

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Malawi See

Mua Mission war ein Zwischenstopp, den Charles noch nicht einmal so richtig kannte. Wir hatten den Tipp von der malawischen Familie vom Vorabend und es war wert dort anzuhalten. Die Kirche der Mission war mit der Geschichte Malawis bemalt wurden und so ein sehr sehenswertes und farbenprächtiges Gotteshaus. Außerdem gab es noch einen großen Souvenirmarkt auf dem vor allem viele Holzschnitzereien angeboten worden. Gebhard kaufte sich unter anderem ein Buch dessen Papier aus Elefantendung hergestellt wurde. Das machte natürlich das Tor für den Kalauer des Tages ganz weit auf und ich zögerte keine Minute: „Du kaufst auch jeden Scheiß, was?“.
Die Safari Lodge in Senga Bay direkt am Ufer des Malawi Sees war unser Heim für die nächsten zwei Tage. Die Lodge bestand aus einem Haupthaus mit Rezeption und Restaurant und Zelten mit Wahnsinnsblick auf den See. Die Zelte boten allen notwendigen Luxus und von der Veranda hatten wir ein tolles Panorama. So bereitete es uns kein Problem nach einem kleinen Mahl den Rest des Tages einfach durch Nichtstun und genießen zu verbringen.
Für den nächsten Morgen hatten wir eine Bootsfahrt zu Lizard Island gebucht. Wir wurden pünktlich am Strand abgeholt und fuhren an unseren Zelten vorbei. Vom Wasser aus gesehen boten sie fast einen ebenso tollen Anblick wie von ihnen auf den See. An der Insel angekommen machten wir als erstes eine Rundfahrt um die selbige, bei der wir schon die ersten Warane entdeckten, die der Insel den Namen gaben. Nachdem wir angelegt hatten begaben wir uns auf einen Inselrundgang, der es in sich hatte. Wir mussten durch uns teilweise dichtes Gebüsch und unwegsames Gelände bei immer wärmer werdenden Temperaturen kämpfen, wurden aber durch tolle Ausblicke und Vogelbeobachtungen entschädigt.
Dann ging es endlich ins Wasser. Mit Schnorchelausrüstung bewaffnet tauchten wir ein in den Traum eines jeden Süßwasseraquarianers. Wir dümpelten einige Zeit im etwa dreißig Grad warmem Wasser herum und sahen viele bunte Fische die im anscheinend pflanzenlosen See gut auszumachen waren. Es war fast so toll wie in den Korallenriffs der Karibik oder des Pazifiks, nur ohne Korallen und ohne Salz im Wasser. Letzteres war natürlich ein dicker Pluspunkt für den Malawi See. Ein weiterer war, dass es hier keinen starken Seegang oder Störungen gab, geschweige denn Gefahren wie Haie oder plötzlich auftauchende Touristenboote. Nein - hier waren wir sicher und konnten uns ganz auf die Schönheit der Fische konzentrieren.
Nachdem wir wieder zurück waren, nahmen wir unser Mittag am Strand ein und dösten noch ein wenig in der Sonne, bevor wir uns hinlegten. Ja so muss Urlaub sein.
Nach dem Abendessen bot sich uns von unseren Zelt-Verandas ein beeindruckendes Bild. Im Schein des Vollmondes konnten wir den bei Nacht auf den See hinausgefahrenen Fischerboote bei ihrer Arbeit zusehen. Es war ein beeindruckendes Bild. Die große weiße Mondscheibe am Firmament und die vielen kleinen Lichter auf dem See im Schein derselben. Wann bieten sich schon solche Motive, wo trotz eines Farbfilmes nur Schwarzweißbilder entstehen? Eine tolle Nacht.
Es folgte ein toller Morgen. Da soll mal noch jemand von afrikanischen Zuständen sprechen. Wir schafften es an einem Sonntag in einer eigentlich geschlossenen Post Briefmarken zu kaufen. Das nenne ich Flexibilität. Allerdings wunderte es mich schon, warum an einem Sonntag überhaupt jemand in einem Postbüro war. Aber nicht lange.
