Die ganze Welt in drei Wochen

oder: Was man auf einer Südafrikareise alles falsch machen soll

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Natal Drakensberge

Bei einem Abstecher ins Landesinnere bestätigte sich mal wieder, wie abwechslungsreich dieses Land war. Lagen wir vor wenigen Stunden noch beim Sonnenbaden am Indischen Ozean und schauten den Kunststücken der Surfer auf den 2 Meter hohen Wellen zu, fuhren wir jetzt entlang schneebedeckter Berge zum Royal Natal Park in den kwaZulu Drakensbergen. Dort befand sich Mont-aux-Source, eine bedeutende Wasserscheide. Hier entscheidet es sich, ob das Regenwasser den relativ kurzen Weg nach Süden zum Indischen Ozean nimmt oder über diverse Nebenflüsse in den Oranje gelangt, der dann nach Tausenden Kilometern an der Grenze zu Namibia in den Atlantischen Ozean fließt.
In der Nähe lag Hlalanati, unser Übernachtungs-Camp, was wir nach kurzem Üben auch korrekt aussprechen konnten und in dem wir in eine Unterkunft hatten, die Rondavels, den typischen afrikanischen Rundhütten, ähnelten.
Einen sehr eindrucksvollen Anblick bot das Amphitheater, eine Felsformation, die sich über 5 Kilometer entlang der Grenze zu Lesotho erstreckte. Diese und andere Landschaften wollten wir am besten auf dem Rücken eines Pferdes genießen. In der Nähe von Mont-aux-Source fanden wir eine Stable-Ranch, die 2-, 3-Stunden- und Tagesritte anbot, und mit einer Gegenstimme beschlossen wir einen Ausritt zu wagen. Der wurde auch für unseren ungeübten Reiter (Paul: "Wie bedient man denn so 'n Pferd?") zu einem Erlebnis und war absolut ungefährlich. Bequem auf einem Pferderücken sitzend, ist der Anblick dieser einmaligen Bergwelt noch großartiger. Unser Führer hieß Patrick und kam aus dem Nachbarort. Da er und Anke die besseren Reiter waren, ritten sie oft voraus und Anke konnte in aller Ruhe ihre Englischkenntnisse auffrischen. Es war übrigens einer der wenigen Schwarzen, mit denen wir in Südafrika ein längeres Gespräch führten. Dies wurde nur durch das Einsammeln der Anfänger (Paul & ich) auf ihren eher phlegmatischen Rössern unterbrochen.

Blood River

Auf dem Weg in Richtung Osten bot sich ein Zwischenstop in den Battlefields an. Das ist eine sehr geschichtsträchtige Gegend und wir machten einen Abstecher zum Blood River. Dort befand sich ein Denkmal, das aus 64 bronzenen Planwagen bestand, die zu einer Wagenburg zusammengestellt wurden und an eine Schlacht erinnern sollte, in der Zehntausende Zulus gegen 400 Buren kämpften. Es gab Tausende Tote auf Seiten der Zulus und etwa 3 Verletzte bei den Buren.
Die Unterkunft in Dundee war der einzige "Durchhänger" der ganzen Reise. Sie hatte zwar Fußbodenheizung aber auch eine sehr gesprächsintensive Dame des Hauses. Dazu kam, dass das einzige Restaurant des Ortes, das wir nach sehr langem Suchen fanden, restlos voll war und wir den Abend bei "Wimpy┤s" verbrachten. Das ist eine sehr häufig anzutreffende Fastfood-Kette. Zur Krönung des Abends wurde dieser Laden auch von einigen lautstarken walisischen Rugby-Spielern, samt weiblichen Gefolge, alle um die 16 Jahre alt, aufgesucht. Der Besitzerin, Franchise-Gewinnerin 1995, war es sehr peinlich als sie uns nach 20 Minuten entdeckte und sich noch keine Bedienung um uns kümmerte. Die wortreichen Entschuldigungen ihrerseits waren uns dann wieder fast peinlich, so ist das eben mit den Südafrikanern.