Pünktlich zur Mittagszeit kamen wir an unserem nächsten Ziel an, der Makuzi Lodge. Das war eine Lodge mit Privatstrand am See. Wir hatten gar nicht so kleine Cottages, die ebenfalls direkt am Strand waren. Das erste was wir taten war ein Sprung in den See. Es war ein Gefühl wie am Meer, Sandstrand, Wasser bis zum Horizont, Wellen, badewannenwarmes Wasser. Nur das beste war, es war Süßwasser.
Nachdem wir eine leichte Mahlzeit verdrückt hatten, und alle unseren mittlerweile geliebten Mittagsschlaf hinter uns hatten, zogen wir wieder mit Schnorchel, Brille und Flossen in den See. War das Wasser als wir ankamen noch zu bewegt zum Schnorcheln, hatte es sich nun spürbar beruhigt und wir konnten in aller Ruhe die farbenfrohe Unterwasserwelt genießen. Dies taten wir auch sehr ausgiebig, denn die Wassertemperatur ließ lange Aufenthalte im See ohne Frösteln zu.
Der Rest des Tages plätscherte dahin, wie es ein schöner Urlaubstag so tut. Kaffee an der Strandbar, ein Spaziergang mit dem Hotelhund in die nähere Umgebung zum Sonnenuntergang und Souvenirkauf bei einem lokalen Händler. Das Abendessen im Freien vor toller Kulisse bildete fast den Abschluss eines schönen Tages. Ja, nur fast. Die anderen drei begaben sich in ihre Strandhäuschen, während ich mir noch einen Scotch gönnte und mich zu den restlichen drei Gästen, die noch in der Anlage weilten gesellte und mit ihnen ins Gespräch kam. Es handelte sich um ein US-amerikanisches Pärchen und eine Britin. Das Pärchen arbeitete in der Botschaft und die Frau in einer Hilfsorganisation. Es war wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl und so war dies eines der Hauptgesprächsthemen. Ich verkniff mir allerdings meine Kommentare und Meinung zu Mr. Bush, da die beiden Amerikaner recht patriotisch wirkten. Allerdings als sie sich etwas echauffierten über den Einsatz internationaler Wahlbeobachter konnte ich doch nicht umhin um den Kommentar: „ Wenn nicht bei Euch, wo sonst?“. Sie nahmen es sportlich, immerhin fiel ihnen Florida 2000 wieder ein.
Die Britin las gerade 'The Long Walk to Freedom', die Autobiographie von Nelson Mandela. Auch hier konnte ich mich nicht bremsen und verplapperte wie das Buch ausgeht: „Er wird Präsident!“. Alles in allem hatten wir einen schönen Abend zu viert, mit guter Konversation, gutem Whisky und einem tollen Blick auf den nächtlichen See.
Am nächsten Morgen wollte ich unbedingt den Sonnenaufgang über den Malawisee fotografieren. Ich hatte mir den Wecker gestellt, wachte aber schon von selbst vorher auf und sprang froher Erwartungen vor mein Cottage an den Strand. Leider waren Wolken am Horizont und die Sonne musste sich erst über selbige quälen, ehe ihre Strahlen auf mein Objektiv trafen. Ein paar interessante Fotos entstanden trotzdem, auch weil ich mich dann auf die am Strand herumlaufenden Hammerköpfe konzentrierte, die schon auf der Suche nach ihrem Frühstück waren. Richtig Frühstück, da war doch was.

Nyika

Nachdem Frühstück folgte der Aufbruch und eine neue Herausforderung für uns. Wir hatten es am Vortag geschafft, Briefmarken zu erwerben, die für die Luftbeförderung von Postkarten gedacht waren. Nun fehlten uns immer noch die dazugehörigen Postkarten. Während in anderen Ländern, die ich zuvor besucht hatte, der Ansichtskartenkauf immer mal so nebenbei an einem beliebigen Souvenirshop erfolgte, stellte uns Malawi auf eine harte Probe. Wir hatten noch nirgends Postkarten gesehen. Ein Versuch war nun in einem wenige Kilometer entfernt gelegenen Hotel einige zu erwerben. Und tatsächlich, sie hatten welche. Wir konnten sogar aus mehreren Motiven auswählen. Sie zeigten afrikanische Tiere, Menschen auf Märkten oder ähnliches, was in jedem anderen zentralafrikanischem Land hätte aufgenommen sein können. Nicht einmal eine Unterschrift wie 'Greetings from Malawi' oder 'Lilongwe bei Nacht' war auf den Karten. Ich hoffte, dass meine Adressaten auf der Rückseite das Kleingedruckte lesen würde, denn nur dort stand ein Hinweis, dass diese Motive auch tatsächlich aus dem schmalen Land im Herzen Afrikas stammten. Ansonsten hätten sie sicher gedacht, ich hätte die Karten bereits in Deutschland gekauft und nur dort abgesendet.
Den nächsten Zwischenstopp machten wir Rumphi um zu Tanken, etwas einzukaufen, Einheimische zu fotografieren und uns von der Teerstraße zu verabschieden. Ab jetzt hieß es Staubschlucken. Unser Ziel war der Nyika Nationalpark. Von dessen Eingang bis zu unserer Lodge waren es sechzig Kilometer. Der Nyika Park bot ein Kontrastprogramm zu den vorherigen Tagen. Wir befanden uns auf etwa zweieinhalbtausend Metern Höhe und fuhren durch Landschaften, die an europäische Verhältnisse erinnerten, weit, hügelig, voller Gras und teilweise bewaldet. Auch die Temperaturen lagen so um die zwanzig Grad und das Klima war angenehm bis frisch.
An der Lodge trafen wir auf eine Motorradgruppe, die zum Großteil aus Sachsen bestand. Sie waren mit einem Deutschen, der seit Jahren in Lusaka lebt von Tansania nach Sambia unterwegs.
Ein leichtes Mittagsmahl und ein paar Gespräche später mache ich mich auf den Weg, die nähere Umgebung zu erkunden. Auf meinem Weg traf ich auf einen Schirrantilopen-Bock, den ich im Windschatten einige Zeit unbemerkt folgen konnte und fotografierte.
Der Rest des Tages bestand nur noch aus Nachmittagstee, Relaxen und dem Schreiben der heiß erkämpften Postkarten. Das Abendessen erfolgte im Haupthaus vor einem wärmenden Kamin. Die Nacht war wirklich schon ziemlich kalt. Die Temperaturen fielen in den einstelligen Bereich.
Auch im Nyika Park gab es einen Morning Drive, eine Pirschfahrt kurz nach Sonnenaufgang. Allerdings sahen wir nicht allzu viel. Nun, Elefanten und Giraffen durften wir hier nicht erwarten, das war uns klar. Aber es sollte hier einige Leoparden geben. Wir hatten Charles sechs Kuche Kuche versprochen, wenn er uns in Malawi einen Leoparden zeigte. Uns liefen aber nur Schirr- und Pferdeantilopen über den Weg. Der einzige Höhepunkt war das gemeinsame Heranschleichen an eine Zebraherde.
Das Wetter passte sich nun auch europäischen Verhältnissen an. Ein moderater Sprühregen hatte eingesetzt und hielt sich den Rest des Tages. Auf der nachmittäglichen Pirschfahrt sahen wir abermals nur die üblichen Verdächtigen, Antilopen und Zebras. Kurz vor Schluss sprang uns allerdings noch Serval über den Weg, der zwar zu weit und schnell für unsere Fototechnik war, aber so hatten wir noch ein Highlight mit dem wir auch noch etwas Eindruck schinden konnten. Fragte sich nur bei wem. Wir waren die einzigen Gäste der Lodge, so schien es uns.
Aber Rettung nahte am Abend. Wir hatten eine Nachtfahrt gebucht und der Fahrer war sichtlich beeindruckt von unserer Sichtung. Leider machte er uns auch nicht viel Hoffnung indem er meinte, dass er in den Jahren, die er hier war erst wenige Male einen Leoparden zu Gesicht bekommen hatte und dann auch noch meistens am Tage. Ein junger Südafrikaner deutscher Abstammung stieg noch als Leuchter hinzu und unterhielt sich mit uns in akzentfreiem Deutsch. Die Pirsch war gut auf die Bedingungen vorbereitet. Es lagen dicke Wollponchos bereit, die wir auch bald überzogen, da es um fünf Grad kalt war. An Tieren liefen uns nur die bereits bekannten Antilopen über den Weg. Dann entdeckten aber drei Hyänen, die auf Grund der kalten Nächte in der Gegend ein dickes, aufgeplustertes Fell hatten und damit fast ein wenig drollig aussahen.
Durchgefroren erwärmten wir uns beim Abendessen am Kamin und stellten fest, dass doch einige Gäste mehr in der Lodge angekommen waren.