St.Lucia Wetland Park und Umfolizi/Hluhluwe Park

Der St.Lucia Wetlandpark war ein sehenswerter Naturpark und lag direkt am Indischen Ozean, eingeschlossen von herrlichen Mangroven-Wäldern. Er war außerdem ein Eldorado für Hochseeangler. Das merkten wir schon auf dem Weg dorthin an den vielen Pick-Up┤s, die beladen mit vielen Angeln und Strandbuggys unterwegs waren. Der Ort selbst ist ein typischer Touristenort mit vielen netten Unterkünften, Restaurants und Pubs. Mit Hilfe des hiesigen Touristenbüros fanden wir entgegen allen unseren Befürchtungen eine sehr gute Unterkunft am Rande des Flusses mit herrlichem Blick in die dschungelgleiche Umgebung. Es war zwar eine kleine Hotelanlage, aber doch sehr familiär und geschickt konstruiert. Wir konnten sogar den Preis noch etwas herunterhandeln und blieben dafür gleich zwei Tage. Das Frühstück gab's im Freien und dazu deutschen Schlager oder die Hits von ABBA.
In St.Lucia wurden Fahrten durch den Wetlandpark angeboten. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir fuhren mit einem Boot auf dem Fluss, vorbei an Flusspferden und Krokodilen. Es war schon beeindruckend an 6 Meter langen, zukünftigen Handtaschen und Maulaufreißenden Happy-Hippos vorbei zu gondeln. Obwohl die hier lebenden Krokodile eigentlich keine Chance haben, jemals in die Leder verarbeitenden Industrie zu gelangen, da dazu Tiere aus Krokodilfarmen genommen werden.
Von St.Lucia aus machten wir eine Tages-Safari in den Umfolozi-Hluhluwe-Park. In diesem Naturpark trafen wir vor allem auf jede Menge Nashörner, da es sich dieser Park zu Aufgabe gemacht hat, die vom Aussterben bedrohten Nashörner zu retten. Aber auch Giraffen, Elefanten, Büffel, verschiedene Antilopen und Löwen fanden wir dort.
In dem Park wurde uns auch sehr eindrucksvoll demonstriert, was Südafrikaner unter einem Picknick verstehen. Wir hielten in der Mittagszeit an einem der ausgebauten Picknickplätze und fingen an uns Brote zu schmieren und in der Unterkunft gekochte Eier zu pellen, welch ein Aufwand! Die anderen Gäste dort packten erst einmal ihre Utensilien aus: mindestens 2 Kühltaschen mit Verpflegung, Gasgrill, Weinkanister, Tischdecken, das gute Geschirr und Besteck, Oma und Opa. Dann wurde gegrillt und gegessen. Letzteres konnten wir nicht mehr mit ansehen, die Vorbereitungen allein dauerten länger als unser gesamtes Picknick, inklusive der Toilettenbesuche. Dafür hatten wir den anderen gegenüber einen zeitlichen Vorsprung und waren so ziemlich allein im Park unterwegs, ein paar Stunden jedenfalls.
Zurück in St.Lucia war unser erster Weg zum Quarterdeck, einem Grillrestaurant, das wir schon am Abend zuvor entdeckten. Im Freien sitzend genossen wir leckere Fleisch- und Fischgerichte. Eine Etage tiefer gab es die skurrilsten Biersorten in einer Bar.
Von St.Lucia aus fuhren wir unsere längste Etappe auf dieser Reise. Es ging in das 560 km weiter nördlich gelegene Nelspruit. Auf der Fahrt machte sich der Druck auf den Ohren bei nie enden wollenden Anstiegen und Abfahrten schmerzlich bemerkbar. Angekommen mussten wir leider feststellten, dass die von uns auserkorenen Pensionsbesitzer, das deutsche Ehepaar Schmidt, nicht anwesend waren. Wir fanden dann aber doch noch eine sehr preiswerte Unterkunft, aber weder der Hausherr noch seine Frau waren da. Beide waren im Krankenhaus, da sie an dem Abend ihren dritten Sohn bekamen. Auf den wurde später noch kräftig angestoßen...
In einem Restaurant erfuhren wir dann, was es mit "Neighbourhood-Watching" so alles auf sich hat. Normalerweise standen Schilder mit diesem Schriftzug an jedem Eingang einer von Weißen bewohnter Gegend und wiesen darauf hin, dass unbekannte Personen (meist Schwarze), die sich dort herumtrieben, streng beobachtet werden. Im Restaurant war es etwas anders. Da sprach uns eine Dame vom Nachbartisch auf deutsch an und fragte, ob wir in der Pension Schmidt wohnten. Als wir verneinten, fiel ihr auch wieder ein, dass die Schmidts mit Gästen im Krügerpark sind. Sie erzählte uns noch, dass Herr Schmidt wohl ursprünglich aus der DDR stamme. Danach bedauerten wir es noch ein wenig mehr, dass wir keinen angetroffen hatten.