Viphya Plateau

Der Tag war mehr oder weniger als Reisetag gedacht. Unser letztes Ziel, der South Luangwa Park in Sambia war zwei Tagesetappen weit entfernt. So war ein Zwischenstopp auf dem Viphya Plateau in der Luwawa Forest Lodge geplant. Den langen Weg dorthin unterbrachen wir allerdings häufig. Zunächst waren da einige Fotostopps im Nyika Park. Ich war verantwortlich, auf meiner Seite nach roten Blumen Ausblick zu halten, die anscheinend die Angewohnheit hatten, nach einem Brand zu blühen. Jedenfalls entdeckten wir sie nur auf abgebrannten Flächen wie sie aus in der Erde steckenden Zwiebeln blühten. Sie waren etwa zwanzig Zentimeter hoch und auf ihrem schwarzen Untergrund eigentlich leicht zu entdecken. Und so fiel es mir nicht schwer die mir zugedachte Aufgabe zur Zufriedenheit aller zu erfüllen.
Der nächste längere Halt war in einem Dorf, welches wir spontan besichtigten und dort zum Ereignis des Tages avancierten. Die Bewohner waren ausgesprochen freundlich, zeigten uns alles. Nur ein paar Kleinkinder hatten offensichtlich Angst vor weißen Menschen und flüchteten vor uns. Wahrscheinlich hatten sie noch nie Hellhäutige gesehen. Als im Nachbardorf die Schule aus war und die Kinder nach Hause gingen, waren wir schell umringt von einer riesigen Menschenmenge. Wir verteilten mitgebrachte Schreibutensilien wie Kugelschreiber und Hefte. Allerdings hatten wir längst nicht genug für alle und etliche Kinder sahen uns nun mit großen Augen an und konnten nicht verstehen, warum sie nichts abbekommen hatten. Ich hatte mich für eine andere Taktik des Dankes für Fotos entscheiden und zeigte denen die ich fotografiert hatte umgehend die Bilder an meiner Kamera. Da gab es meist immer ein großes Gejohle und jeder wollte mal auf ein Bild und es gleich sehen. Ob das die bessere Methode war, weiß ich nicht. Die anderen drei tauschten noch Adressen aus und versprachen ein Paket mit Fotos und Kleinigkeiten zu schicken.
Zwei Marktstopps in Rumphi und Mzuzu folgten noch, bis wir in ein großes Waldgebiet einfuhren und in der Luwawa Forest Lodge ankamen, die idyllisch in der Nähe eines Waldsees lang und sich landschaftlich so auch an der mecklenburgischen Seenplatte hätte befinden können. Die Lodge war sehr komfortabel und wir hatten jeder Suiten, in denen bis zu sechs Personen hätten übernachten können. Jede hatte eine eigene große Terrasse und bestand aus zwei Zimmern.
Der Haushund freute sich sehr über uns, denn wir waren die einzigen Gäste und so hoffte er, dass sich jemand mit ihm beschäftigte und einen Spaziergang machte. Die Aufgabe übernahm ich gern nach einer leichten Mahlzeit. Als Gegenleistung bewachte er mich als ich auf meiner Terrasse las.

South Luangwa

Am nächsten Morgen hieß es zunächst 'Hit the road'. Wir hatten einige Kilometer vor uns. Nachdem wir tapfer allen Pisten getrotzt hatten, ereilte uns auf einer gut ausgebauten Teerstraße das Pannenpech. Plötzlich zog der Wagen zu einer Seite rüber und wir hatten einen Plattfuß. Also, alle raus und zusehen, wie Charles das Rad wechselt. Nebenbei schauten wir uns die Qualität der restlichen Reifen an. Sie war okay. Auf dem geplatzten Reifen war allerdings schon kein Profil mehr zu erkennen und der Ersatzreifen sah auch nicht besser aus. In Mchinji, einer malawischen Grenzstadt zu Sambia, durch wir kommen sollten, wollte Charles allerdings das Rad reparieren lassen. Wir hofften er hatte sich nur falsch ausgedrückt und meinte wechseln.
Er hatte nicht. Tatsächlich steuerte er auf eine Werkstatt zu, die eigentlich nur aus ein paar Leuten bestand, die am Straßenrand saßen und mit allerlei Werkzeug alte Reifen flickten. Und die machten sich auch gleich an unserem Slick zu schaffen. Nun wir hatten alles versucht Charles von einem Neukauf zu überzeugen, aber er ließ sich nicht beirren. Als der Reifen geflickt war, deutete Charles, dass wir schon wieder einsteigen könnten, der Reifen sollte nur noch aufgepumpt und ins Auto gelegt werden. Da saßen wir also im Wagen in der Mittagshitze, dösten vor uns hin und warteten auf die Abfahrt mit einem Ersatzrad, welches im Notfall nicht viel Hoffnung versprach.
Plötzlich zerriss eine gewaltige Detonation die afrikanische Stille. Die Leute zuckten erschreckt zusammen, Kinder schrieen und Hunde bellten. Was war passiert? Ein Anschlag? Eine Bombe? Ein Attentäter? Alles zusammen? Es war unser designiertes Ersatzrad welches geplatzt war. Ein langer Riss an der Radseite war zu sehen und hatte das Teil nun endgültig in den Pneu-Himmel geschickt. Wir neunmalklugen Europäer hatten recht behalten mit unserer Einschätzung. Also doch ein neues Rad oder ohne Ersatzrad nach Sambia auf unbefestigte Straßen? Charles entschied sich für das letztere und so fuhren wir mit ungutem Gefühl nach Sambia.
Der Grenzübertritt war relativ komplikationslos. Der für Gesundheit zuständige Beamte wollte Gelbfieberimpfnachweise sehen, die für Sambia nicht notwendig sind. Nach einem kurzen Palaver und ohne Geldwechsel ließ er uns trotzdem passieren. Wir konnten auch in den Faxen von den sambischen Lodges unsere Reservierungen entdecken und mussten somit keine Visa-Gebühr entrichten. Allerdings erfolgte wenige Kilometer nach der Grenze eine Verkehrskontrolle und wir unkten schon, dass sie sicher ein funktionstüchtiges Ersatzrad sehen wollen, aber nach der Fahrzeugpapierkontrolle winkten sie uns durch.
Wir erreichten Chipata, eine größere Stadt in Sambia mit etwa 350 000 Einwohner. Dort trafen wir plötzlich wieder auf eine Art uns bekannte Zivilisation. Uns fielen Straßenlaternen, Ampeln und Frauen in Hosen auf. Derlei hatten wir in den malawischen Orten nicht gesehen. Aber auch nicht vermisst. Immerhin wollten wir ja das ursprüngliche Afrika sehen.
Und das wartete auch gleich auf uns in Form der nächsten hundert Kilometer schlimmster Piste. Anders als in Malawi war die Anzahl der Dörfer auf dem Weg weitaus geringer. Sambia ist längst nicht so dicht bevölkert.
Einige Stunden später erreichen wir das Paradies, die Kapani Safari Lodge. Wir wurden freundlichst begrüßt und zu unseren luxuriösen Lodges mit allem erdenklichen Komfort gebracht. Das Tüpfelchen auf dem I war der Ausblick, der über eine Lagune, in der sich Tiere tummeln erstreckt. Wir machten uns kurz frisch und fanden uns alsbald bei Kaffee, Tee und leckeren selbst gebackenen Kuchen wieder um uns für unsere erste Pirschfahrt zu treffen.
Über eine Brücke über den Luangwa fuhren wir in den gleichnamigen Park. Im Fluss lagen jede Menge Flusspferde und auch einige Krokodile am Ufer konnten wir entdecken. Auf der weiteren Fahrt folgten Elefanten, Zebras, Antilopen, Wasserböcke und noch viele andere Tiere. Den Sundowner nahmen wir am Fluss, der wie gewohnt mit Hippos gefüllt war. Der Jeep hatte eine kleine Bar im Heck, die gut sortiert war. Neben alkoholfreien Getränken, Bier und Snacks war auch Scotch, Gin und Wodka für Mixgetränke vorhanden. Bei Bier und Gin Tonic genossen wir das Hereinbrechen der lauen afrikanischen Nacht. Es schloss sich eine Nachtpirsch an auf der wir eine Elefantenspitzmaus, eine Zibetkatze, Hyänen und etliche grasende Flusspferde sahen.
Im Camp wartete das Abendessen unter freiem Himmel auf uns mit Suppe, Hauptgang, Dessert, Kaffee und Rotwein – ein afrikanischer Traum.