Krüger Park

Am nächsten Morgen, nach einem wieder mal tollen und sehr üppigen Frühstück, gab uns unser Gastgeber noch einige Tips zum Krügerpark und zu Routen innerhalb des Parks. Der Krüger National Park ist der bekannteste und auch größte Naturpark Südafrikas. Wir waren zwar schon in 3 Parks gewesen und haben eigentlich alle möglichen Tiere gesehen, aber von einem Besuch des Krüger Parks waren wir nicht abzubringen. Das erste Tier, das wir im Park sahen, war eine Löwen-Mutti mit Kätzchen. Auf einem Picknickplatz erzählte uns ein deutscher Parkbesucher von jemandem, der seit über 10 Jahren in den Krügerpark für 2 Monate im Jahr fährt und noch keinen Löwen gesehen hat - müdes Lächeln. Wir konnten sogar noch eins drauf setzen. Kurz vor unserer Mittagspause hatten wir die Gelegenheit die Mittagsvorbereitungen eines Geparden-Pärchens zu beobachten. Sie versuchten sich unbemerkt an einige Antilopen heranzuschleichen, was ihnen trotz etlicher Zuschauer im Rücken auch ganz gut gelang. Nach einer dreiviertel Stunde wurde es uns aber zu lang, im Gegensatz zu den Geparden, die sich ihre enorme Spurtstärke auch sehr genau einteilen müssen.
An manchen Wasserstellen konnten wir ohne weiteres einen halben Zoo in scheinbarer Eintracht finden: Giraffen, Antilopen, Flusspferde, Krokodile, Seeadler, Wasserbüffel, Zebras, und jede Menge in Blechkäfigen eingeschlossene Touristen. In den Naturparks ist das Aussteigen aus den Autos nur an dafür gekennzeichneten Stellen erlaubt und wer die dort lebenden Tiere erst einmal erlebt hat, hält man sich auch daran. Nach 7 Stunden Safari verließen wir den Krügerpark wieder, da wir keine Unterkunft im Park selbst gefunden hatten. Es war einerseits gerade Pirsch-Saison und andererseits Winterferien in Südafrika und somit war jedes Bett im Park ausgebucht. In manchen Reiseführern wurde sogar empfohlen bis zu einem Jahr im Voraus zu buchen. Aber das mindert einen Parkbesuch keinesfalls, da in der Nähe des Parks jede Menge Pensionen und Unterkünfte zu finden sind, von denen man bequem Tagestrips unternehmen kann. Wir übernachteten in der Nähe von Haziview in einer Ferienanlage. Dort schliefen wir abermals in einer Rundhütte. In dem dortigen Restaurant, zeigte sich mal wieder, welch reiselustiges Völkchen die Sachsen doch sind. Vom Nebentisch drangen neben den üblichen Sprachbrocken aus Englisch und Afrikaans auch solche wie wir sie von den Sommerurlaubern am Warnemünder Strand kannten.