Aufstehen zum Sonnenaufgang, Kaffee und Tee vom Lagerfeuer dazu Toast, Obst, Saft, Blick auf die afrikanische Wildnis: „Come to where the flavour is, come to smoke free country!“. Ja es war wie in der Kinowerbung, nur ohne lästigen Zigarettenqualm. Wahrscheinlich können sich Raucher solch einen Urlaub nicht leisten.
Der erste Teil unserer Morgenpirsch brachte viele bekannte Tiere. Die Teepause machten wir an einem mit Wasserhyazinthen zugewachsenen Teich, der kleine aber mit ebenso fotografierenswerten Tiere aufwartete. Jede Menge Schmetterlinge bildeten einen kleinen flirrenden Teppich auf den Pflanzen und wir gingen hin, um sie abzulichten. Dann wandten wir uns wieder unserem Morgentee oder -kaffee zu, als plötzlich aus dem Dickicht eine kleine Elefantenherde kam und sich zu uns gesellte. So standen wir auf der einen Teichseite an unserem Auto und tranken koffeinhaltige Heißgetränke und wenige Meter entfernt auf der anderen Teichseite, wo wir vor wenigen Augenblicken noch das Flattermeer der Schmetterlinge bestaunten, standen sechs graue Rüsseltiere und tranken ebenfalls. Ein Safarierlebnis wie aus einem Werbeprospekt.
Der Rest der Pirsch war dann nicht mehr so ergiebig aber wir fuhren doch sehr zufrieden mit dem Vormittag zurück in die Lodge, wo uns schon ein Brunch erwartete. Dieser Brunch hatte schon die Ausmaße eines Mittagsbuffets. Es gab sogar richtige Bouletten. Das was es aber ausmachte war der Standort oder neudeutsch: die Location. Es wurde auf einer Plattform an der Lagune serviert. So hatten wir beim Essen einen herrlichen Blick auf die Lagune und die sich dort befindenden Tiere. Es ist schwer zu beschreiben in welch exklusiver Umgebung mit welch ansprechendem Ambiente hier gearbeitete wurde, um die Gäste zu verwöhnen. Darum werde ich es auch gar nicht erst versuchen.
Es wurde sehr heiß und ich müde. Das frühe Aufstehen und das Essen forderten ihren Tribut. Das erste Bier spielte vielleicht auch eine kleine Rolle. Also hieß es Siesta. Dazu legte ich mich nicht einfach in das mittlerweile schon gemachte Bett. Nein, ich hatte ja noch eine Couch in meiner Suite. Und die war direkt am glaslosen, mit Gaze bespannten Fenster, so dass ich auch bei mittlerweile fast vierzig Grad eine leicht Brise hatte, die mich in süße Träume schickte. Na, neidisch? Es wird noch besser. Als ich aufwachte nahm ich mir meine Badesachen und sprang in den Pool. Ich weiß gar nicht ob ich noch schreiben sollte, dass es dann wieder äußerst leckeren Kuchen zum Kaffee und Tee gab, bevor es zur nachmittäglichen Pirschfahrt ging. Aber so war es. Das war wirklich Luxus. Wahrscheinlich auch dekadent. Egal, ich genoss jede Minute dort.
Um die Krönung des hellen Teils der Pirsch gleich vorwegzunehmen, es war der Sonnenuntergang über dem Fluss an dem sich eine große Elefantenherde einfand. Das war Timing. Mit den Elefanten hatten wir an dem Tag einfach ein gutes Händchen. Beim abendlichen Gin Tonic konnten wir in der Ferne eine Löwin erkennen. Auf der Nachtfahrt spürten wir sie dann gemeinsam mit anderen Jeeps auf. Sie hatte noch ein Junges dabei und verschwand dann bald aus dem Schein unserer Suchscheinwerfer.
Der Höhepunkt des Tages war dann aber endlich der so lange ersehnte Leopard. Leider konnten wir ihn auch nur im Schein der Lampen beobachten und es war schwierig ihn bei diesen Bedingungen auf Zelluloid und CMOS zu verewigen. Trotzdem fuhren wir sehr befriedigt mit dem Tag zurück ins Camp, wo uns ein Barbecue mit selbst gebackenen Knoblauchbrot erwartete. Ein weiterer schöner Tag hatte seinen perfekten Ausklang gefunden.