Drakensberge

Für unsere letzten Tage in Südafrika hatten wir uns noch einen Höhepunkt übrig gelassen: den Blyde River Canyon und die zahllosen Wasserfälle in seiner Nähe. In Sabi, einem kleinem Ort, der von der Holzindustrie lebt, fanden wir mal wieder eine Top-Unterkunft. Von unserer B&B Pension hatten wir einen herrlichen Blick auf das Sabi Tal, in dem der Ort lag. Von hier aus starteten wir unsere Erkundungstour zu den MacMac Pools, in Stein ausgewaschener Wasserlöcher mit eiskalten Gebirgsquellwasser. Auch die nahe gelegenen MacMac Falls tragen den Namen, weil dieser Gegend viele schottische Goldgräber ihr Glück suchten. Weiter ging es zum God's Window, von dem aus wir bis fast zum Krügerpark schauen konnten, nachdem wir uns an jede Menge keuchender Touristen mit hochwertiger Foto- und Videoausrüstung vorbei gedrängelt hatten.
Die Pottholes sind vom Blyde River ausgewaschene Gesteinsformationen, die riesigen Straßenlöchern ähnlich sehen, aber etwas größer sind (bis 40 Meter tief). Man kann herrlich zwischen ihnen herum klettern, was wir gleich testeten, und wir kamen, wie so oft schon, nach einer kleinen Entdeckungstour hinter einem Schild hervor, auf dem "No Entry" (zu deutsch: kein Durchgang) stand.
Die Fahrt entlang des Blyde River Canyons war schon Erlebnis genug. Es wurde aber noch übertroffen vom Blick über den Canyon auf die Three Rondavels, einer gigantischen Gesteinsformation, deren Anblick allein eine Südafrikareise rechtfertigte. Die Namensgebung wurde uns klar, als wir davor standen. Die drei Felsen ähnelten den typischen runden Behausungen der Schwarzen, den Rondavels, wirklich sehr. Sie waren nur etwas größer.
Von diesen Naturwundern fuhren wir durch ein Goldminengebiet, wo auch Minenaktivitäten hörbar waren. Bei einem kleinen Fluss machten wir eine kurze Rast und kühlten unsere Füße. Aber auch nach zwanzigminütigen Waten verfing sich nicht ein kleines Nugget zwischen den Zehen...
Weiter ging es nach Pilgrims Rest, einer alten Goldgräberstadt, die so belassen wurde, wie sie vor über hundert Jahren gegründet wurde. Wir kamen uns vor wie in einem alten Western, wenn wir uns die Touristen wegdachten.
Zum Tagesausklang schauten wir uns noch einige Wasserfälle (so 5-6) an, wobei der Lone Creek Fall in der Nähe von Sabi von uns als der schönste gekürt wurde. Zum Abendessen gab es Forelle aus einem der nahegelegenen Flüsse... lecker.
Am nächsten Tag relaxten wir nach einer knapp 4-stündigen Wanderung durch die Bergwelt im Garten unserer Unterkunft. Wir machten die ersten Fotoauswertungen (die Entwicklungspreise waren wie in Deutschland, es dauerte aber nur 2-3 Stunden) und kämpften mit Snoopy, dem Rehpinscher der Gastgeber um unsere Badelatschen. Zum Abendessen wurde ein Braai veranstaltet. Dabei handelte es sich um eine Domäne der männlichen Südafrikaner. Der Braai war ein großer Holzgrill, auf dem leckeren Sachen zubereitet wurden. Dazu gab es neben traditionellen Beilagen auch welche, die uns als Europäer nicht so bekannt und teils sehr gut, teils gewöhnungsbedürftig waren. Da es in der Nacht empfindlich kalt wurde (die Temperaturen bewegten sich im einstelligen Bereich), wurde der Rest der Veranstaltung an die Hausbar, vorm Kamin verlegt. Mittlerweile waren wir zu einer recht lustigen Truppe dort angewachsen. Zu uns gesellten sich neben den Gastgebern noch ein Pärchen aus der (französischen) Schweiz, die eine Bekannte in Bloemfontein besuchen wollten, ein Kapstädter, der nur mal in den Krüger-Park wollte und ein amerikanisches Pärchen, die allem Anschein nach auf ihrer Hochzeitsreise waren. Es gab 'ne Menge zu erzählen: wo alle überall so waren, wo die Neuankömmlinge unbedingt hinfahren sollten und was sie tun und lassen sollten.
Dabei zeigte sich mal wieder wie angeschmiert die Amis sind, mit Englisch als einzige Sprache. Während der Rest sich in manchen Situationen in seiner jeweiligen Heimatsprache (afrikaans, französisch, deutsch) lauthals unterhalten konnte, ohne verstanden zu werden, verstanden alle das, was sich das amerikanische Turtel-Pärchen vergeblich zuzuflüstern versuchte.
Unsere vorletzte Etappe stand am nächsten Morgen an. Die Fahrt ging über den Long Tom Pass. Wir waren in den 3 Wochen ja schon viele Bergstraßen gefahren, aber dieser Pass war aufs neue aufregend. Nördlich von Middleburg machten wir noch einen Abstecher zu einem Ndebele-Dorf. Dieser Volksstamm hat eine bewegte Geschichte hinter sich und ist bekannt für seine buntbemalten Hütten. Dabei werden nicht nur traditionelle Muster und Dinge gemalt, auch moderne Errungenschaften, wie Telefon, Jumbo-Jet oder die neue südafrikanische Nationalflagge finden Einfluss.
Pretoria, die blühende Hauptstadt, wurde uns von vielen Südafrikanern empfohlen, von Johannesburg wurde uns im gleichen Maße abgeraten. Nicht nur weil Jo'burg eine der kriminellsten Städte der Welt ist, auch weil sie als Stadt außer ein paar Hochhäusern nicht so viel zu bieten hatte wie Pretoria. Der Präsidentenpalast vom Herrn Mandela war wirklich ein Schmuckstück. Wir konnten ihn auch hemmungslos besichtigen, keine Verbotsschilder oder Ordnungshüter. Nur hineingegangen sind wir nicht. Eine Reise nach Pretoria soll besonders im Frühling (Sept.-Okt.) eindrucksvoll sein. Fast jede Straße der Stadt ist von violett blühenden Jacaranda-Bäumen gesäumt und somit scheint die gesamte Stadt in einem lila Blütenmeer zu tauchen.
Wir übernachteten im Holiday Inn Resort, einem 0815-Hotel ohne eigenes Flair, aber B&B-Unterkünfte in und um Pretoria hätten unseren finanziellen Rahmen gesprengt. Abends wurden dann die kurz zuvor gekauften "Reste" vernichtet (ein Paar Six-Packs Windhoek).
Von Pretoria fuhren wir direkt zum Flughafen der kurz vor Johannesburg lag und flogen nach Hause. Zurück blieben einmalige Erlebnisse und Eindrücke von einem Land das zu Recht mit dem Slogan wirbt: Die ganze Welt in einem Land.