Wenn jemanden ein solch imposantes Szenario wie dieses am Lagerfeuer sitzend, Kaffee trinkend, Toast mit Marmelade essend und auf den erwachenden afrikanischen Busch blickend erwartet, wer kann dann noch länger als bis halb sechs schlafen? Ich nicht. Ich war mittlerweile süchtig nach diesem Zeremoniell und wieder vor meinem Wecker wach.
Diesmal nahmen wir auf unserer Frühpirsch noch einen Ranger mit Gewehr mit. Der Grund war, dass wir eine Fusspirsch vor uns hatten. So stiegen wir bald aus dem Jeep und machten uns per pedes auf den Weg. Auf gefährliche Tiere trafen wir nicht. Dafür wurde uns jeder Scheiß erklärt. Und das im wörtlichen Sinne. Aus einem Haufen Exkremente lässt sich so einiges ablesen. War der Verursacher männlich oder weiblich? Was hatte er gegessen? Wo hatte er gegessen? Wann war er hier? Wann wird er wiederkommen? Bis auf die letzte Frage konnten die Ranger fast alles daraus lesen.
Wir erschreckten noch ein paar Antilopen, die sich auf ihrer Flucht mit tollen Actionmotiven bedankten.
Nach der Pirsch folgte der Brunch. Diesmal mit Fisch. Ich traf noch auf einen Südafrikaner, der in England lebte und mit seiner Freundin da war, die für BBC eine große Kamera durch das Camp schleppte und alles möglich filmte. Wir unterhielten uns recht angeregt. Selten hat mir ein Smalltalk so viel Spaß gemacht.
Die Stunden bis zu den Pfannkuchen zum Kaffee überbrückte ich mit einer ausgedehnten Siesta auf meiner luftigen Couch. Elefanten kamen in die Lagune zum Trinken.
Das Highlight der Nachmittagspirsch war eine Löwenfamilie bestehend aus drei Weibchen und zwei Jungtieren. Zur Feier des Tages orderte ich beim Sundowner einen Scotch. Auf der Nachtfahrt entdeckten wir ein Stachelschweinpärchen. So hatten wir einiges zu berichten, als wir wieder im Camp beim Abendessen saßen. Es war auch der letzte gemeinsame Abend für uns. Am nächsten Abend trennen sich unsere Wege schon.
Der letzte Tag begann wie die anderen auch. Kaffee und Tee wurden im Lagerfeuer heiß gemacht. Wir saßen in Stühlen mit Blick auf die Lagune. Auf einem großen Tisch war das Buffet angerichtet mit Wasser, Saft, Milch, Toast, verschiedene Sorten Marmelade, Cornflakes. In der Lagune jagten sich die Paviane. Ich hätte noch Tage hier aushalten können.
Wir machten noch eine letzte Pirsch, die allerdings nichts Erwähnenswertes brachte. Danach hieß es Abschiednehmen. Wir erhielten noch ein ausgiebiges Frühstück mit Ei und Speck und stiegen schweren Herzens wieder zu Charles in den Jeep wohl wissend um die Piste, die uns erwartete. Allerdings kam mir der Rückweg längst nicht so anstrengend wie der Hinweg vor. Wir hielten auch noch einem typisch sambischen Dorf, welches sich von einem typisch malawischen Dorf kaum unterschied.
Am Nachmittag trafen wir wieder in unserer bekanten Korea Garden Lodge ein. Sabine und Gebhard wollten gleich weiter zur Safari Lodge in Senga Bay, wo sie noch drei Tage bis zu ihrem Abflug verbringen sollten. Allerdings hatten wir alle noch genug Zeit um bei dem einen oder anderen Kuche Kuche Abschied zu nehmen.
Im Hotelzimmer danach zappte ich durch die Programme und informierte mich über die Geschehnisse der Welt, die mich in den letzten Tagen nicht tangierten. Ich erfuhr dass Bush Präsident blieb und dass Arafat nicht lebte, aber auch nicht tot war. Wo ging es hier wieder zurück in den Busch?
Das Abendessen nahm ich mit Irma zu zweit ein. Im nebenbei laufenden Fernseher konnten wir sehen, dass Südafrika gegen Wales knapp im Rugby gewann. Die Zivilisation hatte uns wieder.